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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 10.05.2005

Schildkröten können fliegen
Christiane Sanaa

Der erste irakische Spielfilm seit 26 Jahren erzählt von einer Kindheit zwischen Landminen, Kriegsschrot und Schlamm, in der Liebe, Mitmenschlichkeit und Humor noch nicht untergegangen sind.



Die Geschichte spielt in einem kurdischen Flüchtlingslager in der unwirtlichen Gegend des Nordirak. Es ist kurz vor dem Ausbruch des zweiten Golfkrieges und die BewohnerInnen warten auf die Invasion der Amerikaner, die sie willkommen heißen. Denn sie sind in erster Linie Opfer der Diktatur Saddam Husseins und der irakischen Truppen.

Die Lebensbedingungen der Menschen sind extrem schlecht.
Der Hauptdarsteller, ein dynamischer und aufgeweckter Junge von 13 Jahren, wird von allen "Satellit" genannt, weil er schon mehrere Dörfer mit Parabol-Antennen ausgestattet hat. Sie haben zwar den Nachteil, dass man mit ihnen die "verbotenen Sendungen" empfangen kann, gleichzeitig sind sie für die DorfbewohnerInnen die einzige Möglichkeit, Nachrichten über den bevorstehenden Krieg zu empfangen, die von den staatlichen Sendern nicht gesendet werden. Die Situation bleibt aber trotzdem absurd, da niemand Englisch verstehen kann. Und so soll Satellit mit den paar Brocken Englisch, die er mal irgendwo aufgeschnappt hat, das Neueste von CNN übersetzen, was er schließlich frei nach seinen Vorstellungen tut. Schließlich sind jedoch die Prophezeiungen des verstümmelten Hengow zutreffender als jede Nachricht, egal aus welchem Kriegslager sie lanciert wird.

Satellits eigentliche Aufgabe besteht darin, Anführer und Arbeitgeber der Kinder im Lager zu sein. Sie alle verdienen ihren Unterhalt damit, dass sie Landminen entschärfen, ausgraben und verkaufen. Die gesamte Gegend ist vermint und kaum ein Kind ist noch im vollständigen Besitz all seiner Gliedmaßen. Aber gerade die verstümmelten Kinder sind die besten Arbeiter, denn, so Satellit, "die haben keine Angst mehr".

Eines Tages kommt die 14-jährige Agrin mit ihrem Bruder Hengow und ihrem Sohn Digah in das Lager. Ihr eigenes Dorf wurde von den irakischen Truppen niedergebrannt und ihre Familie umgebracht. Hengow nennen alle den "Armlosen", denn er hat nur noch zwei Stümpfe als Arme. Digah, von dem alle glauben, er sei ihr Bruder, ist blind. Agrin will den Sohn loswerden, da er das Ergebnis mehrfacher Vergewaltigungen durch die irakischen Soldaten ist und sie immer wieder daran erinnert. Sie ist schwer traumatisiert und setzt den Jungen immer wieder Gefahren aus, die tödlich enden sollen. Satellit hat sich in sie verliebt und versucht ihr zu helfen. Doch er kann an das Mädchen nicht herankommen.

Wie bereits in seinem Film "Zeit der trunkenen Pferde" konzentrierte sich der Regisseur Bahman Ghobadi in seinem Anti-Kriegsfilm "Schildkröten können fliegen" auf das Leben der Kinder, "welche stets die ersten Opfer sind, um die sie niemand kümmert."(Quelle: mitosfim). Er arbeitete nur mit LaiendarstellerInnen, denn bis heute gibt es keine nationalen kurdischen Filmproduktionen oder kurdische SchauspielerInnen. Selbst das Medium Film ist in vielen Gebieten kein Massenmedium und für die BewohnerInnen viel zu teuer.

"Schildkröten können fliegen" erhielt unter anderen bei den 55. Internationalen Filmfestspielen den 20. Friedenspreis.
Der deutsche Kinostart wird von "medico international e.V.", dem Verein für Gesundheit, Soziales, Menschenrechte, unterstützt, der 1997 für seine Kampagne gegen Landminen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

AVIVA-Tipp: Der Film ist absolut sehenswert. Er ist trotz seiner tragischen Handlung nicht brutal und birgt so manche groteske Situation, über die man lachen muss. Er zeigt Lebensbedingungen, die in unserer wohlhabenden Welt unvorstellbar sind. Er ergreift Partei für die schwächsten Mitglieder einer Gesellschaft, die Kinder, die weltweit die unschuldigen Opfer der Verminung ganzer Landschaften sind. Und er erinnert uns an ein unterdrücktes Volk ohne eigenes Land, die KurdInnen, hinter denen keine Lobby und keine Weltmacht steht.


Schildkröten können fliegen
Turtles Can Fly
Regie: Bahman Ghobadi
Drehbuch: Bahman Ghobadi
DarstellerInnen: Avaz Latif, Soran Ebrahim, Saddam Hossein Feysal, Hiresh Feysal Rahman, Abdol Rahman Karim, Ajil Zibari
Irak / Iran 2004
Dauer: 98 min
Kurdisch mit deutschen Untertiteln
Kinostart: 05. Mai 2005
www.schildkroetenkoennenfliegen.de


Kultur Beitrag vom 10.05.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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