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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 10.12.2009

Liebeslied - ein Film von Anne Høegh Krohn
Tatjana Zilg

Das alltägliche Glück eines Paares bricht zusammen, als Roger (Jan Plewka) erfährt, dass er an Parkinson leidet. Gemeinsam mit Dinah (Nicolette Krebitz) hat er zwei freche und süße Kinder, mit ...



... denen sie in einem Haus leben, welches noch abbezahlt werden muss.

Die norwegische Regisseurin Anne Høegh Krohn verbindet drei unterschiedliche Erzählweisen, was dem Film einen besonderen Reiz gibt, aber dem komplexen Thema auch in einigen Aspekten nicht ganz gerecht wird.

Im realistischen Dogma-Stil verfolgt sie, wie die kleine Familie mit der als unheilbar geltenden Krankheit konfrontiert wird: Roger arbeitet als Zimmermann auf wechselnden Baustellen. Zunächst ist er auf Montage und von seinem geliebten Trio getrennt. Dinah vermisst ihn sehr, aber das Paar erhofft sich, so die Schulden schneller loszuwerden. Auch die zahlreichen Wünsche ihrer Kinder wollen sie erfüllen, so gut es geht. Gleich zu Beginn des Films wird gezeigt, wie Rogers Hände öfters stark zittern, wodurch er schließlich einen Arbeitsunfall verursacht. Er wird vom Vorarbeiter auf der Stelle gekündigt, denn dieser ist der Ansicht, dass Roger fahrlässig gehandelt hat. Er wurde öfter dabei gesehen, wie er Bier trank, um sich zu beruhigen. Seine Kollegen vermuten deshalb, er sei Alkoholiker. Roger fährt wütend nach Hause in die Kleinstadt, wo er mit seiner Familie lebt.

Seine Wut findet in einem Rock-Song Ausdruck, den er während der Autofahrt lautstark singt. Anne Høegh Krohn entschied sich dafür, den Dogma-Stil an einigen emotionalen Wendepunkten mit modernen Musical-Elementen zu brechen. Teils singen ihre HeldInnen direkt in der Szene, teils werden sie in theatrale Umgebungen versetzt wie in eine Dirty Dancing-Disco oder auf eine tragikomische Kabarett-Bühne.

Jan Plewka dürfte allen Fans guter deutscher Musik bestens bekannt sein: Er ist der Sänger von Selig, denen im Frühjahr 2009 ein vielbeachtetes Comeback mit dem Album "Und endlich unendlich" gelang. Auch Nicolette Krebitz ("Bandits", Regie "Das Herz ist ein dunkler Wald") hat neben ihrer Schauspiel- und Regie-Karriere eine bewiesene Begabung für die Musik. So legen die beiden HauptdarstellerInnen energisch los in den Musik-Szenen, unterstützt von den talentierten KinderdarstellerInnen Levin Henning und Elisa Richter.

Es war die Absicht der Regisseurin, ihre Charaktere in den Songs alles das ausdrücken zu lassen, was sie in der jeweiligen Situation nicht anders aussprechen können. Dies gerät leider in den Widerspruch zum realistischen Erzählstil: Ihr Kernthema ist die Schwierigkeit desPaares , sich über die Veränderungen durch die Krankheit auszutauschen. Obwohl sie eine moderne Beziehung führen, sieht Roger sich in der Rolle des starken Versorgers. Dinah verdient als Supermarkt-Verkäuferin dazu und kommt mit den Anforderungen des Alltags gut klar, auch als er auf Montage ist. Dennoch macht ihr die Erkrankung ihres Partners große Angst.

Dinah versichert Roger in den Songs, zu ihm zu stehen, doch hindert dies sie anschließend nicht daran, gemeinsam so weiterzumachen wie zuvor, ohne auf seine Krankheit zu achten. Es verwundert hier auch, dass er nach der ärztlichen Diagnose lediglich Medikamente nimmt, aber weitere Unterstützung scheint es kaum zu geben. Auch Dinah versucht nicht, sich weiter über die Krankheit zu informieren. Angehörigen-Beratungen werden ihr nicht angeboten.

Stattdessen werden die Beiden für sie unerwartet mit einem weiteren Symptom der Parkinson´schen Krankheit konfrontiert: Roger bleibt wie eingefroren auf der Straße stehen, als er einen Unfall seiner radfahrenden Tochter Marie verhindern will. Die Kleine wird vom Auto erfasst. Es geschieht das Unfassbare: Dinah und ihr Sohn lassen Roger als Statue stehen und rasen mit dem Krankenwagen davon. Hier kippt der Film ins Symbolische: Das Drehbuch lässt Dinah mit den Kindern wenig später vom Krankenhaus, wo Marie behandelt wurde, wieder nach Hause fahren und erneut weitermachen, als wäre alles einigermaßen in Ordnung. Dabei lässt sie Roger trotz der vorherigen Liebeslieder buchstäblich auf der Straße stehen. Es kommt zu einem dramatisch übersteigerten Fortgang und erst zum Schluss scheint Dinah endlich der Krankheit ihres Geliebten ins Gesicht blicken zu können.

AVIVA-Tipp: Leider wirkt der Film wegen einiger Auslassungen nicht durchgehend glaubhaft. Gerne würde man mehr erfahren über Parkinson bei Erwachsenen im mittleren Alter. Sicher ist es eindeutig, dass dies einen gravierenden Lebenseinschnitt für das Paar darstellt, aber ihr Umgang damit bleibt zu wenig greifbar. Dazu kommt, dass auch die Reaktionen des sozialen Umfelds in ähnlicher Weise unklar sind. Ein Freundespaar und ein verwandtes Paar stehen im engen Kontakt zur Familie und doch helfen sie nur kurzfristig und ziehen sich schnell zurück. Warum, bleibt unthematisiert.
In Verbindung mit den wenigen Leistungen der Gesundheitsversorgung für Roger und seine Angehörigen wirkt der Film aber wie ein Warnzeichen an die derzeitigen Regierungspläne zur radikalen Umstrukturierung der Krankenversicherung. Die kleine Familie erscheint allein gelassen mit der schweren Krankheit. Obwohl sie bisher gut funktioniert hat, ist sie den Veränderungen nahezu hilflos ausgeliefert.

Liebeslied
Deutschland 2009
Lauflänge: 91 Minuten
Regie und Drehbuch: Anne Høegh Krohn
Musik: Christian Neander, Jan Plewka, Nicolette Krebitz
DarstellerInnen: Jan Plewka, Nicolette Krebitz, Oliver Bröcker, Stephanie Kämmer, Markus Lerch, Milena Dreißig, Levin Henning, Elisa Richter
Filmstart: 10.12.2009
Verleih: Zorro Film

Der Film im Netz: www.zorrofilm.de


Kultur Beitrag vom 10.12.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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