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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 18.02.2011

Weitertanzen - Ein Film von Friederike Jehn. Ab 18.02.2011 auf DVD
Evelyn Gaida

Die Hochzeit als schrecklichster Tag im Leben. Regisseurin Friederike Jehn kreiert eine packende Alptraumnovelle, ein Fest der Bilder – psychologisch hochaufgeladen, tragisch-komisch und mit ...



... subtilen Untergründen. Plumper Slapstick, in der Torte abtauchende Gesichter oder aufplatzende Hochzeitsroben glänzen durch völlige Abwesenheit.

Trotzdem sind sie alle da, die Schrecken einer solchen Veranstaltung, als seien sie wilden Horrorfantasien von öffentlichen Auftritten oder offiziell organisierten Feierlichkeiten leibhaftig entsprungen: Angefangen mit dem nebelumwitterten Schwarzwälder Schlosshotelkasten und seiner muffig-morbiden RentnerInnenromantik, über maskenhaft geschminkte Gesichter, missbilligende oder abgehalfterte Mütter, die sich danebenbenehmen, penetrante Spiel- und Spaßideen der FreundInnenschar aus dem Tennisclub bis hin zum Aufgebot der Ex-FreundInnen, die es sich auf keinen Fall nehmen lassen wollen, Ungemach zu stiften. Was in diesem Film aus dem festlichen Hochzeitsgewand platzt, sind keine Körperteile, die man besser für sich behält, sondern der schlagartig zusammengeballte Vergangenheitsballast. Der war natürlich nicht eingeladen – und kann die Nähte eines einzigen, möglichst lupenreinen Tages nur zum Bersten bringen.

Von der Atmosphäre dieser Räumlichkeiten und der zwischenmenschlichen Energie, die sie beherbergen, werden die ZuschauerInnen nach kurzer Zeit regelrecht aufgesaugt. Eine Art wohlige Faszination des Grauens macht sich breit. Die immer mehr gesteigerte Verzweiflung und Bedrängnis der Braut (Marie-Christine Friedrich) ist dennoch ernsthaft und durchdringend spürbar. Regisseurin Friederike Jehn meistert bravourös das Kunststück, ihren Debütfilm amüsant und tiefgründig zu gestalten.

Wie sind Maren und Arno (Barnaby Metschurat) da nur hineingeraten? Ein eher flippiges Paar, das sich, zu allem entschlossen, eben spontan zum Heiraten entschließt. Schon rauschen sie in voller Hochzeitsmontur auf dem Motorrad gen Trauung, mitten hinein in die weißen Nebelschleier einer ungewissen Zukunft, die gleich bei der Feier beginnt: Niemand hätte es ihnen zugetraut, niemand scheint an sie zu glauben oder sich für sie zu freuen.

Maren stellt sich schnell als Fremde unter den Gästen ihrer eigenen Hochzeit heraus. Nur eine ihrer geladenen FreundInnen ist erschienen, neben der aufgetakelten Mutter (Ingrid Caven), die einzig dem Alkohol zuspricht, und deren unbekanntem Mitbringsel aus dem Hotel. Ungeladen taucht – welche Freude – der Ex-Freund (Peter Stipe Erceg) auf, der Maren sechs Jahre zuvor sang- und klanglos sitzengelassen hatte. Übermächtig dagegen Arnos Anhang: Der verstaubt-spießige Familienclan, die versammelte Männermannschaft aus dem Sportverein und die zahlreichen Verflossenen. Sie alle vereinnahmen den Bräutigam und torpedieren die Braut mit Seitenhieben, vielsagenden Andeutungen, nervtötenden Fragen und Psychospielchen.

Die Feier wird zur Feuerprobe für den Zusammenhalt und das Vertrauen zwischen dem Paar, von allen Anwesenden konsequent unterminiert. Eine Schlinge des Grotesken, die sich immer enger um den Hals der abgedrängten Braut zusammenzieht, und eine Bildlichkeit, die sich immer fulminanter auflädt. Im unablässigen Kampf gegen das längst eingetretene Debakel wird Maren durch die Mangel des Liebesbarometers oder des Herzblatt-Fragebogens gedreht, von der Ballmaschine aus dem Tennisclub beschossen oder den restlichen Sportskanonen gewaltsam entführt. Die Tanzfläche dieses Hochzeitswalzers gleicht einem abgründigen Parcours.

AVIVA-Tipp: Wie ein gehetztes Reh irrt die Braut durch abgegessene Party-Wüsten, zwängt sich durch vollgestopfte Abstellräume, abgelegene Flure und andere Alptraumszenarien äußerster gesellschaftlicher Bedrängnis: Von der Regisseurin in einer Fülle von beeindruckenden Perspektiven und Bildern mit leidenschaftlicher Opulenz entworfen - während die zunehmende Verunsicherung auf dem Gesicht der Hauptdarstellerin zittert. Feine Linien und satte Farben, Schauspiel und Regie, Psychologie und Symbolik verbünden sich in Friederike Jehns ausgezeichnetem Spielfilmdebüt zu einem ausdrucksstarken Sog, der sich auch die ZuschauerInnen einverleibt.

Zur Regisseurin: Friederike Jehn ist seit 2005 Absolventin der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg im Bereich Regie und Drehbuch. Sie lebt in Berlin als freie Regisseurin und Autorin. "Weitertanzen" erhielt 2008 den Eastman Förderpreis, 2009 den Achtung Berlin Award und im selben Jahr den Deutschen Filmkunstpreis.

Weitertanzen
Label: Zorro Film, Reihe "Junges Deutsches Kino"
Buch und Regie: Friederike Jehn
DarstellerInnen: Marie-Christine Friedrich, Barnaby Metschurat, Peter Stipe Erceg, Ingrid Caven, Bea Annika Martens, Isabella Marija Malena u.a.
Bildformat: 1:1,78
Tonformat: Dolby Digital 5.1
VÖ: 18.02.2011
Gesamtspieldauer: 85 Minuten

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.weitertanzen.de

www.zorrofilm.de

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Filmfestival achtung berlin - new berlin film award 2010

35 Rum

Kultur Beitrag vom 18.02.2011 Evelyn Gaida 

   




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