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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 13.04.2009

Bedingungslos
Tatjana Zilg

Dänemark hat als Filmland schon für einige Überraschungen gesorgt. Jetzt schickt es erneut ein ausgesprochen innovatives Werk auf die internationalen Leinwände. Regisseur Ole Bornedal kreuzt ...



… die Genres romantische Komödie, Film Noir, Thriller und Fantasy Horror miteinander und unterzieht das Ergebnis mit einer kräftigen Prise hausgemachtem, sozio-sezierendem Dogma.

Die ersten zehn Minuten des Films haben es in sich: Es gelingt der Dramaturgie in getrennten Mini-Prologen, die beiden wichtigsten Charaktere in ganzer Tiefe vorzustellen. Julia (Rebecka Hemse), die weibliche Hauptperson, bleibt geheimnisvoll, sie wird bei einer Aktion gezeigt, die durch eine Mischung aus hochgradiger Emotionalität und Brutalität schockiert, aber auch ungemein neugierig macht.

"Eine schöne Frau und ein Mysterium - so fängt ein Film Noir immer an", wird eine Weile später verraten, und zwar in einem Moment, wo sich das Kinopublikum nach den ersten Turbulenzen schon fast in eine romantische Komödie a la "While You Were Sleeping" versetzt glaubte. Denn die Liebe nimmt neben der geballten Thriller-Spannung und den raffinierten Horror-Spielereien in "Bedingungslos" einen großen Raum ein. So wird Julia urplötzlich in die kleine Welt von Jonas (Anders W. Berthelsen) katapultiert, als dieser mit seiner Ehefrau Mette (Charlotte Fich) und den beiden Kindern in einen fatalen Autounfall gerät. Jonas eilt zu der Schwerverletzten und Erblindeten, kümmert sich um sie und verliebt sich insgeheim, was wenig später einen Strudel zunächst komödiantischer Ereignisse verursacht.

Vor ihrer ersten Begegnung nach dem Unfall erfährt Jonas, dass Julia die Tochter eines erfolgreichen Verlegers und Milliardärs ist. Durch seinen Beruf als Tatort-Fotograf bei der Polizei hat er Zugang zu allen wichtigen Informationsquellen des Landes.
Als ihn sein schlechtes Gewissen und die Neugier ins Krankenhaus treibt, hält ihn die die Familie der im Koma liegenden Julia für ihren Freund, den sie laut telefonischer Auskunft während einer Asien-Rucksackreise kennengelernt hat. Jonas wittert die Chance zur Umsetzung seines bisher unbewusst gehegten Wunsches, aus der sich täglich wiederholenden Normalität seines Lebens mit ungeliebten Job und leidenschaftslos gewordener Ehe auszubrechen. Fortan hat er eine zweite Identität als Julias Freund Sebastian, der sie durch liebevolle Zuwendung aus dem Koma locken soll. Dies gelingt schnell, aber sie bleibt blind und leidet an Gedächtnisverlust, so dass der Schwindel völlig unbemerkt bleibt. Sehr zum Amüsement von Jonas´ Freunden und Kollegen, die mit cleveren Sprüchen den irrsinnigen Verlauf der Beziehung kommentieren, ihn aber auch auffordern, der Sache so schnell wie möglich ein Ende zu bereiten. Innerlich zerrissen, unternimmt er ein paar halbherzige Anläufe, das absichtsvolle Missverständnis aufzuklären, doch eine Kette von Zufällen lässt seine Versuche immer wieder radikal abschmettern.

Mehr und mehr wandelt Julias dunkle Vergangenheit den Film zum Thriller. Mit der romantischen Komödie ist es spätestens dann vorbei, als während einer Krankenhausnacht eine lebende Horror-Mumie im Rollstuhl auftaucht. Die ZuschauerInnen haben dabei einen gewaltigen Wissensvorsprung gegenüber Jonas über die Vorgänge in Asien, denn sie sahen bereits in der Eingangsszene, was dort zwischen Julia und Sebastian (Nikolaj Lie Kaas) passiert ist. Dennoch bleiben genug Rätsel offen, die in perfekter Film Noir-, Thriller- und Horror-Manier inszeniert und am bitteren Ende während eines Showdown am dänischen Meer aufgelöst werden.

Zwischenzeitlich untersucht der Regisseur im Dogma-Stil das Drama der erlebten Enge in der Klein-Familie und Durchschnittsverdiener-Existenz, der Jonas zu entfliehen sucht und der Julias Leben völlig entgegensteht. Der Dogma-Form (unter anderem "Das Fest", Schweden 1998) entspricht hier die sorgsam beobachtete Dynamik zwischen Familienmitgliedern und FreundInnen. Besonders sichtbar wird sie in Ritualen wie Wochenend-Treffen oder Feiern: Die Dialoge transformieren sich zu sich wiederholenden Standards, während sich die Kamera ganz dicht an die Gesichter heranzoomt, um jede einzelne Emotion präzise darzustellen.

AVIVA-Tipp: Ein in vielerlei Hinsicht ungewöhnlicher Film über eine explosive Dreierkonstellation. Packende Storyline, innovative Bildsprache und in ihren schwierigen Rollen stets glaubhafte SchauspielerInnen machen es leicht, sich tief in den Kinosessel zu versenken und sich auf das Wechselbad zwischen Romantik, Komödie, Soziodrama und Genre-Nervenkitzel einzulassen. Als besonderes I-Tüpfelchen wird diesem Quartett noch eine abwechslungsreiche, ironisch augenzwinkernde Jonglage mit den Klischees der Filmgeschichte hinzugefügt.

Bedingungslos
Originaltitel: Karlighed pa film
Verleih: MFA Film Distribution e.K.
Dänemark 2007
Regie: Ole Bornedal
DarstellerInnen: Anders W Berthelsen, Rebecka Hemse, Nikolaj Lie Kaas, Charlotte Fich
Filmlänge: 99 Minuten
Kinostart: 09. April 2009

Der Film im Netz:
www.nordiskfilmsales.com


Kultur Beitrag vom 13.04.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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