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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 29.06.2003

Feardotcom - jemand animiert Sie zum Zusehen. Lassen Sie es lieber...
Gerlinde Behrendt

Nach dem Besuch einer geheimnisvollen Internetseite sterben die BesucherInnen innerhalb von 48 Stunden: Warum eigentlich?



Ein Irrer treibt sich herum. Er filmt seine Folteropfer per Digicam und ĂŒbertrĂ€gt die Ergebnisse ins Internet. Das sollte er lieber nicht tun, denn im Internet verwebt sich seine böse Tat und bildet einen Rachegeist heraus. Das ist jedenfalls die Theorie eines Wissenschaftlers, der sich mit kĂŒnstlicher Intelligenz befasst. Befragen kann man den Mann allerdings nicht mehr, er wird gleich zu Beginn des Films getötet. Ein kleines weißblondes, ballspielendes MĂ€dchen scheint eine nicht unerhebliche Rolle zu spielen. Der Polizist Mike Reilly (Stephen Dorff) muss eine Reihe bizarrer TodesfĂ€lle aufklĂ€ren, die ein gemeinsames Merkmal haben: alle Getöteten haben zuvor die Internet-Seite feardotcom gesehen. Da Ebola-Infektionsverdacht besteht, wird die Beamtin der Gesundheitsbehörde Terry Huston (Natasha McElhone) hinzugezogen. Bald wird klar, dass die beiden den Fall nur aufklĂ€ren können, indem sie sich selbst die Seite anschauen.

Der Film ist wohl nur fĂŒr "Splatter"-Fans einigermaßen ertrĂ€glich. Die New Yorker AtmosphĂ€re ist regnerisch, dĂŒster-trashige Wohnungen, "industrial" Ambiente und maßvoll eingesetzte special effects bilden den Hintergrund-Look des beklemmenden Films, in dem die Akteure lange Zeit ohne zĂŒndende Idee herumirren mĂŒssen. Lange Zeit, in der der Film sich mit der Darstellung der Folterungen an den gefangenen Frauen aufhĂ€lt. Unverzeihlich sind einige fundamentale dramaturgische SchwĂ€chen. Am Ende des Films muss der polizeiliche AufklĂ€rer einen Trick anwenden, um den monströsen Killer zur Strecke zu bringen, aber die Unklarheiten des Films, vor allem die Geschichte des Opfers/Rachegeistes, hat er damit lĂ€ngst nicht bewĂ€ltigt.

Fazit:
Eine Frau will zum Film. Der TÀter lockt sie mit dem Versprechen, sie zu filmen. Sie kommt in sein Studio, er ermordet sie und filmt ihr Sterben. Klingelt es? Ja, "Peeping Tom", der Filmklassiker mit Karl-Heinz Böhm. Sollte das die Internet-Version davon werden? Dann gibt es die Note: mangelhaft.
Um es gleich vorweg zu sagen: Gewalt in Filmen ist manchmal ein intelligenter Aspekt zur AufzuklĂ€rung und Befreiung. Aber in diesem Fall? Frauen sind wieder mal Opfer mĂ€nnlicher Killerphantasien und voyeuristischer Instinkte, das ist ein mittlerweile ziemlich abgestandenes Hollywood Klischee und wird nicht besser, wenn man ein wenig neue Technologie ĂŒberstĂŒlpt. Es gibt böse Seiten im Internet, die man sich lieber nicht ansehen soll? Etwa solche Seiten, wie die Musik-Tauschbörse Napster? DarĂŒber können wir nur wahlweise lachen oder heulen.
Und selbst wenn am Ende die Frau als einzige einen klaren Kopf behĂ€lt, auch das wirkt in diesem Film seltsam klischeehaft. Trotz nervenzerfetzender Schocks ist das ein langweiliger Film. Sollen wir uns noch ĂŒber irgendwas aufregen? Ist eigentlich Energieverschwendung.....

Kultur Beitrag vom 29.06.2003 Gerlinde Behrendt 

   




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