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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 26.07.2011

Yume - ein Dokumentarfilm von Annkatrin Hausmann und Shirin Saghaie
Sonja Baude

Drei starke junge Frauen aus drei sehr verschiedenen Kulturen folgen unbeirrt ihrem Traum von einem selbstbestimmten Leben. Trotz mancher Fremdheit liegt in dieser Sehnsucht etwas sehr Vertrautes.



Produziert wurde der Dokumentarfilm von der Kunsthochschule f├╝r Medien K├Âln, an der die beiden jungen Regisseurinnen ihr Filmstudium in den Jahren 2009 und 2010 absolviert haben. Der Film lief beim diesj├Ąhrigen Filmfestival Max Oph├╝ls Preis und kommt nun erfreulicherweise in die Kinos.
Das japanische Wort Yume hei├čt ├╝bersetzt Tr├Ąume. Der Film l├Ąsst verstehen, dass ein Traum nicht nur etwas ├╝ber diejenigen erz├Ąhlt, die tr├Ąumen, sondern immer auch etwas ├╝ber die Wirklichkeit, die das Tr├Ąumen in Gang setzt.

Hausmann und Saghaie begleiteten eine Zeit lang drei junge Frauen im Alter um die 30 Jahre, die in den Metropolen Tokio, Havanna und Teheran zuhause sind. Vordergr├╝ndig ist es nicht allzu viel, was die ZuschauerInnen erfahren, keine chronologischen Lebensgeschichten, stattdessen aber sehr viele einzelne Augenblicke, Bausteine, die so klug von den Macherinnen verdichtet werden, dass sie einen tiefen Einblick bieten in das je verschiedene Leben dieser Frauen. Drei Leben, die trotz ihrer weiten geographischen und sozio-politischen Distanz viel miteinander verbindet: eine gro├če Sehnsucht und eine unaufgeregte Beharrlichkeit, um diese Wirklichkeit werden zu lassen.

Zumeist geht der Sehnsucht ein Mangel voraus. Und so setzt der Film in Tokio ein, das blinkend und leuchtend und ├╝berelektronisiert eine Ruhelosigkeit hervorruft, die wenig Geborgenheit zu bieten scheint. In diese Stimmung hinein l├Ąuft Tonko Kanako Ito, Stra├čens├Ąngerin, die mit knapp 30 Jahren ├╝ber ihr bereits gelebtes Leben sagt, dass es oft sehr einsam gewesen sei, dass sie, wenn sie es bedenke, sehr viel Zeit alleine zugebracht habe. Ein Gef├╝hl gro├čer Verlorenheit vor der Kulisse ganz gro├čer Lebendigkeit. Sie tr├Ąumt davon, als S├Ąngerin leben zu k├Ânnen, geht in Tonstudios zu Castings, singt und verkauft ihre selbst hergestellten CDs in den G├Ąngen anonymer Einkaufspassagen und gibt ihre Hoffnung auf den Durchbruch nicht auf. Noch immer lebt sie bei ihren Eltern, die sie bescheiden unterst├╝tzen und gleichzeitig mit Besorgnis der Zukunft ihrer Tochter entgegen blicken.

In Havanna lernen wir Anal├şa Amaya Garcia kennen, Videok├╝nstlerin, die sich auf engstem Raum mit ihrem Vater K├╝che, Bad und ein Zimmer teilt, und eine heruntergekommene, f├╝r den nordeurop├Ąischen Blick romantisch morbide Terrasse, von wo aus die beiden die Satdt und das Meer weit ├╝berblicken: "Havanna liegt uns zu F├╝├čen", sagt Anal├şa. W├Ąhrend ihres Studiums war sie drei Monate in Schottland. W├Ąre sie k├╝rzer geblieben, h├Ątte sie keine Zeit gehabt, sich zu verlieben, sagt ihre Mutter, die vom Vater getrennt und in einer anderen Stadt Kubas lebt. Ihr graut vor der gro├čen r├Ąumlichen Entfernung zur Tochter, falls deren Traum Wirklichkeit werden sollte und sie tats├Ąchlich nach Europa auswandern und zu dem geliebten Mann zur├╝ckkehren w├╝rde.

