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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 03.08.2003

Für die Kunst tue ich alles - Leni Riefenstahl, eine fragwürdige Künstlerin auf der Suche nach der Schönheit
Sabine Grunwald

Die Nuba und die Olympiabilder von 1936. Die Ausstellung in der Photogalerie Camerawork läuft noch bis zum 16. August 2003.



Das Untergeschoss der Galerie ist dem Stamm der Nuba gewidmet, den die 1902 in Berlin geborene Leni Riefenstahl wiederholt in den Jahren 1962-77 im Sudan besuchte.
In der oberen Etage können ihre Schwarz-Weiß Aufnahmen der Olympiade 1936 besichtigt werden, denen die Galerie bereits vor drei Jahren eine Ausstellung widmete.

Die räumliche Trennung dieser beiden Welten ist eine zeitliche und eine thematische.
Zwischen den Werken liegen beinahe vierzig Jahre, doch bestehen Gemeinsamkeiten,
die sich wie ein roter Faden durch das Gesamtwerk der umstrittenen Fotografin ziehen.
Bis heute bestreitet sie eine politische Sicht oder eine Verantwortung. Es geht ihr "vor allem um Harmonie und einer sich selbst genügenden Schönheit".

Bei der Sicht auf die Olympiabilder fällt der Versuch einer "Antikisierung" auf.
Das Abbild des Parthenon und der FackelträgerInnen symbolisieren das griechische Ideal einer Harmonisierung, die sich auch in den Fotografien der Sportler und Sportlerinnen spiegelt.

Ihr "männliches Ideal" ist das des starken Einzelkämpfers in seiner elementaren Körperlichkeit.
Die Bilder zeigen Athleten beim Springen, Kugelstoßen, Speerwerfen, Laufen, während der Mannschaftssport weitgehend ausgespart wird. Das Frauenbild ist ein anderes, hier werden die harmonischen und ästhetischen Bewegungen beim Reigen, Schwimmen und Turnen hervorgehoben.

Die gestählten, makellosen Körper scheinen sich größtenteils im Sprung oder Flug den Gesetzen der Schwerkraft zu entziehen. Sie befinden sich in einer eigenen, andersartigen Welt, losgelöst von der Realität des Irdischen, ohne Bezug zu Zeit und Raum.
Für die Betrachterin verliert die Orientierung, oben und unten, ihre Gültigkeit. Es bleibt ein unwirklicher Eindruck zurück, eine Traumwelt wird geschaffen, deren einseitige Sichtweise auf die menschliche Körperlichkeit die Realität nur unzureichend erfasst.

Die großformatigen, farbigen aber nicht bunten Bilder der Nuba zeigen Menschen in ihrem Alltag: Morgentoilette, Erntearbeit, Wasserträgerin, Harfenspieler, Szenen auf dem Dorfplatz. Mit einer Ausnahme - der Totenwache - sehen wir auch hier, junge, kräftige und schöne Körper. Wieder geht es um die Suche nach der sich selbst genügenden Schönheit. Riten, wie der Liebestanz, die Tätowierung und die bemalten Gesichter werden abgebildet. Ihre Andersartigkeit wird sorgfältig inszeniert, nicht umsonst heißt einer ihrer Buchtitel:
Die Nuba - Menschen von einem anderen Stern, (erschienen 1973).
Die Fotografien wirken losgelöst von ihrer Umgebung. Da sie weder kommentiert, noch datiert sind, ist eine historische Einordnung schwer.

Es kann jedoch nicht sein, dass die Faszination einer sich selbst genügenden Schönheit ausreicht, um unsere Sehnsucht nach dem unversehrten, alterslosen Körper zu stillen. Meiner Meinung nach genügt dieser schöne Schein nicht, auch nicht die Perfektion, von der keine Provokation ausgehen kann, um uns ernsthaft zu berühren und unsere Phantasie zu beschäftigen. Für mich umfasst Kunst mehr als die Abbildung glatter Fassaden und perfekter Körper. Die Wirklichkeit ist niemals eindimensional und ohne die Einbeziehung der dunklen Seiten der menschlichen Existenz bleibt jedes künstlerische Bemühen fragmentarisch.

Die beiden Ausstellungskataloge kosten je 50 € und sind vor Ort erhältlich.



Photogalerie Camerawork

Kantstraße 149
10623 BERLIN
Geöffnet: Dienstag bis Freitag
11 UHR BIS 18 UHR und
Samstags 11 bis 16 Uhr
www.camerawork.de

Kultur Beitrag vom 03.08.2003 Sabine Grunwald 

   




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