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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 10.06.2005

Ungarische FotografInnen 1914-2003 - Seelenverwandt
Sabine Grunwald

Fotograf und Schriftsteller Peter Nàdas wagt einen subjektiven Blick auf die Geschichte der ungarischen Fotografie des 20. Jahrhundert. Vom 10.6.-29.08.05 im Martin-Gropius-Bau



Die von Péter Nádas kuratierte Ausstellung zeigt 144 Werke ungarischer FotografInnen aus dem Zeitraum von 1914 bis 2003.
Zu sehen sind Arbeiten von László Moholy-Nagy, André Kertész, Brassai, Lucien Hervé, Robert Capa, Eva Besnyö und Martin Munkacsi, aber auch Bilder von im Westen weniger bekannten KünstlerInnen.

Péter Nádas zieht in dieser Ausstellung Verbindungslinien zwischen eigenen Fotografien und Fotografien derer, die Ungarn aus politischen Gründen frühzeitig verlassen mussten und denen, die im Land geblieben sind.
Es finden sich Gemeinsamkeiten in der Wahl ähnlicher Themen und Motive, die ein spezielles Interesse an der Geschichte bekunden.
Die Erfahrungen des 1. Weltkrieges haben die visuelle Wahrnehmung geschärft und das Interesse auf die Alltagssituation der Menschen gelenkt. Wie ein roter Faden zieht sich das Interesse ungarischer FotografInnen an den Lebensbedingungen der Armen und Entrechteten durch ihre Werke.
Besonders die Fotografinnen Kata Kálmán, Klára Langer und Ata Kando beeindrucken durch ihre sensiblen Reportagen und Portraits aus den 30er bis 50er Jahren.

Nach dem Sturz der Räterepublik 1919 gingen viele politisch Aktive und AvantgardekünstlerInnen nach Paris, Berlin oder Wien. Laszló Moholy-Nagy wurde 1923 von Walter Gropius an das Weimarer Bauhaus berufen. Er prägte entscheidend das Neue Sehen, entwickelte das Fotogramm und experimentierte mit fotografischen Einstellungen, die von den ungarischen StudentInnen, allen voran Judit Kárász, begeistert aufgenommen wurden.
Judith Kárasz beendete in den frühen 30er Jahren die Foto-Klasse am Bauhaus in Dessau. Mit gewagten Kompositionen aus der Vogelperspektive lieferte sie einen Überblick aus dem Leben der BauhäuslerInnen. Ihr besonderes Interesse galt Industrieobjekten, Brücken, Baukonstruktionen und Fabrikgebäuden. In Berlin arbeitete sie als Laborassistentin für die Agentur Dephot, wo auch Robert Capa gearbeitet hatte. Sie reiste durch Deutschland und hielt ihre Erlebnisse mit der Leica fest. In Ungarn wurde sie eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Dokumentarfotografie. Von 1935 an lebte sie in Dänemark, arbeitete in einer kleinen Weberei und fotografierte nur noch nebenbei. 1949 kehrte sie nach Ungarn zurück. Sie war als Fotografien am Kunstgewerbemuseum in Budapest beschäftigt und nahm in zwanzig Jahren Tausende Fotos von Interieurs und Kunstwerken auf.

Auch die junge Budapester Fotografin Eva Besnyö wurde durch die vom Bauhaus vertretene Synthese von Kunst und Leben 1930 nach Berlin gezogen. Sie wollte, wie auch ein Jahr später Endre Ernö Friedmann (Robert Capa), der restriktiven politischen Situation in Ungarn entkommen. Berlin war die Stadt in Europa, die sowohl künstlerisch als auch zunächst politisch neue Wege bot. Eva Besnyö arbeitete von November 1930 bis Januar 1931 im Labor des Reklamefotografen René Ahrlé. Von Februar bis Juli 1931 war sie als Volontärin bei dem Pressefotografen Dr. Peter Weller angestellt, der ihre Fotos unter seinem Namen verkaufte. Im Sommer mietete sie sich ein eigenes Atelier in der Nachodstraße. Ihre Spezialität waren Portraits und Reportagen, die auch von der linken Bildagentur Neofot vertrieben wurden. Ihre Fotografien erschienen im "Querschnitt", in "Atlantis", "Sieben Tage" und in der "Deutschen Frauenzeitung". Sie nahm an Abendkursen der "Marxistischen Arbeiterschule" teil, besuchte das Theater von Piscator und sah die neuesten russischen Filme.
Mit dem aufkommenden Faschismus, spätestens dem Machtantritt der Nazis 1932 waren viele in Berlin tätige FotografInnen aufgrund ihrer politischen Gesinnung oder jüdischen Abstammung gefährdet. Eva Besnyö ging 1932 nach Amsterdam.

Die in Berlin entstandenen Arbeiten der ungarischen FotografInnen aus den 20er und 30er Jahren verbinden künstlerisches Experiment mit politischem Engagement. Sie setzten sich künstlerisch mit den sozialen Problemen der Zeit auseinander. Und stellen die Frage, wie die Kunst und die neuen Medien darauf reagieren können.

Auch den Schriftsteller und Fotografen Péter Nádas beschäftigen diese Fragen. Mit einem Stipendium des ungarischen Schriftstellerverbandes hielt er sich 1972 drei Monate in Berlin/Ost auf. 1981 kam er ein Jahr als Gast des DAAD nach Berlin/West. Er beschrieb die Teilung der Stadt in den "Berliner Lehrgeschichten". Auch fotografisch begab er sich auf Spurensuche. Seine Fotografien vom jüdischen Friedhof in der Senefelder Straße aus den 70er Jahren zeigen einen Ort des Vergessens und erinnern an die einstige Bedeutung jüdischen Lebens für Berlin.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Péter Nádas in Deutsch und Englisch, mit 50 Abbildungen und 30 Kurzbiografien der FotografInnen.


Péter Nádas
Seelenverwandt/Kindred Spirits

Ungarische Fotografen/ Hungarian Photographers 1914-2003
Nicolai Verlag, Berlin
80 Seiten, 40 Abb. Im Duotone
16,5 x 21 cm, gebunden
ISBN 3-89479-265-5
14,90 Euro

Ort der Ausstellung:
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstr. 7
10963 Berlin
Dauer der Ausstellung:
10. Juni - 29. August 2005
Eintritt: 3 Euro/ 2 Euro erm., Familienkarte 8 Euro
Gruppen ab 10 pers. 2 Euro p.P.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.gropiusbau.de

Kultur Beitrag vom 10.06.2005 Sabine Grunwald 

   




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