Der Mythos um die Muse. Die Magd trifft auf den Malermeister Vermeer - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

120 BPM Juden, Christen und Muslime. Im Dialog der Wissenschaften 500-1500 DIE FLÜGEL DER MENSCHEN
Aviva-Berlin > Kultur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 22.09.2004

Der Mythos um die Muse. Die Magd trifft auf den Malermeister Vermeer
Kirsten Böttcher

Wer war die Schöne im populärsten Vermeer-Gemälde? Um "das Mädchen mit dem Perlenohrring" entspinnt sich eine liebevoll inszenierte Bild-Fantasie...



Der Roman entsteht: "Das Mädchen mit dem Perlenohrring"

Man stelle sich vor: Tracy starrt auf das Poster über ihrem Bett und denkt über mögliche Romanplots nach. Ihr Blick zoomt das Portrait heran. Es ist "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" vom niederländischen Maler Jan Vermeer van Delft.
Et voilá: da hängt die Idee zum neuen Roman! Nach der Publikation ihres Bestsellers im Jahr 2000 wird die britische Autorin Tracy Chevalier sagen, dass Vermeer eigentlich ihre ganze Arbeit geleistet hätte. Sie habe alles in dem Gesicht des Mädchens lesen können...
Chevalier konstruiert eine die Standesgrenzen überschreitende Liebesgeschichte, die gleichzeitig eine potenzielle (und romantisch-dramatische) Erklärung anbietet, wie Vermeers Bild(er) entstanden sein könnten, damals in Delft um das Jahr 1665...

Bilder verraten: Intrigen, Glauben und Unschuld im Haushalt Vermeer

Die 17-jährige Griet (Scarlett Johansson) muss als Magd im Hause des Malers Johannes Vermeer (Colin Firth) und dessen Frau Catherina (Essie Davis) anheuern. Da die Frau des Meisters ständig schwanger ist - die Vermeers hatten 11 Kinder - und die Gemälde den gesamten Haushalt finanzieren müssen, befindet sich insbesondere die Schwiegermutter Vermeers, Maria Thins (Judy Parfitt), auf eifriger Geldgeber- und Motivsuche. Durch ihre Intrigen, an denen auch der lüsterne und steinreiche Patron Vermeers, Claesz van Ruijven (Tom Wilkinson) beteiligt ist, entsteht der Auftrag, die junge Magd zu portraitieren. Der gesamte Haushalt vermutet eine "schändliche" Beziehung zwischen dem wortkargen Maler und Griet, was zu einem entscheidenden Eklat führen muss, als das Bild enthüllt wird.

Die reine Wahrheit kennt nur der Betrachter!

Die Geschichte um das Einverständnis und die Gefühle zweier Menschen, die die Leidenschaft für Farben und Gemälde teilen, ist vorhersehbar. Die Kamerafahrt am Anfang verleiht dem Film etwas Märchenhaftes, wo die bunten Fenster den Vorhang bilden zu einer vergangenen Wunderwelt des 17. Jahrhunderts.
Das Besondere des Films liegt in seiner Suche nach schönen Bildern, in seiner liebevollen Ausstattung und der langsamen, geradezu genüsslichen Art, die Arbeit mit den Alltagsgegenständen im Haushalt Vermeer zu zeigen. Griet schaut aufmerksam, bewegt sich im Atelier des Künstlers scheu und zögerlich, verharrt oft - kein Wunder also, dass der Meister aus einer ihrer "Posen" am Atelierfenster, wo das Licht wieder einmal von links in den Raum fällt, die (fiktive) Inspiration für das Gemälde "Junge Frau mit einem Wasserkrug am Fenster" erhält. Die tragenden Figuren des Films bewegen sich so als ob sie auf ständiger Suche wären nach einem neuen Tableau vivant. Da sich Vermeers Malerei durch die Beschaulichkeit alltäglicher, häuslicher Szenen, durch Detailgenauigkeit in der Perspektive und der besonderen Art der Farbakzentuierung auszeichnet, setzt Regisseur Peter Webber, der mit diesem Film sein Regie-Debüt gibt, den Schwerpunkt auf eine Art Rekonstruktion der Atmosphäre, die zur Entstehung der Gemälde geführt haben könnte...mit dem Ergebnis:

Drei Oscar-Nominierungen für "Beste Kamera", "Beste Ausstattung" und "Bestes Kostümdesign".

Scarlett Johansson, der aufgehende Star am Hollywood-Himmel hat eine gute Wahl getroffen: nachdem sie nach ihrer Rolle in "Lost in Translation" ihren internationalen Durchbruch feiern konnte und damit die 1A-Werbeträgerin darstellt - sie ist das Gesicht des neuen Calvin-Klein-Dufts - wechselt sie mit der Figur der Griet in ein der eleganten, zeitgemäßen, urbanen und modischen Welt entgegengesetztes Milieu und kann sich auf neuem Terrain bewähren: mit einem Dekor- Märchen für Erwachsene.
Einziger großer Wermutstropfen: Meister Vermeer, gespielt von Colin Firth, der anscheinend davon ausgeht, dass, egal wen er spielt, weniger Mimik mehr sei. Hatte er nicht auch in "Bridget Jones" oder in "Tatsächlich...Liebe" denselben "Ich-schau-mal-ernst-und-somit-rätselhaft" - Gesichtsausdruck?


Das Mädchen mit dem Perlenohrring
(Originaltitel: "Girl with a Pearl Earring")
95 min.
Drama, GB/Luxemburg 2003
Regie: Peter Webber
Darstellende: Scarlett Johansson, Colin Firth, Cillian Murphy
Filmstart: 23.9.2004
www.girlwithapearlearring.co.uk


Kultur Beitrag vom 22.09.2004 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken