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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 30.06.2005

Amazones vom 9. Juni bis 31.08.05
AVIVA-Redaktion

Die Rebell Minds Gallery präsentiert mit dem Ausstellungszyklus zeitgenössische, avantgardistische Fotoarbeiten der drei iranischen Künstlerinnen Shadi Ghadirian, Shideh Tami und Bita Fayyazi.



Die im Iran entstandenen Werke zeigen durch ihre differenten künstlerischen Positionen drei verschiedene Ansätze von Fotografie. Zeitlich aufeinanderfolgend sind die international bekannten Fotokünstlerinnen in Berlin im Rahmen von Einzelausstellungen zu sehen. Die Werk-Präsentationen von Ghadirian und Tami bleiben innerhalb der Ausstellung bestehen, so dass die BesucherInnen nach der Vernissage zu Bita Fayyazi alle drei Standpunkte im Überblick betrachten können.
Den Fotografinnen geht es in ihrer künstlerischen Arbeit grundsätzlich um die Identität der Frau und um ihr eigenes Selbstverständnis, als Künstlerin im Iran tätig zu sein. Wo findet die Begegnung von Kunst und Leben statt und welche Strategien entwickeln sie, sich unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen schöpferisch auszudrücken? Sie stellen sich der Herausforderung, was es heißt Iranerin und Künstlerin innerhalb des heutigen Persien zu sein.
Sie setzen sich mit dem traditionellen Rollenverständnis und den Veränderungen im Status der Frauen auseinander. Um soziale Realitäten ihrer Heimat in Frage zu stellen, verwenden sie in ihren Arbeiten Schlüsselelemente aus der visuellen Tradition Irans - Ghadirian den Tschador, Tami die alltäglichen, intimen Geschichten des Weiblichen in der häuslichen Umwelt und Fayyazi die Ikonografie der Straße. Die Künstlerinnen verarbeiten patriarchalische Konflikte und Lebensrealitäten, die auf der ganzen Welt fortbestehen, im Westen ebenso wie im Orient. Sie enthüllen das Paradoxe einer Gesellschaft, die auf traditionellen Werten einer archaischen Religion gegründet ist, sich der Moderne aber nicht mehr entziehen kann.

Eröffnet wurde die Schau am 9. Juni 2005 mit Werken der 1974 in Teheran geborenen Shadi Ghadirian. Arbeiten der Fotokünstlerin, die 1998 ihren B.A. in Fotografie an der Universität Azad/Teheran erhielt, sind sowohl im Iran wie auch auf internationalen Ausstellungen u.a. in London, Paris, Berkeley, Kopenhagen, Göteborg, Berlin, Nordirland, Madrid und New York zu sehen. Besonders bekannt wurde Shadi Ghadirian durch ihre Serie mit traditionell im Tschador gekleideten Frauen, deren Gesichter durch Küchengeräte ersetzt sind. Um das Gesicht der Frau und die Rolle des Weiblichen, um Verhüllen und Darstellen geht es auch in ihren jüngsten Arbeiten unter dem Titel Do/You, die den Auftakt der Ausstellung AMAZONES - junge iranische Fotografie bilden.

Shadi Ghadirian inszeniert in Do/You ästhetische Fotos von Frauen zwischen Tradition und Moderne, die den Gegensatz zwischen öffentlichem und privatem Leben im iranischen Alltag verdeutlichen.
Zu sehen sind verschleierte Frauen in bunten Tschadors, die durch eine Glasscheibe blicken. Diese farbigen Gewänder werden im Iran in der ländlichen Region auch im Alltag getragen, da die Traditionen hier stärker im Vordergrund stehen und das Leben der Menschen bestimmen. Im strengeren Teheran dagegen dürfen sich die Frauen gemäß den islamischen Vorschriften nur in schwarze Tschadors hüllen. Auf den Fotografien ist die Glasscheibe mit breiten, weißen Pinselstrichen überstrichen, so dass die Frauen im Hintergrund nicht deutlich zu erkennen sind und sich in einer Doppelung hinter einem weißem Schleier befinden. Weiße Pinselstriche werden im Iran als Zensur eingesetzt, wenn z.B. westliche Frauenmagazine kontrolliert und abgebildete Models der Behörde zu freizügig erscheinen. Welches ist der öffentliche und welches der private Körper?

Dieser inhaltliche Aspekt von Ghadirian ist auch für Shideh Tami ein wichtiger Ausgangspunkt. Sie hat in ihrem Werkzyklus Frauen diary mit 40 Gedichtbüchern ein autobiografisches Archiv ihrer Erinnerungen erstellt, das die Rolle der Frau mit ihren intimen inneren Seiten spiegelt. Das Frauentagebuch wurde im Iran ausgestellt und birgt in der Veröffentlichung einer privaten weiblichen Lebenswirklichkeit eine Brisanz, die vor zehn Jahren undenkbar gewesen wäre. Im derzeitigen politischen Klima herrscht für die Kunst im Iran eine geradezu paradiesische Situation, die sehr hoffnungsvoll aber keineswegs gesichert ist. Zudem gewährt die Anerkennung im Ausland einen gewissen Schutz und einen Freiraum. Die Kalligrafie und das Gedicht als literarische Form besitzt eine wichtige Tradition in der persischen Kultur und Kunst und ist eng mit der Religion verknüpft. Als eine Essenz aus den Tagebüchern hat Tami acht Seiten ausgewählt und neu gestaltet. Mit Zeichnungen und Gedichten in persischer Sprache überschreibt und illustriert Tami Fotos, die Röntgenaufnahmen von weiblichen Körperteilen zeigen.
Das private Leben wird in die Kunst verwoben und die Grenzen dessen, was gesagt werden darf, Stück für Stück erweitert.

Bita Fayyazi arbeitet in ihren Installationen und ihrer Fotografie mit gesellschaftlichen Themen, die niemand sehen möchte und eine raue Wirklichkeit abbilden. Sie thematisiert immer wieder indirekt die Abwesenheit der Frauen im öffentlichen Raum, indem sie bewusst Randthemen der Gesellschaft symbolisch inszeniert. In Road Kill hat sie tote Hunde, die als wertlose Kreaturen im Iran gelten, fotografiert und dann in Hunderten von Skulpturen exzessiv nachgebildet. Die Skulpturen wiederum arrangierte Fayyazi auf Straßen in Form einer toten Kadaverspur und fotografierte die Szenerie wie eine Journalistin als Reportage ab. Mit der Arbeit Road Kill ist Fayyazi bis an ihre eigenen physischen Grenzen gegangen. In einem Art von Finale zerstörte oder vergrub sie alle Skulpturen und bewahrte als Relikt nur die Fotografien, die nun in Lichtboxen präsentiert werden. Für sie charakterisieren ihre Arbeiten existierende Hierarchien, in denen die Geschlechterrollen erhalten bleiben. Obwohl Frauen im Iran gesellschaftlich nur eine begrenzte Rolle zugestanden wird, geht Fayyazi konsequent ihren Weg und schafft ein kritisches Bewusstsein für Traditionen, herkömmliche Sichtweisen und neue Aufbrüche.
Vernissage Bita Fayyazi (Road Kill): Dienstag, 19. Juli 2005, 21 Uhr


Amazones
Gruppenausstellung von drei Künstlerinnen aus dem Iran
Ausstellung: 9.06. - 31.08.05, Mi-Sa, 16-21 Uhr
Ort: Rebell Minds in der VILLA ROSE
Landsberger Allee 54, 10249 Berlin-Friedrichshain

Kultur Beitrag vom 30.06.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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