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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 28.01.2003

Claire - eine kurze Geschichte vom Vergessen
Anja Kesting

"Se souvenir des belles choses - sich an die schönen Dinge erinnern" diesen Satz schreibt Claire in einem ihrer wenigen lichten Momente in ihr Notizbuch. Der Film "Claire..."



... ist ein bewegendes Plädoyer für die Liebe unter hoffnungslosen Bedingungen.
Eine wunderbare Film über zwei Menschen, von denen einer sein Gedächtnis wiedererlangt und der andere seine Erinnerungen verliert. Die beiden Zugewandten, Claire (Isabelle Carré) und Philippe (Bernard Campan), bilden eine Einheit, ein Bollwerk gegen die Einsamkeit des Einzelnen. Philippe hat bei einem Autounfall Ehefrau und Sohn verloren, er gibt sich selbst die Schuld an dieser Tragödie. Seine Therapie ist die Verantwortung für die zerbrechliche Claire.

Damit, dass ein alter Mensch senil und zerstreut wird, hat sich die Gesellschaft abgefunden. Doch dass eine 32 jährige Frau an Alzheimer erkrankt, die einfachsten Sachen vergisst, ins Lallen gerät, ist ungewöhnlich und erschreckend. Dabei beginnt alles so "harmlos": Claire wird vom Blitz getroffen, danach fallen ihr einfache Begriffe nicht mehr ein, sie macht daraus eine Tugend und erfindet neue Wörter. Rat suchend fährt ihre Schwester Nathalie (Anne Le Ny) mit ihr eine psychiatrische Klinik. Dort hält man Claire"s Zerstreutheit für eine vorübergehende Erscheinung.

Regisseurin Zabou Breitman lässt bei der Darstellung des Klinikalltags die Unterschiede zwischen "Kranken" und Pflegepersonal verwischen. Es ist nicht auf Anhieb erkennbar, wer "normal" und wer "anders" ist. Manchmal erscheint es so, dass das Pflegepersonal eigentlich die Patienten sein müssten.

Als deutlich wird, dass bei Claire der geistige Zerfall nicht aufzuhalten ist, willigt die Anstaltsleitung zum Experiment des gemeinsamen Zusammenlebens von Claire und Phillippe ein. Rührend ist Philippe darum bemüht, Claire zu helfen, ihren Alltag zu meistern. So nimmt er verschiedene Wegbeschreibungen auf Cassette auf und lotst sie so durch das Straßengewirr. Überall hängen in der Wohnung Notizzettel, die sie an die einfachsten Dinge erinnern, doch irgendwann helfen diese Hilfsmittel auch nicht mehr. Claire hat jeglichen Bezug zur Realität verloren, kann sich nicht mehr sprachlich mitteilen, verirrt sich in ihrer eigenen Welt. Aus der es kein Entrinnen gibt.

Eine entrückte Isabelle Carré zaubert eine feenhafte Claire auf die Leinwand. Die schon anfangs nicht von dieser Welt erscheint. Mit zunehmender Verwirrtheit betrachtet sie mit erstaunt-verstörtem Blick ihre Umgebung, kreiert neue Worte, um die vergessenen zu ersetzen. Eindrücklich stellt Isabell den langsamen, aber unaufhaltsamen Zerfall einer bezaubernden Frau dar.

Regisseurin Zabou Breitman findet ausdrucksvolle Bilder für die Verbundenheit und das Leid der beiden Liebenden. Die Zuschauerin erlebt quälend mit, wie Claire langsam ihre Wahrnehmung verliert und bei Philippe das Gedächtnis wieder einsetzt, was für ihn mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden ist.

"Claire - eine kurze Geschichte vom Vergessen" ist ein leiser liebenswürdiger Film, der weder melodramatisch oder kitschig ist, der die Mitleids- und Betroffenheitsfalle vermeidet, und ein eindringliches Plädoyer für die Liebe unter eigentlich unmöglichen Bedingungen hält.



Claire - eine kurze Geschichte vom Vergessen
Originaltitel "Se souvenir des belles choses"
Isabelle Carré, Bernard Campan, Bernard Lecoq
Regie: Zabou Breitman
Original mit Untertiteln
114 Minuten
Kinostart: 30. Januar 2003
www.sesouvenirdesbelleschoses.com

Kultur Beitrag vom 28.01.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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