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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 14.12.2010

Picture Me - Tagebuch eines Topmodels. Ein Film von Sara Ziff und Ole Schell
Yasmine Georges

Es sollte ein Videotagebuch werden, doch was als privates Projekt begann, entwickelte sich zu einem intimen Einblick in die Welt der Mode. "Picture Me" ist wohl der erste Film, der schonungslos...



... die Schattenseiten der Fashionbranche anprangert und es zugleich schafft auch die guten Aspekte hervorzuheben.

Auf der einen Seite stehen Chanel, Gucci und Prada, auf der anderen Klum, Banks und BlĂŒmchen – die Welt der Mode ist eine der großen Namen. Über diejenigen, die ĂŒber die Laufstege wandeln, weiß frau meist nur wenig. Ein strahlendes LĂ€cheln auf dem roten Teppich, ein unbeteiligtes Gesicht auf dem Catwalk, ein Foto auf der LitfaßsĂ€ule – Models sind allgegenwĂ€rtig und doch nie ganz fassbar. Sara Ziff gehörte bereits mit 18 Jahren zur Riege der Topmodels. Nachdem sie mit 14 von einer New Yorker Fotografin auf der Straße entdeckt worden war, lief sie Schauen fĂŒr Calvin Klein, Prada, Tommy Hilfiger und Dolce & Gabbana, sie reiste von New York nach Mailand, Paris und London. Als sie den Filmstudenten Ole Schell kennen lernte und die beiden ein Paar wurden, war das auch der Beginn eines gemeinsamen Projekts. Die beiden kamen auf die Idee, den Modelalltag in einem Videotagebuch festzuhalten. Als sich das Material hĂ€ufte und die beiden neben Szenen aus dem Alltag zwischen Laufsteg und Fotoshootings auch Statements von Kolleginnen und Berichte ĂŒber unschöne Erfahrungen aufnahmen, entwickelte sich das Tagebuch zu einem Film.

Das Geld ist Antriebsmotor und zugleich Problemfaktor

Die Kamera folgt ihr ĂŒberallhin. Sara sitzt in der Badewanne und erzĂ€hlt von der Fashion Week oder steigt ĂŒbermĂŒdet in ein Taxi, um zu einem nĂ€chtlichen Fitting zu fahren. Immer wieder wagen sich auch Kolleginnen vor die Kamera und berichten von ihren Erlebnissen in der Modewelt. Am Anfang sprechen sie alle noch vom Geld. Sara zeigt ihrem Freund stolz die Schecks. Über 11.000 Dollar hat sie in einem Monat verdient, eine andere erzĂ€hlt von 30.000 Dollar fĂŒr einen Flug nach Japan. "Das einzige, was ich mit diesem Job will, ist viel Geld verdienen", sagt Sena Cech, Saras Mitbewohnerin in London. "Aber du machst Schulden. Ich habe Schulden bei der Agentur fĂŒr die FlĂŒge, fĂŒr den Chauffeur, das Essen." Schon hier bröckelt die Fassade. Cech gibt sich gelassen, alle Models tun das, doch wenn sie von den Problemen berichten, die das Geld mit sich bringt, blickt die ein oder andere traurig in die Kamera.

