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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 24.08.2011

Lollipop Monster - ein Film von Ziska Riemann. Kinostart 25.08.2011
Clarissa Lempp

Wenn Teenie-Girls zu Tieren werden, so könnte der Untertitel zu Ziska Riemanns Coming of Age Film "Lollipop Monster" lauten. Ein Trip in die Pubertät mit knallbunten Bildern und dunklen Begierden.



Lollipop Monster: Das sind Oona und Ari, zwei Mädchen die gerade in der Blüte der Pubertät stehen, mit allen Leiden und Leidenschaften, die diese besondere Zeit mit sich bringt. Ari, großbusig, blond und supersinnlich, entflieht dem Heile-Welt-Alptraum ihrer Familie durch erste sexuelle Erfahrungen und dem machtvollen Gefühl sexy zu sein und damit auch "gewollt" zu werden. Oona hingegen muss gerade den Selbstmord ihres Vaters verarbeiten, der sich, nachdem er durch Oona von der Affäre seiner Frau mit seinem Bruder erfährt, am Baum des Schulhofs aufhängt. Als die beiden Mädchen aufeinander treffen, ist ziemlich schnell klar, diese Raubkatzen gehören zusammen. Sie beide lieben die Band namens "Tier" und auch wenn die Mädchen auf den ersten Blick nicht zusammen passen, Oona introvertiert in Schwarz gehüllt, Ari bunt und sinnlich, finden sie doch in der anderen, was sie vielleicht für sich selbst vermissen. Gemeinsam ist das Leben auf jeden Fall schnell erträglicher und die beiden entwickeln eine unzerbrechliche Freundschaft, die für jeden, der dazwischen funkt auch durchaus tödlich enden kann...

Ziska Riemann ist eigentlich vor allem als Comic-Zeichnerin bekannt, das Multitalent musiziert und schreibt aber auch und macht Filme. "Lollipop Monster" ist der erste Kinofilm von Riemann, für den sie zusammen mit Sängerin Lucy van Org das Buch schrieb. In bunten Bildern und mit viel Liebe für das Detail, erzählen die beiden von den Aufregungen und Frustrationen des "Frau Werdens", von dysfunktionalen Familien, von den totgeschwiegenen Momenten des sexuellen Erwachens bei Mädchen und davon, dass Sex eben nicht nur nach Blumen riecht. Dabei entspinnt sich eine skurrile Welt zwischen Comic und Wirklichkeit die vollgefüllt ist mit spannenden Charakteren und horrorfilmartigen Momenten. Der Soundtrack, der u.a. von Alexander Hacke als Band "Tier" eingespielt wurde, trägt die Geschichte mit und statt immer nur ewige Dialoge über die Sinnkrise Pubertät auszufechten, dürfen die Teenies hier tanzend in Phantasiewelten entschwinden. Das schauspielerische Aufgebot ist mehr als überzeugend, von den beiden Jungdarstellerinnen Jella Haase und Sarah Horváth bis zu Nicolette Krebitz als Oonas Mutter sind die Figuren mit Lebendigkeit und Intensität ausgefüllt.

AVIVA-Tipp: Ein filmisch schön gestalteter Blick auf ein oft bearbeitetes Thema. Aber hier ist der Blickwinkel ein neuer. Die Sexualität der jungen Mädchen wird hier nicht als Lolita Inszenierung mystifiziert. Vielmehr dürfen sie sich entwickeln und ausprobieren, eine eigene Sexualität und Begierden auf- und ausleben, ohne moralischem Zeigefinger oder verklärte Mythen.

Lollipop Monster
Deutschland 2011
Regie: Ziska Riemann
Drehbuch: Ziska Riemann und Lucy van Org
DarstellerInnen: Nicolette Krebitz, Sarah Horváth, Jella Haase, Sandra Borgmann, Thomas Wodianka
Länge: 96 Minuten
FSK: 16 Jahre
Start in deutschen Kinos: 25.08.2011

Mehr zum Film: www.lollipop-monster.de

Ziska Riemann im Netz: www.ziska.tv


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Lollipop Monster - Interview mit Ziska Riemann, Jella Haase und Sarah Horváth (Kurz vor der Premiere auf der 61. Berlinale)

Seyfried und Ziska - Die Comics. Alle

"Bleib Gold, Mädchen", ein Projekt des Multitalents Ziska Riemann

Kultur Beitrag vom 24.08.2011 Clarissa Lempp 

   




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