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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 18.10.2010

In ihren Augen
Tatjana Zilg

Der argentinische Film "El Secreto Ojos de Sus" wurde 2010 mit dem Oscar für den "Best Foreign Language Film" ausgezeichnet und überzeugt durch die raffinierte Steigerung eines anfänglich ...



... nüchtern gehaltenen, soziozynischen Krimis zu einem hochemotionalen Mix aus Thriller, Film Noir, zeitgeschichtlichem Drama und zarter Liebesgeschichte.

Der Blick zwischen zwei Jugendlichen auf einem alten Foto liefert einen entscheidenden Hinweis für die Überführung eines Sexualmörders. Der Fall gestaltet sich für den aufklärenden Justizangestellten vor allem deshalb kompliziert, da seine Behörde nur ein geringes Interesse daran erkennen lässt, den tatsächlichen Täter zu finden.

Blicke spielen in dem Meisterwerk des Regisseurs Juan José Campanella auf vielen Ebenen eine tragende Rolle: So wird an dieser Stelle ein Blick zum Verräter des inneren psychopathischen Begehrens auf eine unerreichbare Frau. An anderer Stelle wird einem Todeskommando der Blick auf die Fotos des besten Freundes verwehrt, um diesen bis zur Selbstaufgabe zu schützen. Und wieder andere Blicke spiegeln die Konflikte zwischen der inneren Welt des Individuums und äußeren Begrenzungen in einem restriktiver und korrupter werdenden Gesellschaftssystem. Ursprungspunkt für die Handlung ist das Argentinien Anfang der 1970er Jahre kurz vor dem Militärputsch.

Dies deutet auf die Vielschichtigkeit eines Films hin, der auf leise Art seine ZuschauerInnen empfängt, indem er den Hauptprotagonisten Benjamin Espósito (Ricardo Darín) während seines Alltags am Gericht in Buenos Aires beobachtet, seinen treuen und chaotischen Freund und langjährigen Kollegen Pablo Sandoval (Guillermo Francella) einführt und den Beiden ihre neue Chefin Irene Menéndez Hastings (Soldedad Villamil) vorstellt.
Schnell ist ersichtlich, dass Espósito sich in die Staatsanwältin verliebt hat, aber keine Mittel findet, ihr dies adäquat zu zeigen.

Dilettantischer Mut

Unspektakulär leitet der Film daraufhin über in die eigentliche Kriminalgeschichte, als in dem Distrikt ein Sexualmord geschieht und die polizeilichen Untersuchungen beginnen. Nach einer schnellen, aber falschen Festnahme zweier ausländischer Handwerker gerät die Aufklärung ins Stocken. Espósito führt Gespräche mit Ricardo Morales, dem Ehemann der Ermordeten, und blättert mit ihm gemeinsam alte Fotoalben durch. Einen Bekannten aus der Jugendzeit nimmt er schärfer ins Visier, da dieser das spätere Opfer mit einem düster-begehrlichen Blick betrachtet. Unterstützung von seiner Behörde erhält er nicht, so dass er in einer Don Quichotte-Aktionskette eine Dienstüberschreitung nach der anderen begeht bis es ihm gelingt, den verdächtigen Täter verhören zu können. Mit einigen Psychotricks gelingt es ihm gemeinsam mit seiner Chefin tatsächlich, das Geständnis aus dem Täter hervorzulocken.

Ängstliche Resignation oder innerer Wille zur aktiven Veränderung?

Doch dann die Erkenntnis: Die offizielle Justiz hat kein Interesse daran, den Täter angemessen zu bestrafen und dem Hinterbliebenen Vergeltung zu gewähren. Stattdessen ist der Täter nach kurzer Zeit wieder auf freiem Fuß, da er eine Funktion innerhalb des herrschenden politischen System einnimmt. Als Espósito das hinterfragt, muss er bald erkennen, dass er sich dadurch hochgradig selbst und zugleich seinen besten Freund gefährdet. Er trifft eine Entscheidung, die er 25 Jahre später aus dem Ruhestand heraus neu hinterfragt, als er einen Roman über den Fall Morales beginnt.

Der emotional tiefergehende Teil des Filmes beginnt, als Espósito die verbleibenden Spuren der damaligen Ereignisse in der Gegenwart neu aufnimmt. Für die Handlung erhält die Bedeutung der Erinnerung nun ein wesentliches Gewicht und der Fokus richtet sich auf die Nachverfolgung des inneren Wandlungsprozesses von Espósito. Erst nach der langjährigen Erfahrung des Rückzugs findet er zu seinen ureigenen Werten zurück und handelt nun aktiv und effektiv. Cineastisch besonders gelungen ist hierbei, dass viele Zusammenhänge lange Zeit verschwommen, unklar und verborgen erscheinen bis sie umso facettenreicher in einer Art "Ende ohne Ende" aufgedeckt und seziert werden. Der klar durchstrukturierte, klassische Szenenaufbau wird dafür durchbrochen mit einer bewegenden Szenencollage, die surrealistisch wirkt und dennoch alle Bestandteile der Ereignisse in eindringlicher Logik zueinander führt.

AVIVA-Tipp Der Film entfaltet seine Stärke allmählich, bis er seine Grandiosität in voller Spannbreite offenbart.
Über all dem liegen universelle und aktuelle Fragen: Was geschieht, wenn die Vergangenheit zur bestimmenden Kraft der Zukunft wird und das Individuum in einer rigiden Gesellschaftsstruktur den Glauben daran verliert, die Dinge selbst entscheidend verändern zu können? Auf welche Art wird es versuchen, entgegen der inneren Zerrissenheit die innere Balance wiederzuerlangen?
Die Grenze zwischen gescheitertem Lösungsentwurf und gelungener Zurückgewinnung der Handlungsmacht kann hier dicht beieinander liegen, wie es sich in den unterschiedlichen Wegen von Espósito und Morales andeutet.

Zum Regisseur: Juan José Campanella 1959 in Buenos Aires geboren. 1979 begann er ein Filmstudium an der Universidad de Avellaneda bevor er 1983 auf die New York University wechselte, wo er 1988 sein Film- und Fernsehstudium abschloss.
Seine Filme gewannen Preise auf vielen internationalen Festivals. Er gilt als einer der wichtigsten und erfolgreichsten Regisseure Argentiniens.
Neben dem Oscar wurde "El Secreto Ojos de Sus" bei den Goya Awards als Bester Film und Soledad Villamil als Beste Nachwuchs-Darstellerin ausgezeichnet.
Die Deutsche Film- und Medienbewertung vergab das FBW-Prädikat "besonders wertvoll".

In ihren Augen
El Secreto Ojos de Sus

Argentinien/Spanien 2009
Regie: Juan José Campanell
Drehbuch: Eduardo Sacheri, Juan José Campanell
DarstellerInnen: Ricardo Darín, Soledad Villamil, Pablo Rago, Javier Godino, Guillermo Francella, José Luis Gioia
Lauflänge: 129 Minuten
Verleih: Camino Filmverleih
Kinostart: 28. Oktober 2010

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.inihrenaugen-film.de



Kultur Beitrag vom 18.10.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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