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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 30.03.2003

Die Kopien von Caryl Churchill - deutschsprachige Erstaufführung in der Schaubühne
Gerlinde Behrendt

Kann ein unfähiger Vater seine zweite Chance mit einem geklonten Sohn nutzen? Sind Klone die besseren Menschen?



Die wohl berühmteste englische Theaterautorin schrieb ihr neuestes Stück über Erziehung und Fortpflanzung - und es kommt keine Frau vor... Ist das ein Witz? Sollte frau sich einmal genüsslich zurücklehnen können und mit dem Blick der Insektenforscherin über männliche Verhaltensformen und Allmachtsfantasien grinsen können? So ganz gelingt das nicht...

In kargem Raum, auf schräger Spielfläche entwickelt sich für den Vater das Problem im Dialog mit dem "richtigen" Sohn, mit dem ersten geklonten Sohn, dann mit einem weiteren Klon. Schon nach wenigen Worten wird deutlich: dieser Vater ist ein ganz normaler Versager, er schafft es nicht einmal, einen Satz zu Ende zu sprechen. Geschweige denn, einen Sohn zu erziehen, wie sich im Verlauf des Theaterstückes herausstellt. Weil es also beim ersten Sohn nicht so gut geklappt hat, weil außerdem die Frau sich das Leben genommen hat - "sie war eben eine unglückliche Person" - dann - ja, dann holt man sich einfach einen zweiten, besseren Sohn aus der gentechnischen Abteilung im Krankenhaus. Das ist doch die beste Lösung! Der Vater fleht seinen Sohn geradezu um Verständnis an. Das Dumme ist nur, dass daraus neue Probleme entstehen! Dieser geklonte Sohn stellt - ebenso wie der "richtige" Sohn - unangenehme Fragen, z.B. wo der Vater war, als die Mutter Selbstmord begangen hat. Der Vater ist sich so recht keiner Schuld bewußt, er war eben einfach nur nie da, auch später nicht, als sein erster Sohn, das Original, nachts dauernd schrie. Das kann doch keine Schuld sein, oder? Vor allem: kann man das irgendwie wieder gut machen? Mit einem Klon vielleicht? Wenn das immer noch nicht geht, mit einem weiteren Klon? Es sollte nur alles ein bisschen perfekter werden...

Der britische Regisseur James Macdonald hat "Die Kopien" als deutschsprachige Erstaufführung an der Schaubühne am Lehniner Platz inszeniert. In der Schaubühnenaufführung ist Sepp Bierbichler der Vater. Mit bayrisch unterkühltem Charme bringt er uns die Probleme moderner Väter näher. Der Sohn - gespielt von Mark Waschke - hat es schwer, in diese watteweichen Verunsicherung seines Erzeugers mit seinen Fragen vorzudringen. Wer ist der Sohn ("bist du wenigstens sicher, dass ich dein Sohn bin?"), ist der andere sein Bruder oder eine Variante seiner selbst? Ist er anders oder derselbe? Mark Waschke meistert diese Identitätsnuancen überzeugend.

Caryl Churchill lässt den modernen Vater sich langsam und gnadenlos selbst entblößen. Mit der Verpflanzung der klassischen Vater-Sohn-Problematik in das Zeitalter der Gentechnologie begibt sie sich auf dünnes Eis: In der griechischen Tragödie (siehe "Ödipus") muss der Sohn immer der strahlende Gewinner sein, schon um den Fortbestand der menschlichen Spezies zu sichern. Bezogen auf die "Kopien" drängt sich dadurch der unheimliche Eindruck auf, dass der Klon der bessere Mensch sei als sein Erzeuger.

Eine Anzahl von Caryl Churchill
Deutschsprachige Erstaufführung
28. März 2003
Deutsch von Falk Richter
Regie: James Macdonald
Mit: Josef Bierbichler und Mark Waschke

Quelle: http://www.schaubuehne.de

Kultur Beitrag vom 30.03.2003 Gerlinde Behrendt 

   




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