Der wilde Schlag meines Herzens - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Poryes 2017 Happy End Regina Schmeken. Blutiger Boden
Aviva-Berlin > Kultur
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in größerer Schrift!

TIPP: über den Zurück-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 21.09.2005

Der wilde Schlag meines Herzens
Karin Effing

Ein junger Mann sucht seinen Weg. Romain Duris glänzt in der Rolle des Tom, der zwischen seinem Leben als Immobiliengangster und Pianist pendelt. Beeindruckend realisierter Film.



Tom verdient seinen Lebensunterhalt als Gauner im Immobiliengeschäft. Er setzt Ratten aus und vertreibt unliebsame MieterInnen. Darin folgt er ganz seinem schmierigen Vater in dessen Fußstapfen als Immobilienhai er treten soll. Letzterer trägt als Reminiszenz an die filmische Vorlage des Films "Finger - zärtlich und brutal" von James Toback, durchweg ein gelbes Jackett. Die Farbe desselben vereint sich auf abstoßende Weise mit der seiner Haare, eine fetttriefende Haarpracht undefinierbarer Tönung auf dem Kopf des Erzeugers, der von seinem Nachwuchs Unterstützung bei seinen Machenschaften einfordert.
Sie treffen sich in Bars und trinken, Elternteil und Kind sozusagen, die eher eine mafiose Männerbündelei verbindet als familiäre Zugewandtheit.

Vor dieser tristen Familienidylle, die sich im Laufe des Filmes vor unserem Auge entwickelt, muss es aber eine andere, bessere Zeit gegeben haben. Denn Toms Mutter ist eine Pianistin gewesen. Man kann sich den Unterweltvater und die künstlerische Mutter Toms so gar nicht als Paar vorstellen. Die verschiedenen Welten und Lebensweisen der beiden scheinen sich zu sehr zu wiedersprechen.
Der unruhige Tom, immer bewaffnet mit Kopfhörern, die ihn bedröhnen, begegnet in Mr. Fox, dem Konzertagenten der verstorbenen Mutter, diesem anderen Teil seiner Herkunft.
Ob er Fortschritte am Piano mache, möchte der Musikagent von dem Gangster Tom wissen. Er solle doch einfach einen Termin ausmachen und ihm vorspielen.Und Tom beginnt tatsächlich an seinem heimischen Klavier zu üben. Mit Hilfe einer jungen asiatischen Pianistin bereitet er sich auf die große Prüfung seines Lebens vor. Seine Lehrerin spricht kein Wort Französisch. Was aber gar nichts macht, denn sie verstehen sich auch so blendend.
Die beiden Identitäten Toms als Gauner auf der einen Seite und als Musiker auf der anderen Seite vertragen sich natürlich nicht wirklich miteinander. Und noch passt der junge Mann in keine der beiden Rollen hinein. Als Gauner ist er zu sensibel und menschlich, als Pianist dagegen ist seine Nervosität und Ungeduld störend. Seine blutigvernarbte Hand nach einer Schlägerei auf den Klaviertasten neben seiner zarten und kultivierten Meisterin Miao-Lin spricht Bände. Es ist klar, dass er sich entscheiden muss. Er muss sich aus der dunklen Welt des Vaters befreien, um seinen eigenen Weg zu gehen. Und natürlich ist das einfacher gesagt als getan...

Toms Person steht ganz im Zentrum dieses wunderbaren Filmes. Die Kamera taucht ganz in seine Sichtweise ein. Es wurde fast durchgehend in geschlossenen Räumen gedreht, den Räumen Toms. Seine beruflichen Machenschaften finden größtenteils nachts statt, so dass das Licht matt bis dunkel ist. Kleine Lämpchen geben dem Bild oft verschiedene kleine Lichtquellen.
Das ist alles sehr konsequent, genau gezeichnet und überzeugend.

Die anrührensten Szenen sind die Unterrichtsstunden bei Miao-Lin. Fasziniert beobachtet man die beiden Menschen, die keine gemeinsame Sprache sprechen, aber über die Musik zueinanderfinden. Zwei Menschen aus zwei verschiedenen Kulturen. Die zarte Frau steht neben dem Kleinkriminellen und redet auf ihn in der ihm fremden Sprache ein. Da nicht untertitelt, verstehen auch die nicht-vietnamesisch-sprechenden ZuschauerInnen nichts. Man spürt jedoch sehr deutlich, dass man ZeugIn einen besonderen Momentes wird. Das ist wunderschön und unvergesslich. Mao-Lins Wohnung ist außerdem einer der wenigen Orte des Filmes, der in ein angenehmes helles Licht gehüllt ist und damit für eine Alternative oder Hoffnung in Toms Leben steht.

Der Regisseur Jacques Audiard hat mit seinem fünften Spielfilm ein dicht erzähltes Werk vorgelegt, das auf der 55. Berlinale im Wettbewerb gezeigt wurde.
Er habe einen Film über eine Sohn-Vater-Beziehung drehen wollen, teilt Audiard mit. Es gehe um die Entwicklung der Hauptfigur und den Rollentausch zwischen den beiden.
Für die Filmmusik erhielt der Komponist Alexandre Desplat den Silbernen Bären.

AVIVA-Tipp: Außergewöhnlich anrührender und schöner Film, der besonders durch seinen Hauptdarsteller Romain Duris überzeugt, dem man sowohl den hypernervösen Immobilienhai als auch den sensiblen Pianisten gerne abnimmt. Realistisches Kino in meisterhafter Machart.


Der wilde Schlag meines Herzens
(De battre mon coeur s´est arrêté)
Drehbuch: Jacques Audiard und Tonnio Benacquista
Basierend auf "Finger - Zärtllich und brutal" von James Toback
Regie: Jacques Audiard
DarstellerInnen:Romain Duris, Niels Arestrup, Linh-Dam Pham, Aure Atika, Ammanuelle Devos
Kamera:Stéphane Fontaine
Filmmusik: Alexandre Desplat
Schnitt: Juliette Welfing
Frankreich 2005, 107 Minuten
Concorde Filmverleih
Kinostart: 22. September


Kultur Beitrag vom 21.09.2005 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken