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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 31.05.2011

Das Blaue vom Himmel - ein Film von Hans Steinbichler mit Hannelore Elsner, Juliane Köhler und Karoline Herfurth
Sonja Baude

Eine Reise in die Vergangenheit: Verdrängung, Lüge, Schuld und Verzeihen sind die Themen dieses Films, in dem eine schwierige Mutter-Tochterbeziehung in Szene gesetzt wird.



Dem griechischen Wort aletheia, Wahrheit, ist das Vergessen, lethe, eingeschrieben. Die Gedächtnisphänomene Erinnern und Vergessen werden hier untrennbar verknüpft. Diese Untrennbarkeit ist auch in Steinbichlers neuem Film "Das Blaue vom Himmel" wesentlicher Baustein für eine Geschichte, in der sich Mutter und Tochter auf eine Vergangenheitserkundung nach Lettland, dem Heimatland der Mutter, begeben und auf der nach und nach lang verschwiegene Wahrheiten zu Tage treten.

In dem Moment, da das Vergessen in Margas Leben die Vorherrschaft zu übernehmen beginnt, wird die Geschichte in Gang gesetzt. Marga, kraftvoll gespielt von Hannelore Elsner, nimmt Reißaus aus ihrem Altenheim und wird in Wuppertal in hochgradig verwirrtem Zustand aufgefunden. Ihre Tochter Sofia (Juliane Köhler), erfolgreiche und engagierte Journalistin, wird von der dortigen Psychiatrie über die fortschreitende Demenzerkrankung der Mutter in Kenntnis gesetzt, woraufhin sie sich in der unliebsamen Verantwortung sieht, die Mutter zu sich zu nehmen.

Wie schon in seinen vorherigen Filmen zeichnet Steinbichler kein Familienidyll und schnell wird klar, dass diese Mutter-Tochterbeziehung von beidseitiger Feindseligkeit und Fremdheit bestimmt ist. Mit der Mutter gelangen Fotografien und durch sie eine Vergangenheit in Sofias Leben, über die die Mutter bislang geschwiegen hat. Eine Vergangenheit, die auch von großer Schuld bestimmt ist. In Rückblenden in die 1930er Jahre wird die junge Marga, als besessen und verzweifelt Liebende von Karoline Herfurth hervorragend gespielt, wieder lebendig.

Mit den Fotos und auch durch vermeintlich kryptische Erinnerungsfragmente der Mutter einher gehen Unstimmigkeiten und Rätsel, die Sofia, die im Jahr 1991 an einer Dokumentation über die lettische Umbruchsphase recherchiert, dazu bewegen, gemeinsam mit Marga in deren Heimatland zu reisen. Mit dieser Reise wird auch die eigene Identität der Tochter auf den Prüfstein gestellt und nach und nach offenbaren sich mögliche Ursachen für das diffizile Verhältnis der beiden Frauen zueinander.
Hannelore Elsner als Demenzkranke ist anfangs in ihrer Entrücktheit berührend und auch zuweilen komisch, läuft aber Gefahr, sich in Exaltiertheit zu verrennen und ihre Glaubwürdigkeit zu schmälern. Dagegen ist Juliane Köhlers Figur als vordergründig etwas spröde und ehrgeizige Journalistin, hinter deren Fassade sich Verletzlichkeit und Verletzungen bergen, sehr überzeugend. Die Suche nach Identität konfrontiert die Tochter mit schmerzlichen Lügenkonstrukten, versetzt sie und vielleicht auch andere aber am Ende in die Lage, so etwas wie Verzeihen zuzulassen.

Die Bilder der Kamerafrau Bella Halben verleihen dem Film eine stimmungsreiche Luzidität. Hingegen hätte die dramatische Filmmusik (Niki Reiser) sparsamer eingesetzt werden können, denn sie erzeugt streckenweise ein Pathos, das der Aufmerksamkeit und Gespanntheit der ZuschauerInnen nicht zuträglich ist und das Spiel in Distanz rückt.

AVIVA-Fazit: "Das Blaue vom Himmel" hat die Mutter der Tochter erzählt, aber die Wirklichkeit ist dann doch "gefangen in alle Ewigkeit" und kommt eines Tages ans Licht. Steinbichler hat in seinem neuen Film eine schwierige Mutter-Tochterbeziehung in den Mittelpunkt der Geschichte gestellt, eingebunden in historische Begebenheiten. Vergangenheitsaufdeckung ganz privater Art vor dem Hintergrund realer politischer Ereignisse in Lettland ist das Thema. Schuld und Verdrängung finden ausgerechnet durch die Vergessenskrankheit Alzheimer ein Erinnerungs-Ventil, wodurch die Tochter sich letztendlich einer neuen Identität gegenübersieht. Großes Gefühlskino mit Starbesetzung in wunderschöner Landschaft, das aber nicht in jedem Moment die Schwere der einzelnen Schicksale fühlbar macht.

Das Blaue vom Himmel
Deutschland, 2010
Regie: Hans Steinbichler
Drehbuch: Josephin Thayenthal, Robert Thayenthal
Produzent: Uli Aselmann, die film gmbh
Kamera: Bella Halben
Musik: Niki Reiser
DarstellerInnen: Juliane Köhler, Hannelore Elsner, Karoline Herfurth, Niklas Kohrt, David Kross, Rüdiger Vogler, Matthias Brandt, Juta Vanaga, Dace Eversa, Hans-Jochen Wagner, Fritzi Haberlandt u.a.
Verleih: NFP Filmverleih
Lauflänge: 102 Minuten
Kinostart: 02. Juni 2011
www.dasblauevomhimmel-derfilm.de



Kultur Beitrag vom 31.05.2011 Sonja Baude 

   




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