In den Stra├čen Teherans folgt die Kamera Ayin Bahar. Eine sch├Âne und kluge Frau, die mit ernstem Gesicht davon erz├Ąhlt, dass es den iranischen Frauen, anders als den M├Ąnnern, in der ├ľffentlichkeit nicht gestattet sei, zu lachen. Sie verl├Âren sonst ihr Ansehen. Ayin Bahar ist auf dem Weg zum Training. Schon in ihrer fr├╝hen Jugend sp├╝rte sie gro├če Aggressionen in sich aufwallen, f├╝r die sie seit langem ein Ventil gefunden hat: das Kickboxen. Sie trainiert mit unerm├╝dlichem Ehrgeiz - hier am gesch├╝tzten Ort darf sie ohne Hidschab k├Ąmpfen. Auf der Stra├če ist ihr Kampf gegen Unterdr├╝ckung und patriarchale Regressionen nur verdeckt zu erkennen. Sie will sich an keinen Mann binden, denn darin w├Ąhnt sie weitere Ausformungen ihrer Unfreiheit. Auch sie lebt, wie die beiden anderen Frauen, bei ihren Eltern, die ihre Tochter gleichsam st├╝tzen. Vielleicht ist sie, obwohl m├Âglicherweise den gr├Â├čten Widerst├Ąnden ausgesetzt, diejenige der drei Frauen, der es am ehesten gelingt, sich ihres Lebens selbstbewusst zu erm├Ąchtigen.

W├Ąhrend die Regisseurinnen diese Frauen begleiten, bleiben sie selbst im Hintergrund und so geht die Kamera mit durch die Stra├čen, kommentiert nicht, sondern schaut zu. Von Tokio schwenkt sie nach Teheran und von dort weiter nach Havanna. Die Filmerinnen f├╝hren eine Gemeinsamkeit der Schicksale vor, die unbedingt glaubhaft erscheint, ohne kulturelle und politische Unterschiede zu nivellieren. Gerade indem der Film auch das Verh├Ąltnis der T├Âchter zu ihren Eltern zeigt, erfahren wir manches von privaten und gesellschaftlichen, von tradierten und abweichenden Lebensweisen der Menschen dieser Gro├čst├Ądte. Damit gelingt es den Regisseurinnen auch, ein St├╝ck gegenw├Ąrtiger Mentalit├Ątsgeschichte zu erz├Ąhlen.

AVIVA-Tipp: Der Dokumentarfilm Yume der Nachwuchsfilmerinnen Annkatrin Hausmann und Shirin Saghaie erz├Ąhlt von den Hoffnungen drei junger Frauen, die an verschiedenen Orten dieser Welt unter sehr unterschiedlichen sozialen und politischen Umst├Ąnden sozialisiert wurden. Ihre Heimatl├Ąnder sind Japan, Kuba und Iran. Was diese Frauen verbindet, ist der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben, f├╝r das es sich unerm├╝dlich zu k├Ąmpfen lohnt. Den Regisseurinnen gelingt ein zur├╝ckhaltender und einf├╝hlsamer Blick in die jeweiligen Lebenswelten ihrer Protagonistinnen, der uns wie nebenbei lehrt, dass Tr├Ąume immer auch die Wirklichkeit widerspiegeln.

Yume
Deutschland 2010
Buch und Regie: Annkatrin Hausmann und Shirin Saghaie
Kamera: Shirin Saghaie
Schnitt: Annkatrin Hausmann
Produktion: Kunsthochschule f├╝r Medien K├Âln in Koproduktion mit Annkatrin Hausmann und Shirin Saghaie
digital
Mitwirkende: Tonko Kanako Ito, Anal├şa Amaya Garcia, Ayin Bahar
Verleih: Kunsthochschule f├╝r Medien K├Âln
Laufl├Ąnge: 65 Minuten
Kinostart: 28. Juli 2011



Kultur Beitrag vom 26.07.2011 Sonja Baude 

   




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