Sexuelle BelÀstigung, Kritik und Selbstzweifel

Beziehungen mit Gleichaltrigen scheinen fast unmöglich: "Die meisten gehen auf die Uni und verdienen noch nicht viel und ausnutzen lassen will man sich auch nicht.", erzĂ€hlt ein anderes Model. Auch zwischen Sara und ihrem Freund steht das Geld. Sie möchte nicht immer diejenige sein, die bezahlt, sagt sie. Auch er solle seinen Beitrag leisten und sie gelegentlich zum Essen ausfĂŒhren. Sogar in solch intimen Momenten des Streits bleibt die Kamera prĂ€sent und nimmt die subtilen Gesten auf, ohne zu kommentieren. Und dann gibt es auch noch andere Geschichten, die erzĂ€hlt werden mĂŒssen. So die von Sena Cech. Es ist auch die eines berĂŒhmten Fotografen, der sie gemeinsam mit seinem Assistenten zu sexuellen Handlungen nötigte. Vor laufender Kamera kommen Sena nicht die TrĂ€nen. Vielleicht ist sie bereits zu lange in diesem Job und zu sehr an das stĂ€ndige LĂ€cheln gewöhnt. Auch Sara berichtet von "kompromittierenden Situationen" und betont, dass sich die meisten nicht trauen wĂŒrden darĂŒber zu reden, weil sie einfach noch zu jung seien und zu unerfahren. Das Alter ist ein weiteres Problem der Branche. Die "Frauen" auf den Laufstegen sind meist erst 15 oder 16. Sie sollen "androgyn wirken". Die Ă€lteren Models eifern diesem Ideal nach und nehmen sich die Kommentare von FotografInnen, AgentInnen und DesignerInnen zu Herzen. "Ich kenne kein Model, das mit sich selbst zufrieden ist.", sagt Sara und beĂ€ugt sich misstrauisch in einem Magazin.

Alltagsstress

Der nĂ€chste Abschnitt des Films beleuchtet den stressigen Alltag der Models. Zwischen Shooting, Flug und Fitting bleibt manchmal nicht einmal Zeit zum Essen und auch an Schlaf ist wĂ€hrend der Fashion Week nicht zu denken. "Manche Fittings finden spĂ€tnachts statt und wenn du am nĂ€chsten Tag wieder arbeiten musst
", beschreibt ein Model achselzuckend seinen Arbeitsalltag. Zwischen den Berichten von Missbrauch, Schlafentzug, Erschöpfung und Drogen leuchtet immer wieder die eine Frage durch: Wozu das alles ertragen? Die Antwort steht zwischen den Zeilen, gleich zu Anfang, wenn der Fokus des Films noch auf dem Geld liegt. "Wenn du 10.000 Dollar fĂŒr ein Foto bekommst, warum dann einen anderen Job annehmen?", fragt Sara. Sie alle fragen das und doch weichen die ErzĂ€hlungen zum Ende hin immer mehr vom Modeldasein ab. "Ich will eine gute Mutter sein." und "Ich will ein eigenes Haus." heißt es am Schluss. Auch Sara will sich weiterentwickeln. In den fĂŒnf Jahren Drehzeit kann frau ihre VerĂ€nderung sehen. Vom quirligen MĂ€dchen, das sich fragt ob seine Entscheidung gegen das Studium und fĂŒr das Modeln richtig war zur Erstsemestlerin. "Ich will vorankommen und meine eigene Geschichte erzĂ€hlen.", sagt sie und macht sich mit der U-Bahn auf den Weg zu ihrem ersten Tag an der Uni.

AVIVA-Tipp: Wer ist die Frau aus der Werbung und was empfinden diejenigen, die ĂŒber die Laufstege flanieren? Sara Ziff wirft einen ungeschönten Blick hinter die Masken der Mannequins, wischt ihnen Make-Up und LĂ€cheln vom Gesicht und fordert sie auf, ehrlich zu sein. Fernab von Modeschauen und Haute Couture - was bedeutet es wirklich, ein Model zu sein? Sara Ziff und Ole Schell beantworten diese Frage in dieser aufrĂŒttelnden Dokumentation und stellen gleichzeitig eine andere: Gibt es keinen anderen Weg?

Picture Me
SĂŒdkorea 2009
Deutsche Fassung und OmU
Regie: Ole Schell und Sara Ziff
DarstellerInnen: Sara Ziff, Caitriona Balfe, Irina Lazareanu, Tanya Dziahileva, Missy Rayder, Karl Lagerfeld u.a.
LauflÀnge: 80 Minuten
FSK: 12 Jahre
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Copyright: Atlas Film Home Entertainment
DVD-Start: 03. Dezember 2010

Weitere Infos zum Film finden Sie unter:

www.picturememovie.com

Kultur Beitrag vom 14.12.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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