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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 23.01.2005

Kontroll
Anne Winkel

Eine mystische Geschichte aus Ungarn erzählt innerhalb des Budapester U-Bahnnetzes von der Angst vor dem Leben, einem gesichtslosen Mörder und einer vorsichtigen Liebe. Kinostart: 27. Januar 2005



Eine blonde Frau fährt mit der Rolltreppe in den Budapester Untergrund. Sie ist betrunken, kann sich kaum noch auf ihren hohen Schuhen halten und - sie ist allein. Auch der Bahnsteig der U-Bahn ist menschenleer. Der Nachtzug nähert sich. Für einen Moment flackern die Lichter. Zu sehen ist eine Gestalt mit Kapuze. In der nächsten Einstellung sind nur ein paar rote Pumps auf dem U-Bahnhof zurückgeblieben.

Bulcsú (Sándor Csány) arbeitet seit einem Jahr als Fahrscheinkontrolleur in Budapest. Schnell ist er zum Teamleiter seiner Kontrollgruppe befördert worden. Zu dieser Gruppe gehören "der Professor" (Zoltán Mucsi), Muki (Csaba Pindroch), Tibis (Zsolt Nagy), und Lescó (Sándor Badár). Der Professor hat ein ruhiges Gemüt. Jede Streitigkeit - ob unter den Kollegen oder mit den Fahrgästen - versucht er mit sachlichen Argumenten zu lösen. Muki ist der aggressive Gegenpol des Professors. Wenn er sich angegriffen fühlt (und sei es nur der Hinweis, dass Pommes Frites zum Frühstück nicht unbedingt gesund sind), rastet er aus und fällt danach in eine Art Ohnmacht. Tibis ist erst seit zwei Wochen Angestellter bei der Budapester Verkehrsgesellschaft. Er sucht einen freundschaftlichen Kontakt zu den Arbeitskollegen und beginnt seine Sätze gerne mit "hör mal..." oder "warte mal...". Lescó schließlich macht durch mangelnde Körperhygiene auf sich aufmerksam.

Jeden Tag bekommen die Fünferkontrollgruppen von ihrem Arbeitgeber einen U-Bahnabschnitt zugeteilt. Besonders unbeliebt ist der Südosten. Dort werden die Kontrolleure verstärkt mit pöbelnden Fahrgästen, notorischen Schwarzfahrern und gewaltbereiten Fußballfans konfrontiert. Neben den schon alltäglichen Auseinandersetzungen mit den U-Bahnpassagieren gibt es auch innerhalb des KontrolleurInnenkollegiums Konfliktpotential. Des Weiteren beunruhigt der erneut zuschlagende Kapuzenmörder BahnnutzerInnen und -angestellte.

Die Geschichte, die ausschließlich im Untergrund spielt, versprüht eine surreal anmutende Atmosphäre. Zusammen mit dem Protagonisten Bulscú sind die ZuschauerInnen im Budapester U-Bahn-Netz gefangen. Grund zur Hoffnung auf ein anderes Leben gibt nur Sofie (Eszter Balla), ein hübsches Mädchen in einem rosa Bärenkostüm. Der Film verflicht die Milieu- und Gesellschaftsstudie mit einem Thriller sowie einer Liebesgeschichte und ist zudem angereichert mit schwarzem Humor. Kontroll besticht aber vor allem durch seine formale Ästhetik, die den mystischen Charakter der Narration hervorhebt. Die schnellen Schnitte und die mit elektronischer Musik unterlegten Bilder zeigen Antals Erfahrung als Video- und Werbeclipregisseur. Die Kameraführung (Gyula Pados) beinhaltet interessante Schwenks. Visuell besonders ansprechend sind die Einstellungen, bei denen die fünf Kontrolleure nacheinander ins oder aus dem Bild treten.

"Kontroll" war in Ungarn ein Publikumserfolg, hat beim Chicago Film Festival einen "Gold Hugo" als "Bester Film" erhalten, war beim "Europäischen Filmpreis" für die "Beste Regie" nominiert und hat in diesem Jahr das "Fantasy Filmfest" eröffnet.

AVIVA-Tipp: "Kontroll" ist lustig, melancholisch, geheimnisvoll und schockierend. Der Film ist unterhaltsam, fordert/ermöglicht aber auch die eigenen Gedanken zur Komplettierung der Story.


Kontroll
Ungarn 2003, Länge: 110 Minuten
Drehbuch und Regie: Nimród Antal
DarstellerInnen: Sándor Csány, Zoltán Mucsi, Csaba Pindroch, Sándor Badár, Zsolt Nagy, Bence Mátyássy, Eszter Balla, Balász Mihályfi
Kinostart: 27. Januar 2005
www.kontroll-derfilm.de
www.fahrscheinkontrolle.de


Kultur Beitrag vom 23.01.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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