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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 16.09.2005

Estland Mon Amour
Tatjana Zilg

Sibylle Tiedemann drehte einen sehr persönlichen Film über den mysteriösen Tod des Bruders in Estland, wo er der familiären Vergangenheit nachspürte, um sein gegenwärtiges Leben besser zu verstehen



Das Fischerdorf, wo Klaus Tiedemann mit 47 Jahren seinen Tod fand, ist im Nordosten Estlands gelegen. Er wurde mit einer Kopfverletzung neben einer Leiter, die zu einem kleinen Wohnraum im Scheunenboden seines besten Freundes führte, tot aufgefunden. Dies geschah während eines mehrmonatigen Aufenthaltes in dem Land, aus dem sein Vater nach Kriegsende emigrierte. Bereits vor einigen Jahren hatte er dort eine zweite Heimat gefunden. Auf der Flucht vor dem Leistungsdruck in Deutschland unternahm er jedes Jahr eine lange Reise durch das Baltikum. Zurück ließ er seine jüngere Schwester, die der Selbstsuche ihres Bruders in der Ferne mit gemischten Gefühlen gegenüber stand. In Rückblicken, zusammengestellt aus Super 8-Filmausschnitten, wird die Kindheit der Geschwister dargestellt. Klaus war ein sehr lebensmutiger Junge, der mit einem Brett über rauschende Meereswellen surfte. Seine kleine Schwester bewunderte ihn und war stolz darauf, dass sie oft für Zwillinge gehalten wurden.

Doch später bekam Klaus Schwierigkeiten, einen festen Platz im Leben zu finden. Der Erwartungsdruck des Vaters war hoch. Er verlangte, dass sein Sohn genau wie er Arzt wird. Dieser wehrte sich gegen den Zwang und probierte vieles aus, blieb aber beruflich erfolglos, da die Selbständigkeit als Industriedesigner schief ging.

Als die Grenzen Anfang der 90er Jahre geöffnet wurden, erinnerte er sich an die Erzählungen des früh verstorbenen Vaters über die verlorene Heimat in Estland und begab sich auf Entdeckungsreise. Seine kleine Schwester folgte den Spuren erst nach seinem Tod. 1996 betrat sie Estland zum ersten Mal, um die Rückführung des Bruders zu organisieren. In tagebuchähnlicher Form hielt sie diese Tage des Schocks, in denen sie sich fremd in der baltischen Umgebung fühlte, mit einer Videokamera fest. 2004 kehrte sie zurück, um einen Dokumentarfilm über ihren verlorenen Bruder und dieses geheimnisvolle, auf den zweiten Blick wunderschöne Land zu drehen. Es gelang ihr in sehr sensibler Weise, die eigenen Gefühlsstimmungen einzufangen, die am Anfang von Wut über die verworrenen Umstände des Todes und Misstrauen gegenüber der estnischen Polizei und der Bevölkerung geprägt sind und sich dann langsam wandeln in eine zarte Liebe zu dem naturverbundenen Land, der optimistischen Haltung der Menschen und ihrer vorsichtigen Offenheit, mit der sie über den Fremden in ihrer Mitte erzählen.

Die Regisseurin Sibylle Tiedemann drehte bereits viele anspruchsvolle Dokumentarfilme wie u.a. "Kinderland ist abgebrannt" (1998) und "Hainsfarth hatte einen Rabbi" (2001).

AVIVA-Tipp: Der feinsinnige Film entführt die ZuschauerInnen in die baltische Mitte Europas und bietet Einblicke in die dortige Lebenswelt, ohne zu idealisieren. Die Geschichte der suchenden Schwester, die dem tragischen Tod ihres Bruders in der fernen Heimat nachspürt und dabei erkennt, warum er dort einen Ruheort fand, der ihn im Deutschland so nicht offen stand, berührt zutiefst im Innersten.


Estland Mon Amour
Deutschland 2004, 93 Min.
Buch und Regie: Sibylle Tiedemann
Kamera (Film): Lars Barthel, Rainer Hoffmann
Kamera (Video): Kornel Miglus
Ton: Ulla Kösterke
Schnitt: Inge Schneider
Musik: Villu Veski & Tiit Kalluste , Siiri Sisask & Kristjan Randalu
Verleih: www.ventura-film.de
Kinostart: 15.09.2005

Kultur Beitrag vom 16.09.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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