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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 12.12.2010

She She Pop - 7 Schwestern
Claire Horst

Was fängt ein Performance-Kollektiv mit einem Tschechow-Stück an? Es okkupiert ein Theater und funktioniert Lobby, Toilette und Hof zu den Zimmern der drei Schwestern um. Jedenfalls wenn das ...



... Kollektiv She She Pop heißt.

Textsicherheit spielt in dieser Inszenierung keine zentrale Rolle – und deshalb stört es auch nicht allzu sehr, wenn die SchauspielerInnen sich bei der Premiere noch ab und zu verhaspeln. Schließlich ist jeder Zuschauerin klar: Hier wird ein Stück gespielt – und das heißt: She She Pop tut nur so als ob. Denn die PerformerInnen verlassen ihre Rollen immer wieder und teilen mit: Eigentlich sind wir She She Pop, und was wir hier tun, ist Arbeit.

Und die Arbeit steht dann auch im Mittelpunkt des Stückes bei She She Pop. Verhandelt werden hier die elementaren Fragen heutiger Frauen: Kinder kriegen oder nicht, die Arbeit zum Lebensinhalt gestalten oder nicht. Auch bei Tschechow sind die Schwestern in der Lebenskrise, in den Stillstand gezwungen durch ihre Abhängigkeit vom entscheidungsunfähigen Bruder.

Doch Tschechows Schwestern hoffen auf die Erlösung durch die Liebe, durch Heirat mit dem richtigen Mann. Männer spielen bei She She Pop überhaupt keine Rolle – die drei männlichen Charaktere des Originalstückes treten gar nicht auf. Und von den Luxusproblemen des Moskauer Schwestern, die erst um 12 aufstehen und dann zwei Stunden zum Anziehen brauchen, geht das Ensemble über zu heutigen Luxusproblemen und plagt sich lieber mit dem Streit über das Einräumen der Spülmaschine und langen Nächten in der Kneipe.

Für eine Gruppe, die eigentlich aus sieben Personen besteht, ist es eine ungewöhnliche Spielsituation. Drei der vier Schwestern sind nur imaginär vertreten, eben als Figuren von Tschechow. Die anderen verteilen sich irgendwo im Gebäude, den ZuschauerInnen zeigen sie sich meist nur auf einer der fünf bis sechs Leinwände, die das ganze Bühnenbild ausmachen.

Das auf einer der Leinwände gezeigte Klo ist in dieser Inszenierung ein besonders wichtiger Ort. Hier findet jeweils eine der Schwestern die Muße, aus dem "Original" betitelten Reclamheftchen vorzulesen. Die anderen bemühen sich indessen, die beschriebenen Szenen mehr oder weniger originalgetreu nachzuspielen. Klo und Hinterhof, Salon, Küche und Kinderzimmer, in keinem dieser Räume findet die "Schwesternschaft", was sie sucht: einen sinnstiftenden Ort, an dem ihr Leben und ihre Gemeinschaft eine irgendwie geartete Bedeutung hätten.

Was hat das Stück überhaupt noch mit Tschechow zu tun? Um die Handlung, die unglücklichen Liebesbeziehungen der Schwestern etwa, geht es She She Pop überhaupt nicht. Sie kommen nicht vor. Von Bedeutung ist nur noch die Struktur des Stückes. Denn anders als im klassischen Drama gibt es bei Tschechow keinen Spannungsbogen, keinen Höhepunkt. Und so funktioniert auch die Inszenierung. Es wird geredet, mal von allen gleichzeitig, mal von einer Schwester, ohne dass ihr jemand zuhört. Und genau das thematisieren die PerformerInnen/ Figuren immer wieder: Hört mir überhaupt jemand zu?

AVIVA-Tipp: Die berühmte Spielfreude des Ensembles macht die Inszenierung zu einem großen Spaß. Und die Selbstreferentialität, mit der die SchauspielerInnen sich als heute lebende Personen immer wieder ins Spiel bringen, ist das eigentlich Spannende an der Inszenierung. Was soll der Quatsch, ist vielleicht der erste Gedanke, wenn die Zuschauerin das nächste Mal in einer klassischen Inszenierung sitzt. Was haben diese Moskauerinnen des 19. Jahrhunderts mit mir zu tun?

Zum Ensemble: She She Pop ist ein Performance-Kollektiv mit sieben Mitgliedern in Berlin und Hamburg, das 1998 aus dem Studiengang der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen hervorgegangen ist. Ständige Mitglieder sind Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou und Berit Stumpf.

She She Pop im Netz: www.sheshepop.de/

Uraufführung: 10. Dezember 2010
weitere Vorstellungen: 12.-14. Dezember 2010, 19:30 Uhr

Veranstaltungsort:
HAU 1 Berlin
Stresemannstr. 29
10963 Berlin
www.hebbel-am-ufer.de

Telefon: 030 259004 27
E-Mail: tickets@hebbel-am-ufer.de

Karten 7,70 Euro – 19,80 Euro

19.–21. und 27.–29. Mai 2011, 19:30 Uhr
Kampnagel Hamburg
www.kampnagel.de/

Konzept: She She Pop. Mit: Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Lisa Lucassen, Ilia Papatheodorou und Berit Stumpf. Assistenz: Kaja Jakstat. Bühne: Sandra Fox. Assistenz Bühne: Janna Schaar. Kostüm: Lea Søvsø. Technische Leitung: Jürgen Salzmann. Sounddesign: Jeff McGrory. Produktion/ PR: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro. Administration: Elke Weber. Hospitanz: Sarah Kuska

Eine Koproduktion von She She Pop mit dem Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg und dem FFT Düsseldorf. Gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, die Behörde für Kultur, Sport und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg und die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V. – aus Mitteln des Bundes.


Kultur Beitrag vom 12.12.2010 Claire Horst 

   




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