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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 07.04.2005

Die Dada Baroness
Sabine Grunwald

Elsa von Freytag-Loringhoven, die New Yorker Dada Queen führte ein wildes Leben. Die Erste, die aus Müll Kunst machte, suchte als Provokateurin den Skandal. Im Literaturhaus Berlin bis 08.05.2005



KennerInnen der New Yorker Dada Szene Anfang des letzten Jahrhunderts ist der Name Elsa von Freytag-Loringhoven bereits länger ein Begriff. Die Deutsche erregte erst in New York und später in Paris Aufsehen als Surrealistin, mit Performances, Körperkunst und Gedichten.

Die deutsche Baronin wurde 1874 unter dem Namen Elsa Plötz in Swinemünde geboren.
Der frühe Tod ihrer Mutter und die schlechte Beziehung zu ihrem Vater, trieben sie früh in die Selbständigkeit. Naiv und jung wie sie war, versuchte sie sich als Bühnenkünstlerin und tauchte Anfang des 20. Jahrhunderts als verheiratete Baroness von Freytag-Loringhoven in New York auf. Die mittellose Witwe ernährte sich als Aktmodell, entdeckte die Performance für sich und war in der Bohemeszene tonangebend. Sie war eine Abenteurerin und hatte ein ausgeprägtes Gespür für die Möglichkeiten ihrer Zeit. Über sich selbst urteilte sie, sie sei "verrückt, begabt und amüsant, aber auch eklatant unkonventionell."

Mit allen Mitteln protestierte sie gegen das Konventionelle. Ihr BH bestand aus Milchdosen, mit Hundeketten verbunden, auf ihrem Kopf trug sie einen Pflaumenkuchen und an ihrem Hinterteil ein Rücklicht. Ihren Kopf trug sie oft rasiert und zinnoberrot lackiert. Manchmal benutzte sie das Oberteil eines Kohleeimers als Hut, den sie unter ihrem Kinn wie ein Helm festschnallte. Unkonventionell war sie auch in Liebesdingen, wo ihr Credo lautete: "Jede Nacht ein neuer Mann." Verliebt war sie ausschließlich in sich selbst und experimentierte mit immer neuen Aufmachungen.

Diverse KünstlerInnen ließen sich von ihr inspirieren. Mit ihrer erotischen Körperkunst war sie Vorläuferin der heutigen Performance Kunst einer Rebecca Horn, Yoko Ono und Marina Abramovic. Sie stellte Kunstobjekte aus Blechfolie und Müllresten her. Ihre Ästhetik war die Kunst der Straße. In der Zeitschrift "Little Review" wurde sie mit ihrer Lyrik- und ihren Prosagedichten, die den Eros und die Sexualität thematisierten, zum umstrittenen Star. Unterstützung erhielt die Baroness durch Djuna Barnes, Peggy Guggenheim und die Verlegerinnen des "Little Review".

Ihr Leben endete früh und tragisch bereits 1927. Mit nur 52 Jahren erstickte sie zusammen mit ihrem Hund an ausströmendem Gas in ihrer kärglichen Unterkunft. Nach ihrem Tod wurde sie als Exzentrikerin gebrandmarkt und ist schließlich in Vergessenheit geraten. Erst 1996/97 wurde sie in der New Yorker Dada-Ausstellung im Whitney Museum of American Art: "Making Mischief. Dada invades New York", neben Marcel Duchamp, Man Ray und Francis Picabia ausgestellt. Die weltweit erste Retrospektive: "Die Kunst der Elsa von Freytag-Loringhoven" fand 2002 in New York statt. Ihre Memoiren wurden 1992 nur auf Englisch veröffentlicht.

AVIVA-TIPP:
Die Ausstellung zeigt umfangreiches Material: Tagebucheintragungen, Briefe, Bücher, Zeitungsausschnitte, Textfragmente, Fotografien und Kostüme. Begleitet werden die Dokumente von einem Audioguide. Doch wäre es angeraten, könnte man diesen überlangen Text auf einer Hör-CD in Ruhe genießen. Zur Erklärung der Exponate wäre ein kürzeres, informatives Tondokument hilfreicher gewesen.

Die Lebensgeschichte der schillernden Künstlerin der Moderne liegt als Buch vor:
Irene Gammel
Die Dada Baroness. Das Wilde Leben der Elsa von Freytag Loringhoven
Edition ebersbach
256 Seiten, zahlr. Abbildungen
34 Euro
ISBN 3-934703-57-7
200961948875"

Im Rahmen der Ausstellung wird ein umfangreiches Rahmenprogramm präsentiert.
Informationen im Netz unter www.literaturhaus-berlin.de

Ausstellungsort:
Literaturhaus Berlin
Fasanenstraße 23
10719 Berlin
Ausstellungsdauer:
23.03.2005 bis 08.05.2005
Eintritt: 5/3 Euro
Öffnungszeiten. Täglich 11.00 bis 19.00 Uhr


Kultur Beitrag vom 07.04.2005 Sabine Grunwald 

   




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