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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 06.02.2012

Die Unsichtbare - Kinostart am 9. Februar 2012
Lisa Scheibner

Fine traut ihren Ohren nicht: ausgerechnet sie soll die Hauptrolle im neuen Stück eines Starregisseurs bekommen? Doch dafür muss die introvertierte Schauspielschülerin Einiges wagen,...



...denn ihre Rolle ist ein extremer Charakter, der sie auch nach Probenschluss nicht mehr zufrieden lässt.

Fine (Stine Fischer Christensen) ist das Gegenteil einer typischen Schauspielschülerin: still, zurückhaltend, um die Bedürfnisse Anderer bemüht. Vielleicht liegt das daran, dass sie zuhause gelernt hat, zurückzustecken: Sie lebt mit Anfang zwanzig noch bei ihrer alleinerziehenden Mutter (Dagmar Manzel), zusammen mit der pubertierenden Schwester Jule (Christina Drechsler), die eine geistige Behinderung hat. Wie es Fine geht, merkt die überforderte Mutter eigentlich nie, auch ihre Begeisterung fürs Theater versteht sie nicht. "Du kannst so gut mit Menschen", ein sozialer Beruf wäre da doch wirklich sinnvoller, rät sie ihr stattdessen. Wirkliche Grandezza hat Fine eigentlich nur, wenn sie abends Musicalstücke für Jule aufführt, die ihr größter heimlicher Fan ist.

Alle sind überrascht, als der bekannte Regisseur Kaspar Friedmann (Ulrich Noethen) aus der Schauspielklasse ausgerechnet Fine für die Hauptrolle in seinem neuen Stück "Camille" auswählt. Wie soll jemand wie sie, die gelegentlich auf der Bühne einschläft, jemals genug Ausstrahlung haben? Der Schauspieldirektor der Schule hatte sie kurz zuvor noch für unsichtbar erklärt, nun gratuliert er ihr mit zusammengebissenen Zähnen. Eine Chance wie diese wird Fine so bald nicht wieder bekommen, das ist klar.

Theater der Abgründe

Regisseur Friedman experimentiert mit Fine, wie ein diabolischer Analytiker schürft er nach den Brüchen und Ängsten in ihrer Persönlichkeit und zwingt sie, ihr Inneres nach Außen zu kehren. "Jeder ist hier krank, warum machst du Theater?"

Die junge Frau beschließt, über ihren Schatten zu springen und stürzt sich trotz anfänglicher Bedenken ganz und gar in die Rolle. Sie beginnt, die unberechenbare "Camille", die sie spielen soll, mit in ihren Alltag zu nehmen. Nach Probenschluss verkleidet sie sich und beginnt ein gefährliches Spiel: Sie testet die Theaterfigur an der Wirklichkeit und liefert sich dabei Extremsituationen aus. Dabei lernt sie den sympathischen Tunnelbauer Joachim (Ronald Zehrfeld) kennen, der völlig fasziniert ist von "Camille". Die Härte und Poesie der Figur, die in merkwürdigem Gegensatz zu ihrem Aussehen stehen, verwirren und fesseln ihn.

Die Folgen sind abzusehen: Fine verletzt die Menschen, die sie eigentlich liebt, allen voran Jule, zu der sie bisher immer ein inniges Verhältnis hatte, und für die sie jetzt nicht mehr die Geduld aufbringt. Aber auch Joachim, bei dem sie kurz zuvor ungewohnte Nähe gefunden hatte, wird in seiner Zuneigung für sie auf eine harte Probe gestellt. Fine beginnt die Kontrolle über ihr Psycho-Experiment zu verlieren und lernt die dunklen Seiten Friedmanns und ihrer selbst kennen. Dass die Geschichte letztlich doch therapeutischen Wert zu haben scheint, ist ein pures Wunder - es hätte auch richtig schief gehen können.

Die Verschmelzung von Rolle und Darstellerin erinnert samt dem manipulativen Regisseur sehr an die Story von "Black Swan", ist hier jedoch realistischer verarbeitet.
Dennoch fragt die Zuschauerin sich, ob die Untiefen der Menschen nur gezeigt werden können, wenn Extreme ausgereizt werden. Muss die überforderte Mutter auch noch verlassen worden sein und einen der meistgehassten Berufe, nämlich Politesse, haben? In den Mutter-Töchter-Szenen ist das Sozialdrama teilweise etwas dick aufgetragen. Auch viele Theater-Klischees werden bemüht: Soll sich die Darstellerin ausziehen oder nicht? Ist echter körperlicher Schmerz die einzige Möglichkeit, eine authentische Darstellung zu erreichen? Die Probebühne als Horrorkabinett.
Dennoch ist Stine Fischer Christensen eine sehr überzeugende Heldin, auf eine ungewöhnliche Art schön. Entschlossen und empfindsam gelingt ihr das Changieren zwischen unauffällig und angstlos herausfordernd, eine angenehme Abwechslung im deutschen Kino. Ulrich Noethen gibt den besessenen Regisseur Friedmann mit all seinen Abgründen widerlich und charmant zugleich.

Zum Filmteam: Christian Schwochow (geboren 1978) war als Comedyautor, Reporter und und Videojournalist tätig, bevor er Filmregie studierte. Sein Film "Novemberkind" (2007) wurde vielfach prämiert, und auch für ihn hatte er das Drehbuch zusammen mit seiner Mutter Heide Schwochow geschrieben. Die Dänin Stine Fischer Christensen (geboren 1985) hat extra für "Die Unsichtbare" deutsch gepaukt. Beim Karlovy Vary Filmfest erhielt sie dafür prompt den Preis als beste Darstellerin, 2008 war sie auf der Berlinale bereits als "Shooting Star" für den Film "After The Wedding" (2006) ausgezeichnet worden. (Siehe Rezension auf AVIVA-Berlin) Dagmar Manzel (geboren 1958) und Ulrich Noehten (geboren 1959) sind sowohl aus Film und Fernsehen bekannt und haben beide zahlreiche Schauspielpreise bekommen.

AVIVA-Tipp: Die Unsichtbare beschreibt die Entfaltung der schüchternen Schauspielschülerin Fine zur selbstbestimmten jungen Frau. Mit liebevollen, stillen Beobachtungen auf der einen und intensiven Theater- und Beziehungsdramen auf der anderen Seite zeigt der Film, warum es notwendig sein kann, sichtbar zu werden. Auf dem Weg dahin entgeht die Heldin haarscharf handfesten Risiken, denen sie fast verwundert zu begegnen scheint. Letztlich gelingt es Fine, ihre eigene Art zu entwickeln, mit dem Leben und dem Theater umzugehen, und sie verliert ihre Angst, den Wünschen der anderen nicht zu genügen.

Die Unsichtbare
Deutschland 2011
Buch: Heide und Christian Schwochow
Regie: Christian Schwochow
DastellerInnen: Stine Fischer Christensen, Ulrich Noethen, Dagmar Manzel, Christina Drechsler, Ronald Zehrfeld und viele andere
Verleih: Falcom Media
Lauflänge: 113 Minuten
Kinostart: 9. Februar 2012

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Stine Fischer Christensen in "Nach der Hochzeit" (2007)

Interview mit Dagmar Manzel und Franziska Meletzky zu ihrem Film "Nachbarinnen" (2005)

Kritik zu "Nachbarinnen" (2004)

Mehr Schauspielschuldramen:
"Unten Mitte Kinn" (2011)

Kultur Beitrag vom 06.02.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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