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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 14.12.2011

Naokos Lächeln - ein Film von Tran Anh Hung. Ab 25. November 2011 auf DVD
Anna Hohle

Die Verfilmung Haruki Murakamis berühmter Liebesgeschichte konzentriert sich ganz auf die melancholische Essenz der Romanvorlage und bildet Glück und Unglück ihrer ProtagonistInnen in...



... stimmungsvollen Momentaufnahmen und eindringlichen Naturbildern ab.

Japan im Frühjahr 1968: Der achtzehnjährige Toru (Kenichi Mazuyama) hat seine Heimatstadt verlassen, um ein Studium in Tokyo zu beginnen. Doch während seine KommilitonInnen Marx lesen, die Weltrevolution diskutieren und die üblichen jugendlichen Exzesse durchleben, verspürt der nachdenkliche junge Mann eine starke Distanz gegenüber seiner Umwelt. Den Selbstmord seines besten Freundes Kizuki im letzten Schuljahr hat er nur verdrängt, nicht verwunden.

Als er in Tokyo Kizukis Jugendliebe Naoko (Rinko Kikuchi) wieder begegnet, trifft ihn die Vergangenheit mit aller Wucht. Die unbeschwerte Jugend, in der die drei FreundInnen ihre Schulnachmittage miteinander verbrachten, scheint unwiderruflich vergangen. Naoko, die den Tod Kizukis nicht verkraften kann, ist zu einer labilen und verschlossenen jungen Frau geworden, die ruhelos durch die Großstadt zieht und die Anforderungen des alltäglichen Lebens kaum mehr bewältigen kann. Toru verliebt sich unsterblich in Naoko, obwohl er spürt, dass ihre Ängste und ihre Todessehnsucht sie unaufhaltsam von ihrem gemeinsamen Alltag entfernen.

Eines Tages verschwindet Naoko. Toru erfährt erst nach einigen Monaten, dass sie sich in einem Sanatorium in den Bergen von Kyoto befindet. Er beginnt, sie in großen Abständen zu besuchen und nimmt in hartnäckiger Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft den Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit auf. Durch immer neue Rückschläge Naokos´ psychischer Gesundheit gerät jedoch auch Toru allmählich ans Ende seiner Kräfte. Seine vorlaute und ungezwungene Kommilitonin Midori (Kiko Mizuhara) dagegen strahlt eben jene Lebenslust aus, die er Naoko vermitteln möchte und selbst so dringend ersehnt. Doch lassen sein Verantwortungsgefühl und seine Liebe zu Naoko eine Beziehung mit Midori zu?

Wer immer sich dazu entschließt, einen Murakami-Roman zu verfilmen, geht ein großes Wagnis ein: Tausende Fans auf aller Welt haben während des Lesens bereits ihre ganz persönlichen Bilder und Vorstellungen der Geschichten entwickelt. Hier den richtigen Ton zu treffen und gleichzeitig der Komplexität der Romanvorlage gerecht zu werden, scheint fast unmöglich.

Dies hat wohl auch Regisseur Tran Anh Hung ähnlich empfunden und unternimmt gar nicht erst den Versuch, sämtliche Details und Verwicklungen des Originals stringent nachzuerzählen. Stattdessen konzentriert sich Hung völlig auf die Atmosphäre der Romanvorlage und leistet hier wirklich Großartiges: Die Bilder, die er erschafft, bilden die Stimmung des Buches so treffend ab, das man den Film am liebsten ohne Ton schauen würde. Fragile Momentaufnahmen zwischen dem Chaos der StudentInnenunruhen, den blühenden Gärten des Tokyoter Frühlings und den brachialen Naturgewalten in den Bergen Kyotos drücken die Verfassung der Figuren besser aus als es jeder Dialog vermag. Der Nachteil dieses atmosphärischen Erzählens besteht darin, dass jene ZuschauerInnen, die Murakamis Romanvorlage nicht kennen, der Handlung schnell nicht mehr folgen können. Zu viele Szenen und Dialoge, die das Handeln der Figuren erst schlüssig werden lassen, hat Hung zugunsten der konzentrierten Schönheit des Augenblicks ausgelassen. So ist Naokos Lächeln vor allem ein Film für Murakami-LeserInnen: Menschen, die Lust haben, sich zwei Stunden in einer verträumten filmischen Illustration ihres Lieblingsbuches zu verlieren.

AVIVA-Tipp: Die bildgewaltige Bestseller-Verfilmung wird vor allem überzeugten Murakami-Fans gefallen. Mehr als die originale Handlung wird jedoch die melancholische Atmosphäre der Romanvorlage transportiert. Jenes unsagbare Zwischen-den-Zeilen, welches das Schreiben des japanischen Autors auszeichnet, vermittelt Regisseur Tran Anh Hung durch wohlüberlegte Cuts und in stark symbolischen Naturbildern. Die Essenz des Romans bleibt so erhalten: Murakamis bittersüßes Plädoyer für das Wagnis des Lebens. Nicht nur FreundInnen des experimentellen Films werden diesem höchst intensiven Werk ihre Freude haben.

Zum Regisseur: Tran Anh Hung wurde 1962 in Laos geboren. Nach der kommunistischen Machtübernahme 1975 zog er mit seiner Familie ins französische Exil. Von 1985 bis 1987 besuchte er die Pariser Filmhochschule L´École Louis Lumière. Für seinen Debütfilm Der Duft der grünen Papayas (1993) wurde er in Cannes mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet und für den Oscar für den besten fremdsprachigen Film nominiert. Cyclo erhielt 1995 den Goldenen Löwen in Venedig. Es folgten Ein Sommer in Hanoi (2000) sowie 2009 I come with the Rain. Naokos Lächeln lief 2010 bei den Filmfestspielen in Venedig im Offiziellen Wettbewerb.

Naokos Lächeln
Norwegian Wood
Japan 2010
Regie: Tran Anh Hung
Drehbuch: Tran Anh Hung
Produktion: Asmik Ace Entertainment, Fuji Television Network
DarstellerInnen: Kenichi Matsuyama, Rinko Kikuchi, Kiko Mizuhara, Reika Kirishima, Kengo Kora, Eriko Hatsune, Tetsuji Tamayama
Verleih: Pandora Film
Technische Daten:
Laufzeit Hauptfilm: 138 Minuten
Laufzeit Bonusmaterial: ca. 70 Minuten
Barcode: 4042564130645
Extras: Making Of, Interviews, Pandora Trailershow
Bildformat: 16:9 (ANAMORPH)
Sprachen/Tonformat: Originalfassung (Japanisch) 2.0 DD/ 5.1 DD
Untertitel: Deutsch
FSK: 12

naoko.pandorafilm.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Tony Takitani", ein Film nach einer Erzählung Haruki Murakamis von 2005

Kultur Beitrag vom 14.12.2011 AVIVA-Redaktion 

   




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