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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 23.08.2005

Beautiful Boxer
Tatjana Zilg

Die Karriere als Thai-Boxer ermöglicht einem jungen Mann die Verwirklichung seines Lebenstraums: Er möchte durch eine Geschlechtsumwandlung eine Frau werden. Ergreifender Film nach wahrer Geschichte



Ein kleiner Junge ist von den seidigen Haaren und der Anmut seiner Mutter (Orn-Anong Panyawong) begeistert. Diese ist geschmeichelt, doch dann teilt ihr der Sohn mit, dass er, wenn er groß ist, auch so eine wunderschöne Frau wie sie werden möchte. Nach dem ersten Schreck akzeptiert die Mutter den Wunsch von Nong Toom (als Kind Sarawuth Tangchit, als Jugendlicher Asanee Suwan) mit stillschweigendem Wohlwollen, der Vater (Nukkid Boonthong) befürchtet dagegen soziale Ausgrenzung. Die Eltern sind froh, dass der Junge als Novize in ein buddhistisches Kloster aufgenommen wird, wo strenge Regeln verhindern, dass er sich seinen femininen Neigungen widmet. Aber Toom hält an seinem innersten Wunsch fest, bis er das Kloster nach einiger Zeit mit einem Wandermönch wieder verlassen kann. Die Realität lässt ihm ohnehin nicht viel Zeit für das Ausleben seiner inneren Sehnsüchte, sondern verlangt den vollen Einsatz als mithelfendes Familienmitglied. Die Eltern sind ursprünglich arme Nomaden, bis sie sich durch eine Landbesetzung als Litchi-Anbauer niedergelassen haben. Die Mutter muss deshalb ins Gefängnis. Der kleine Toom besucht sie, sooft es geht und arbeitet heimlich, um ihr Essen zu kaufen und den Vater nach einem Unfall mit Medikamenten zu unterstützen.

Eines Tages bietet sich ihm eine Gelegenheit zum Geldverdienst, die er sich nie erträumt hätte. Mit seiner besten Freundin besucht er ein Fest, auf dem er zur Teilnahme an einem Preisboxen gedrängt wird. Zur Überraschung aller gewinnt er. Im Zwiespalt mit seiner Abneigung gegen Gewalt und der Notwendigkeit, Geld für seine Eltern, aber auch für eine spätere Geschlechtsumwandlung zu verdienen, bewirbt er sich für die Aufnahme an einer lokalen Boxschule. Der väterlich strenge Trainer (Sorapong Chatree) erkennt hinter dem Mantel der Unbeholfenheit und des kaum verborgenen femininen Touches das große Talent von Nong Toom zum Thai-Kickboxen, das in Thailand als traditionelle Sportart sehr angesehen ist. Zugleich ist es eine der ältesten Kampfsportarten der Welt und gilt als die härteste. Eine Besonderheit ist, dass fast alle Körperteile zum Kampf genutzt werden dürfen.

Dem Teenager offenbart sich eine Männerwelt, die von Disziplin und Aggression, aber auch von Zusammenhalt, kameradschaftlichen Erlebnissen und einem geregelten Tagesablauf gekennzeichnet ist. Er entwickelt schnell ein intensives Verhältnis zu seinem Trainer und zu dessen Ehefrau, die dafür sorgt, dass Nong Toom trotz seiner ausgeprägt weiblichen Seite eine feste Position in der Gruppe gewinnt. Auch ist sie es, die den Trainer davon überzeugt, Nong Toom offen als Transsexuellen im Boxring auftreten zu lassen. Einerseits wird sein Ruhm durch das außergewöhnliche Auftreten mit Schminke und femininen Styling gestärkt, anderseits ist er fortan starken Anfeindungen ausgesetzt. Ihm wird vorgeworfen, das Image des Nationalsportes zu schädigen. Er gewinnt jedoch einen Großteil der Kämpfe und kann schließlich seinen Lebenstraum erfüllen: Nach einer erfolgreichen Geschlechtsumwandlung ist er eine divenhaft wirkende, wunderschöne Frau, die als gefragtes Model und Schauspielerin von allen Seiten Bewunderung erhält.

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte. Parinya Charoenphol - in Thailand unter dem Spitznamen Nong Toom bekannt - hat ebenfalls ihren Traum wahr gemacht und lebt nun als Frau, nachdem sie sich 1999 einer Geschlechtsumwandlung unterzog. Heute arbeitet sie als Model, Schauspielerin und Lehrerin für Muay Thai (Thai Kickboxen) in Bangkok. Sie selbst kann nicht mehr im Ring stehen, da Frauen in Thailand nicht zum Kickboxen zugelassen sind.

Der Regisseur Ekachai Uekrongtham ist vielfach preisgekrönt für seine Theaterinszenierungen. Er gründete das ACTION Theatre in Singapore. Eine seiner bekanntesten Arbeiten ist die Konzeption, Regieführung und Produktion von "Chang & Eng", ein Musical über die wahre Geschichte der siamesischen Zwillinge.
"Beautiful Boxer" ist sein Filmdebüt und wurde im Panorama der Berlinale 2004 gezeigt.

AVIVA-Tipp: Das fast zweistündige, farbenprächtige Werk ist ein vielschichtiger Film mit einem Spektrum an Themen, die verschiedenste Interessengebiete berühren: Thai Boxen als Kampfsport im Spannungsfeld zwischen traditionellen Material Arts mit feinabgestimmten, raschen, sehr ästhetischen Bewegungen und sehr aggressiven Preiskämpfen, Transsexualität im Zwischenfeld von kultureller Bindung, Selbstfindung und Familienbezügen, Armut in einem Schwellenland, die von Kindern frühen Arbeitseinsatz und Opfer fordert und nicht zuletzt wird Buddhismus als Religion ein Stück greifbarer, da er nicht - wie so oft in westlichen Filmen - idealisiert dargestellt wird.


Beautiful Boxer
Taiwan/Thailand 2004, 116 Minuten
Regie: Ekachai Uekrongtham
DarstellerInnen: Asanee Suwan, Sorapong Chatree, Orn-Anong Panyawong, Nukkid Boonthong, Sitiporn Niyom
Filmstart: 25.08.2005
Verleih: MFA Film Distribution Regensburg
www.beautifulboxer.com



Kultur Beitrag vom 23.08.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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