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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 09.12.2005

Winterkinder – Die schweigende Generation
Karin Effing

Jens Schanze forscht in seiner eigenen Familie nach der Nazi-Vergangenheit seines Großvaters mütterlicherseits. Persönlicher Film über das Schweigen in deutschen Familien. Berührend und Bereichernd.



Jahrzehntelang wurde die Begeisterung des Großvaters für den Nationalsozialismus in der Familie des Regisseurs Jens Schanze verdrängt und verschwiegen. Den 1954 verstorbenen Vater seiner Mutter kennt der Regisseur nur aus den verklärenden Erinnerungen der Mutter. Durch ihre Entscheidung, die kritische Beschäftigung mit dem von ihr geliebten Vater zuzulassen, kommt Bewegung in die starren Familienstrukturen. Die Familienmitglieder kommen ins Gespräch und thematisieren ihre Ängste. Das Schweigen über den Großvater prägte offensichtlich die Kindheit der Geschwister des Regisseurs und hinterließ Spuren in ihren Seelen. Ein lautes Schweigen durchdrang ihre gesamte Kindheit und hallt auch in den gegenwärtigen Begegnungen nach.

Jens Schanze konfrontiert seine Mutter mit sanftem Druck, lässt sie nicht ausweichen, wenn sie wieder vor der Auseinandersetzung flüchten will, führt sie jedoch nie vor. Auf ihrem fast undurchdringlichen Gesicht kann man in den berührenden Momenten des Films den emotionalen Konflikt zwischen Liebe zum Vater und Wissen um seine Schuld ablesen. Deutlich wird, dass erst die Trauer über die eigenen Verluste, so der Verlust der Heimat in Schlesien, Kapazitäten freisetzt, sich mit der Schuld des Vaters auseinander zu setzen. Jens Schanze, der Jüngste der Geschwister, befragt auch den zurückhaltenden Vater, sowie seine vier Schwestern.
Sichtbar löst sich die Erstarrung der Familie während der Dreharbeiten. Etwas ist in Fluss geraten und die Beteiligten scheinen gelöster und verbundener.

"Im Nachhinein denke ich, dass es in unserer Familie eine Art Stillschweigeabkommen gab, nicht über die Großeltern in Verbindung mit Nationalsozialismus und Antisemitismus zu sprechen. Meine Eltern haben nichts erzählt, und wir Kinder haben nicht gefragt. Wie sind gar nicht auf die Idee gekommen, zu fragen. Wenn man von Beginn an mit diesem Schweigen und der Vermeidung von Konfrontation aufwächst, dann müssen erst genügend Impulse von außen kommen, damit man merken kann, dass dieses Schweigen nicht normal ist." sinniert Jens Schanze über das Schweigen in seiner Familie.

AVIVA-Tipp: "Winterkinder" von Jens Schanze berührt gerade durch seine persönliche Haltung. Der Alltag der Nachkriegsgenerationen, der durch Schweigen geprägt ist, wird fassbarer. Einige der ZuschauerInnen werden Aspekte ihrer eigenen Familie in diesem feinfühligen und ehrlichen Film wiedererkennen.


Winterkinder
Die schweigende Generation

Regie, Buch, Montage: Jens Schanze
Deutschland 2005, 99 min
Bildgestaltung: Börres Weiffenbach
Mitwirkende: Antonie Schanze, Horst Schanze, Kerstin Schanze, Bärbel Schanze, Annette Schanze, Andrea Schanze, Edith Lehmann, Janina Zalas
FSK: ohne Altersbeschränkung
Verleih: Tiberius Film
Kinostart: 08. Dezember 2005

Der Regisseur Jens Schanze wird seinen Film durch Deutschland begleiten. Termine im Netz unter www.winterkinder-film.de. Dort gibt es auch die Möglichkeit, sich mit ihm per eMail in Verbindung zu setzen.



Kultur Beitrag vom 09.12.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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