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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 26.11.2010

Habermann - Ein Film von Juraj Herz
Evelyn Gaida

Der slowakisch-jüdische Regisseur überlebte die Inhaftierung in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück. Trotz dieses verheerenden Erlebnishintergrunds greift er in seinem Drama ...



... "Habermann" die Vertreibung von 3 Millionen Deutschen aus dem Sudetenland zum Ende des Zweiten Weltkrieges auf.

Ein in Schweigen gehüllter Teil deutsch-tschechischer Geschichte wird von Juraj Herz filmisch angegangen, ohne die Verbrechen der Nazis abzumildern oder eine Gleichsetzung zu betreiben. "Ich hätte das auf einer wahren Begebenheit beruhende Drehbuch niemals mit einem deutschen Regisseur verfilmt", sagt Hauptdarsteller Mark Waschke im Interview mit NWZ Online. Die ZuschauerInnen werden in der Verfilmung jedoch mitten in den Tumult sich überschlagender Ereignisse katapultiert, deren weitgehend unbekannter historischer Hintergrund undurchsichtig bleibt. Derweil fungieren die Charaktere vornehmlich als Demonstrationsfiguren und rufen aus diesem Grund wenig menschlichen Bezug hervor. Die gezeigte Brutalität erschüttert dennoch unausweichlich.

In tschechisch-deutsch-österreichischer Koproduktion wird das Drama frei nach Josef Urbans Roman "Habermanns Mühle" erzählt, außerdem lose an die tatsächliche Vorgeschichte eines Mordprozesses geknüpft. Die Handlung kreist um August Habermann (Mark Waschke), erfolgreicher Betreiber eines Sägewerks und einer Mühle im Sudetenland, die sich seit mehreren Generationen im Besitz seiner Familie befinden. Er beschäftigt hauptsächlich TschechInnen, das Verhältnis zueinander ist von gegenseitiger Wertschätzung und Unterstützung geprägt. Sein persönliches Glück findet Habermann in der Heirat mit der Tschechin und Halbjüdin Jana (Hannah Herzsprung). Der Trauzeuge und beste Freund des Bräutigams, Jan Brezina (Karel Roden), ist ebenfalls Tscheche und wiederum mit einer Deutschen (Franziska Weisz) verheiratet.

Als die Nazis im Sudetenland einmarschieren, gerät das friedliche Zusammenleben von Deutschen und TschechInnen in Habermanns Dorf aus den Fugen. Eine Spirale der Korruption, Intrigen, des Opportunismus und der Gewalt wird unaufhaltsam in Gang gebracht. Vom Regime unter Druck gesetzt, versucht Habermann gleichzeitig, seine Angestellten und FreundInnen zu schützen, die zum Teil dem tschechischen Widerstand angehören. Die ZuschauerInnen erfahren dabei sehr wenig über die Charaktere, deren Dienst darin besteht, als sorgfältig austarierte "Stellvertreter" die `Geschichte´ voranzutreiben. Letztere erscheint auf diese Weise jedoch als kulissenhafte historische Bühne. Habermanns jüngerer Bruder Hans (Wilson Gonzalez Ochsenknecht) schließt sich begeistert den Nazis an und zieht in den Krieg, bleibt sonst aber gesichtslos. Etwas plastischer gerät Sturmbannführer Koslowski (Ben Becker), dessen Sadismus und zynisches Profitstreben als Antrieb offen zutage treten. Nicht als "verstaubten Zinnsoldaten" habe er ihn darstellen wollen, sagte Ben Becker bei der Berliner Premiere über seine Rolle, sondern als Geschäftsmann, der über Leichen geht. Man müsse auch an die Zeit nach dem Krieg denken, merkt Koslowski niederträchtig an und lässt sich die Schonung des Lebens von zehn tschechischen Bürgern mit Habermanns Familienschmuck bezahlen. Zehn andere werden dennoch hingerichtet. Als die Kapitulation der Wehrmacht bevorsteht, trifft Koslowski rechtzeitig Vorkehrungen, sich nach Argentinien abzusetzen, und entledigt sich übergangslos seines Titels.

Jana (Hannah Herzsprung) kämpft um ihre Tochter Melissa © farbfilm verleih


Die restliche deutsche Bevölkerung wird unter brutalen Misshandlungen aus dem Dorf gejagt, Habermann von seinen früheren tschechischen Angestellten zu Tode gefoltert. Seine Frau Jana, die als Halbjüdin von den Nazis mit der gemeinsamen Tochter verschleppt worden war, wird in ihrem Heimatort nun als "deutsche Schlampe" geprügelt und vertrieben.

AVIVA-Tipp: Trotz der konstruierten Inszenierung führt Regisseur Juraj Herz in erschütternder Weise die Ungerechtigkeit pauschaler Verurteilung und deren grausame Folgen vor Augen. Das Erlebnis der Vertriebenen und historische Zusammenhänge bleiben dabei jedoch im Hintergrund des bloß plakativ Kulissenhaften.

Zum Regisseur: Juraj Herz arbeitete in den unterschiedlichsten Genres: Er inszenierte Musicals, Kammerspiele und Literaturadaptionen sowie Märchenfilme. Inzwischen arbeitet Herz fürs Fernsehen, arrangiert aber auch Spielfilme und Theaterinszenierungen. Seine Karriere begann der heute 76-jährige in Prag, wo er an der Akademie der Schönen Künste Fotografie und Puppenspiel studierte. Nach einem weiteren Studium der Regie und des Schauspiels begann Herz seine Laufbahn am Theater Semafor. 1961 führte ihn eine Regieassistenz zu den Prager Barrandov Filmstudios, die ihm 1965 sein Regiedebüt mit dem Kurzfilm DIE GESAMMELTEN ROHEITEN ermöglichten. Für EINE STANDESGEMÄSSE EHE war er 1972 für die Goldene Palme in Cannes nominiert, mit EIN TAG FÜR MEINE LIEBE 1977 für den Goldenen Bären in Berlin. Dreimal wurde er mit dem Bayerischen Filmpreis für die Beste Regie ausgezeichnet, im Jahr 2009 für HABERMANN.

Habermann
Tschechisch/deutsch/österreichische Koproduktion 2010
Regie: Juraj Herz
Buch: Wolfgang Limmer nach dem Roman "Habermanns Mühle" von Josef Urban
DarstellerInnen: Mark Waschke, Karel Roden, Hannah Herzsprung, Ben Becker, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Franziska Weisz u.v.a.
Verleih: farbfilm
Lauflänge: 104 Minuten
Kinostart: 25. November 2010

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.habermann-film.de

www.farbfilm-verleih.de

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