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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.03.2005

Shandurai und der Klavierspieler
Danielle Daum

Bernardo Bertolucci inszeniert eine neue Variante scheiternder Beziehungen in großbürgerlichen Wohnungen. Ein Film über das Thema Liebe und die Erfahrung von Geben und Nehmen.



Die Adaption einer Kurzgeschichte des britischen Schriftstellers James Lasdun erzählt von einer jungen Frau, die in einer afrikanischen Diktatur mit ansehen muß, wie ihr Ehemann, ein politisch aktiver Lehrer, von der Polizei verschleppt wird.
Sie flieht nach Rom und beginnt dort, Medizin zu studieren. Ihren Lebensunterhalt verdient sie sich als Hausmädchen des zurückgezogen lebenden englischen Pianisten Jason Kinsky (David Thewlis). Der Musiker hat einen prächtigen Palazzo in Rom geerbt und führt dort ein kreativ und emotional erstarrtes Leben. Beide könnten kaum unterschiedlicher sein: Shandurai (Thandie Newton), eine selbstbewusste junge Frau, die afrikanische Popmusik liebt und sich den alltäglichen Schwierigkeiten des Lebens stellt und Kinsky, ein dandyhafter Ästhet, der sich in seine eigene Welt zurückgezogen hat.

Dennoch verliebt sich Kinsky in Shandurai. Er beginnt, sie mit Geschenken zu umwerben und bald schon gesteht er ihr seine Liebe, in einem Ausbruch an Emotionen, wie er ihn vermutlich lange nicht zugelassen hat. Alles verspricht er, wolle er für Shandurai tun, wenn sie ihn nur liebe. "Holen Sie meinen Mann aus dem Gefängnis", sagt sie und hält die Sache damit für erledigt. Kinskys Antwort auf diese Herausforderung verändert beider Leben radikal.

Den Rest des Films über wechseln Kinsky und Shandurai kaum noch ein Wort miteinander, sie leben nebeneinander her und kommunizieren eigentlich nur noch über Musik. Von oben klingt klassische Klaviermusik, von unten, aus Shandurais Dienstbotenwohnung, afrikanische Rhythmen. Und so macht Kinsky auch keine Worte um seine Versuche, Shandurais Mann zu helfen, wohl wissend, dass ein Erfolg auch gleichzeitig seine Niederlage bedeuten kann. Gemälde und Wandteppiche, selbst das Klavier, das den Pianisten in jeder Hinsicht ernährt, werden in Bestechungsgelder umgewandelt.

In der letzten Einstellung des Films steht tatsächlich Shandurais Ehemann vor der Haustür der römischen Stadtvilla nahe der spanischen Treppe und drückt beharrlich auf die Klingel. Wird sie ihm öffnen? Aus dem emotionalen Verhalten der Figuren heraus ist diese Entwicklung nicht unbedingt abzulesen, zu sehr sind beide Hauptfiguren in ihrer Gedankenwelt gefangen.

Die Psychologie des Films manifestiert sich weniger im Gesagten als in den Gegenständen, mit denen sich die Figuren umgeben und den Räumen, die ein Bild ihrer Seelen entwerfen. Entscheidend ist, dass sowohl Kinsky, als auch Shandurai Fremde an jenem Ort sind, isoliert vom alltäglichen Leben, losgelöst von ihrer jeweiligen Heimat. Beide scheinen auf etwas zu warten, das sie aus ihrer Melancholie befreit. Je mehr sich jedoch das Haus leert, weil der Pianist wortlos seinen Besitz verkauft, desto mehr zieht die Liebe darin ein.
Der Meister des europäischen Arthouse-Kinos Bernardo Bertolucci kehrt in den letzten Jahren mehr und mehr zu seinen Wurzeln zurück und konzentrierte sich immer häufiger auf kammerspielartige Produktionen mit unbekannten Gesichtern und neuen Talenten. Genauso wie in seinem 2003 gedrehten und stilistisch vergleichbaren Film "Die Träumer" bestechen auch in "Shandurai und der Klavierspieler" die poetischen Bilder, die Bertolucci zu finden versteht, wie kaum ein anderer.

AVIVA-Tipp:
"Shandurai und der Klavierspieler" ist ein vielschichtiger Film, offen für unterschiedliche Interpretationen, voller Andeutungen und Bezüge. Selbst in diesem reduzierten Rahmen, mit den eingeschränkten Möglichkeiten einer kleinen Produktion, bleibt Bertolucci ein Meister der Bildgestaltung, ein Regisseur der es versteht, Emotionen anzudeuten, statt sie allzu deutlich auf den Punkt zu bringen. Allerdings verläßt er sich hier etwas zu sehr auf die ästhetische Möglichkeiten und verbaut sich so ein wenig das Interesse an einer aufgrund ihres psychologischen Potenzials durchaus interessanten Geschichte.


Shandurai und der Klavierspieler
Regie: Bernardo Bertolucci
DarstellerInnen: Thandie Newton, David Thewlis, Claudio Santamaria u.a.
Italien / Großbritannien 1998
Dauer: 93 Min.
Verleih: Alamode
Kinostart: 03.03.2005

Kultur Beitrag vom 07.03.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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