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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 05.04.2004

Madrid. Ein Film von Daphne Charizani
Anne Winkel

Die Geschichte einer jungen Frau zwischen zwei Kulturen - einer Supermarktangestellten, die lieber von einer glücklicheren Zukunft träumt, als sie aktiv zu gestalten. Kinostart: 8. April 2004



Isabel (Kathrin Angerer) ist 28 Jahre alt und arbeitet als Assistentin eines Supermarktchefs. Als Kind ist sie mit ihren spanischen Eltern nach Deutschland gekommen. Ihre Mutter ist inzwischen wieder in Madrid, der Vater wird kaum erwähnt. Isabel bewohnt alleine eine kleine Wohnung in einer Plattenbausiedlung ganz, direkt neben ihrer Arbeitsstelle.

Isabels Freund Karl (Oliver Masucci) verlässt die gebürtige Spanierin mit dem Vorwurf, sie sei "gefühlskalt". Isabel entgegnet gefasst und schlicht, "dann such´ dir doch `ne Gefühlswarme". Jeden Tag ruft Isabels Mutter aus Madrid an. Manchmal schickt die Mutter ihr ein Päckchen - z. B. mit Orangen, da es in Deutschland keine Vitamine gebe. Jeden Tag zieht Isabel nach der Arbeit ein biederes hellblaues Hauskleid über, hört Salsa und tanzt gedankenverloren vor dem Spiegel. Und jeden Morgen erscheint sie in ihren hohen Schuhen zur Arbeit, versucht den Filialleiter zu überzeugen, dass die Einstellung von neuem Personal dringend erforderlich ist. Zwischendurch raucht Isabel oder trinkt mit einer der Kolleginnen einen Kaffee.

Jede der weiblichen Supermarktangestellten verkörpert einen anderen Typ von Frau. Da sind: eine ruhige Spanierin, der bei geringfügiger Hebung der Stimme gleich empfohlen wird, ihr Temperament zu zügeln, eine abgebrühte Frau Anfang 40, die bereits zweimal verheiratet war und glaubt, das Wesen aller Männer zu kennen, ein naiver Teenager, "schon drei Monate" verliebt und voller Bewunderung für Isabels Beziehungen", eine angehende Rentnerin, die für alle Supermarktdamen eine passende Allgemeinweisheit parat hat und eine weitere Frau um die 40, die immer die neueste Kleiderkollektion von einem Versandhaus ordert.

Gegenüber vom Supermarkt hat sich eine Speditionsfirma niedergelassen. Da die Lastwagen den Weg zu den Kundenparkplätzen versperren, bittet Isabella den Vorstand des Unternehmens, den Halbspanier Manuel (Juan Carlos Lopez), in Zukunft darauf zu achten, die Durchfahrten frei zu lassen. Manuel lädt Isabella ein, am Abend gemeinsam zu essen. Die beiden treffen sich und werden ein Paar. Zunächst scheint zwischen ihnen alles zu stimmen. Die spanische Herkunft und Sehnsucht in die Ferne verbindet sie. Doch dann beginnt Manuel, Pläne für die Zukunft zu entwerfen und Isabella zu fragen, ob sie nicht lieber die Chefin des Marktes wäre, statt "nur" Assistentin zu sein. Der Unternehmer selbst möchte entweder eine Zweigstelle für die Speditionsfirma eröffnen oder gleich zusammen eine Wohnung in Madrid kaufen. Schließlich überrumpelt Manuel Isabel mit dem Wunsch eines gemeinsamen Kindes. Isabel läuft panisch aus dem Büro des Speditionschefs und verliert ihre Schuhe...
Ist der geordnete Tageskreislauf ihres Lebens damit durchbrochen?

Isabel wirkt weit jünger als 28, auch wenn man es "an der Haut" sehen würde, wie Isabel trocken konstatiert. Isabella mutet fast kindlich an, sowohl in ihrer äußeren Erscheinung als auch in ihren Äußerungen. In die Zukunft schaut Isabella aber keinesfalls mit kindlichen Augen. Isabel hat keine großen Wünsche für ihr Leben oder spricht sie zumindest nicht aus. Über mögliche Veränderungen scheint sie gar nicht nachzudenken. Wenn Isabella vor dem Spiegel tanzt, glaubt man, sie träume von ihrer Heimat und einem Leben in Madrid. Ihre Wohnung ist hell und sonnig eingerichtet: gelbes Sofa, gelbe Küchenschränke.

ZuschauerInnen können sich zum Film viele Fragen stellen, werden aber keine direkten Antworten bekommen. Woher stammt etwa die Narbe auf Isabels Bauch? Ist Isabel von Manuels Kinderwunsch derartig überfordert, weil sie bereits ein Kind geboren hat?

AVIVA-Tipp: "Madrid" ist ein leiser Film, der ohne Schnörkel oder spektakuläre Begebenheiten den Alltag einer in Deutschland aufgewachsenen Spanierin nachzeichnet - durchzogen von Lethargie und einer zurückhaltenden Komik, die sich in den trocken-unschuldigen Äußerungen der Protagonistin entfaltet.

Das Spielfilmdebüt von Daphne Charizani wurde mit dem Hessischen Filmpreis 2003 ausgezeichnet. Bereits für ihren Dokumentarfilm "Make Up" hat die in Griechenland geborene Charizani 1999 den Hessischen Drehbuchpreis erhalten. Laudatorin Gudrun Landgrebe kommentierte das Paar Isabel und Manuel: "...mehr als die Frage woher sie kommen, bewegt sie die Frage, wohin sie gehören - und ob sie einander gehören. Kann denn Liebe Heimat sein? Kann Familie Zukunft sein?"




Madrid
Deutschland 2003, Länge: 85 Minuten
Buch und Regie: Daphne Charizani
DarstellerInnen: Kathrin Angerer, Juan Carlos Lopez, Jennifer Minetti, Ulrike Willenbacher, Isolde Mutti, Manuela Prax, Oliver Masucci
Kinostart: 8. April 2004


Kultur Beitrag vom 05.04.2004 AVIVA-Redaktion 

   




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