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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 10.05.2005

Jena Paradies
Christiane Sanaa

In der idyllischen Landschaft Thüringens läuft das Leben der allein erziehenden Jeanette und ihrem Sohn trostlos vor sich hin. Unerfüllte Sehnsüchte und Unzulänglichkeiten treiben seltsame Blüten.



Jeanette lebt allein mit ihrem Sohn Louis in Jena. Ihr Leben wird von ihren Pflichten als Mutter und ihrer Arbeit bestimmt, die ihr wenig Freiraum für eigene Wünsche lassen. Vom Vater fehlt jede Spur und zu ihrer eigenen Familie hat sie den Kontakt abgebrochen. Weder sie noch ihr Sohn haben FreundInnen, die ihre isolierte Lebenssituation ein wenig auflockern würden. Die Stadt hat zudem an kulturellen Aktivitäten nicht mehr zu bieten als den Fußballplatz.

Hier arbeitet Harry, ebenfalls eine trostlose Figur. Er ist ein äußerst gewissenhafter Platzwart, der nur für seine Faszination vom Fußball lebt. Er will eigentlich Trainer sein, wird aber von den jungen Spielern nicht anerkannt. Sie machen sich über sein Engagement lustig, schließlich ist der Fußball für sie nur ein Hobby und nicht der Sinn des Lebens. Als sie Harry bei einem entscheidenden Spiel hängen lassen, bricht sein fragiles Weltbild zusammen.
Jeanettes Sohn Louis mag Harry, der so alt ist wie sein Opa. Er liebt seine Mutter und doch stört ihn die Einsamkeit ihres Zusammenlebens. Er vermisst einen familiären Rahmen und eine männliche Figur in seinem Leben und pocht bei der Mutter auf sein Recht, Kontakt zu ihrer Familie zu haben.
Jeanettes Hauptinteresse gilt zunächst ihrem Sohn, dem sie alles sein will: Mutter, Vater, Familie und Freunde. Da dies unmöglich ist, kommt es immer wieder zu mittelschweren Katastrophen mit folgendem schlechten Gewissen - typisch für die Situation von Alleinerziehenden. Ihre Sehnsüchte nach einem eigenen Anteil in ihrem Leben werden geweckt, als sie sich in den neuen Nachbarn Philipp verliebt. Diese Beziehung kann zwar die Fixierung auf ihren Sohn lösen, bleibt aber wieder hoffnungslos, denn Philipp ist verheiratet, hat eine Tochter und seine Frau ist schwanger.

Der Debütfilm von Marco Mittelstaedt taucht in den Mikrokosmos eines an sich beschaulichen Lebens am Rande der thüringischen Stadt Jena ein. Er erzählt von Menschen, die aus der Trostlosigkeit der Alltagsroutine ausbrechen wollen, dabei aber immer wieder an ihre eigenen Grenzen stoßen.

AVIVA-Tipp: Jena Paradies hat kein Happy End und doch entläßt er die Zuschauerin nicht völlig frustriert, denn die Figuren kommen in Bewegung und versuchen, sich Perspektiven auf ein erfüllteres Leben zu schaffen.


Jena Paradies
Regie: Marco Mittelstaedt
Drehbuch: Karen Matting, Marco Mittelstaedt
DarstellerInnen: Stefanie Stappenbeck, Luca de Michieli, Bruno F. Apitz, Hans-Jochen Wagner, Gitta Schweighöfer
Deutschland 2004, 83 Min.
Dauer: 83 min
Kinostart: 12. Mai 2005
www.jenaparadies.de


Kultur Beitrag vom 10.05.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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