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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 03.06.2010

Das Lied von den zwei Pferden
Tatjana Zilg

In ihrer dritten Doku-Fiktion erweitert die in Deutschland lebende Regisseurin Byambasuren Davaa die in den Filmen "Die Höhle des gelben Hundes" und "Die Geschichte vom weinenden Kamel" ...



... gegebenen Blickwinkel auf ihre Heimat Mongolei um eine sensible Annäherung an die gegenwärtige Situation, in der manche alte Tradition verloren gegangen zu sein scheint.

In dem riesigen Gebiet der Mongolei, das geographisch durch die Wüste Gobi geteilt wird, hat die Weltgeschichte ihre deutlichen Spuren hinterlassen. Einst unter Dschingis Khan als mongolisches Volk geeint, wurden die Menschen dort im 17. Jahrhundert durch die chinesische Vormacht wieder gespalten. Während die Äußere Mongolei ihre Unabhängigkeit gegenüber Russland fast durchgehend bewahren konnte, war die Innere Mongolei dem politischen Wandel in China auf dem Weg zur Volksrepublik unterworfen. Obwohl China offiziell die Innere Mongolei als autonom anerkannte, musste die Bevölkerung während der Kulturrevolution in den Sechziger und Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihre althergebrachten Traditionen verwerfen und ihre Kulturgüter verstecken oder zerstören.

Daher unterscheidet sich die Situation in den beiden mongolischen Gebieten heute grundlegend: In der Äußeren Mongolei leben viele Menschen noch als ViehhirtInnen und wohnen in traditionellen Jurten, in der Inneren Mongolei haben sich die Menschen gezwungenermaßen an die Moderne angepasst. Und doch wird auch in der Äußeren Mongolei nicht auf jegliche Neu-Errungenschaft verzichtet, die das Leben angenehmer gestalten könnte.

Dennoch zeigen die Bilder von "Das Lied von den zwei Pferden", wie naturverbunden und ursprünglich die Lebensweise auf dem Land fortbesteht. Anders ist es in der Hauptstadt Ulaanbaatar, wo die Regisseurin die Reise ihrer Hauptprotagonistin Urna, die in der Inneren Mongolei geboren wurde, beginnen lässt.

Im Mittelpunkt des Filmes steht Urnas Wunsch, ein altes Lied wiederzufinden, dessen Strophen in die Pferdkopfgeige ihrer Großmutter eingraviert waren. Das wunderschöne Instrument musste wegen den Erlassen der Kulturrevolution zerstört werden. Urna besitzt nur noch den Hals und den Kopf, weshalb sie in Ulaanbaatar den bekannten Instrumentenbauer und Restaurator Hicheengui beauftragt, einen neuen Körper herzustellen und das wertvolle Instrument wieder zusammenzufügen. Sie selbst begibt sich auf die Suche nach Kundigen, die ihr Melodie und Text von dem "Lied von den zwei Pferden" vermitteln können. Dies verläuft schwieriger als sie erwartet hat, doch begegnet sie dadurch vielen interessanten Menschen, die ihr über das heutige Leben in der Äußeren Mongolei berichten, sie an ihrem Alltag teilhaben lassen und hilfreiche Hinweise für die weitere Suche geben. In einer schamanischen Zeremonie tankt sie neue Kraft und trifft kurz darauf auf eine achtzigjährige Frau, mit der sie gemeinsam die Erinnerungen an die traditionellen Weisen wiederbelebt.

Urna hat ihr eigenes Leben schon zuvor der Musik gewidmet. Nachdem sie an der Musikhochschule in Shangai Yangqin chinesisches Hackbrett studierte, wandte sie sich dem traditionellen Gesang zu, in dessen Grundlagen sie als Kind von ihrer Familie unterrichtet wurde.

Urna wird im Film, dessen Handlungsrahmen fiktiv ist, von der Sängerin Urna Chahar-Tugchi dargestellt, die international einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt hat und über deren Konzerte Publikum und Kritik schwärmen. Ihre Biografie weist viele Parallelen zur Filmrolle auf und so spielt sie sich zum Teil selbst, wie auch die DarstellerInnen in den Vorgängerfilmen der Regisseurin ("Die Höhle des gelben Hundes" und "Die Geschichte vom weinenden Kamel"). Während diese das traditionelle Leben der mongolischen NomadInnen den KinogängerInnen auf narrative Art ans Herz legten, werden in "Das Lied von den zwei Pferden" die Kontraste zwischen Tradition und Moderne und das Spannungsfeld zwischen politischen Einflüssen, aufgezwungenen Strukturen und der Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Umgang mit der eigenen Herkunft und Vergangenheit durch den semi-dokumentarischen Charakter des Films erlebbar. Dabei lässt der Film viel Hoffnung zu, denn Urna wird fündig auf ihrer Suche, auch wenn sie dazu einige Hindernisse überwinden muss.

Die "Musik der Pferdekopfgeige" wurde 2003 von der UNESCO in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen.

AVIVA-Tipp: Byambasuren Davaa beherrscht es perfekt, mit ihrem einzigartigen Ansatz des Filmemachens die unterschiedlichen Facetten ihrer Heimat dem weltweiten Kinopublikum nahe zu bringen. Dabei halten sich sinnliche und informative Momente jederzeit die Waage, so dass ein ausgewogenes Bild der Mongolei vermittelt wird. Dieses Mal steht zudem die Suche nach den eigenen Ursprüngen im Vordergrund, so dass ein universeller Identifikationsfaktor gegeben ist, in dem sich wahrscheinlich viele KinozuschauerInnen wiedererkennen können.

Das Lied von den zwei Pferden
Deutschland 2009
Regie und Buch: Byambasuren Davaa
Buch: Byambasuren Davaa
Kamera: Martijn van Broekhuizen
Musik: Ganpurev Dagvan
Ton: Ansgar Frerich
Produzentinnen: Byambasuren Davaa, Beatrix Wesle
Schnitt: Jana Musik
DarstellerInnen: Urna Chahar-Tugchi, Hicheengui Sambuu, Chimed Dolgor
Verleih: Polyband
Filmlänge: 91 Minuten
Kinostart: 03.06.2010

Der Film im Netz: www.dasliedvondenzweipferden.de






Kultur Beitrag vom 03.06.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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