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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 03.11.2005

The Call
Karin Effing

Der Handy-Psychothriller des japanischen Kultregisseurs Takashi Miike lehrt auch Unerschrockene das Fürchten. über die Telefonliste wandert der Tod von Opfer zu Opfer. Nervenaufreibend.



"Handy des Grauens" könnte der reißerische Titel des Filmes lauten, der mit einem Uniseminar zum Thema Kindesmissbrauch beginnt und damit das Hintergrundthema einläutet. Unbewältigte Traumata und Geister aus der Vergangenheit bilden wie in den meisten Thrillern die pseudopsychologischen Erklärungen der Horrorszenarien. Verstörend an diesem Film jedoch, dass sie keinen abschließenden Bogen bilden, der es ermöglicht, den Film innerlich abzuschließen. Wie "Ekel" von Roman Polanski reicht "The Call" über das Unterhaltungsgenre hinaus und hinterlässt seine Spuren im Bildrepertoire der Kinobesucherin.

Die College-Studentin Yoko erhält bei einem Abendessen mit FreundInnen einen äußerst merkwürdigen Anruf. Das Display ihres Mobilfunkgerätes zeigt ihr ihre eigene Nummer als Anruferin an. Nicht nur das! Der Anruf stammt aus der Zukunft: die Nachricht von übermorgen enthält ihren eigenen Todesschrei.
Und tatsächlich stürzt sie genau zum Zeitpunkt des Anrufes von einer Eisenbahnbrücke und wird von einem durchfahrenden Zug erfasst.
Damit nimmt das Grauen seinen Lauf, denn der Tod wandert von Handy zu Handy. Die Inhaberin der nächsten Nummer auf der Telefonliste des Opfers erhält den nächsten Anruf. Und tatsächlich hat auch Kenji, in den Yoko verliebt war und dessen Nummer sie abgespeichert hat, eine der merkwürdigen Nachrichten auf seiner Mailbox: "Scheiße, hab ich komplett vergessen" hat ihm seine eigene Stimme hinterlassen. Die Heldin des Filmes, Yumi, ist entsetzt als er ihr davon berichtet. Hilflos und ängstlich stehen die beiden in den oberen Etagen des Colleges. Als eine Kommilitonin Kenji daran erinnert, dass sie beide zusammen lernen wollten, spricht er genau diesen Satz aus: "Scheiße, hab ich komplett vergessen". Was soll er jetzt tun, was wird den Tod bringen, mit welcher Entscheidung kann er ihm vielleicht entgehen? Da öffnet sich die Aufzugstür und der leere Schacht gähnt ihm entgegen. Plötzlich ist ein grauenhaftes Zischen zu hören und der Student stürzt in den Abgrund. Er liegt zerschmettert auf dem Boden, aus seinem Mund rollt ein rotes rundes Bonbon.
Natsumi, die Freundin Yumis, ist die nächste Empfängerin der grauenhaften Anrufe. Bestürzt stellen die Beiden fest, es ist die gleiche Melodie, die auch auf Yokos Todeshandy erklungen ist. Der Anruf ist datiert auf übermorgen, die Uhrzeit: 22 Uhr 39. Unmittelbar erscheint ein Bild auf dem Display: Im Vordergrund Natsumi, undeutlich im Hintergrund ein bleicher Arm, der sich um eine Mauer schlingt. Sofort kündigen die beiden jungen Frauen den Mobilfunkvertrag und löschen alle Daten. Das Gerät selbst werfen sie in eine Box, die schon für diesen Zweck bereit steht, denn schon längst hat die Angst um sich gegriffen.
Ein Reporter schleppt Natsumi in seine Live-Sendung. Dort soll ihr ein Geisteraustreiber helfen. Es kommt jedoch genau zur vorausgesagten Zeit zum grauenhaften und natürlich tödlichen Showdown.
Yumi findet in Hiroshi, dessen Schwester ebenfalls nach einem unheimlichen Anruf getötet wurde, einen Gefährten im Kampf gegen das Grauen. Die Polizei glaubt nicht an Anrufe aus dem Jenseits oder moderne Gespenster, so dass sich die beiden allein auf den Weg machen, das Rätsel zu lösen…

"Ich will nicht überheblich klingen, aber bei dieser Film ist wirklich gruselig. Er hat mich schon in Schrecken versetzt, als ich ihn machte, also muss da wirklich was dran sein." bekennt Takashi Miike. Der Regisseur wurde 2003 beim Filmfestival in Cannes mit einer Retrospektive seines Werkes geehrt.

AVIVA-Tipp:Auch hart gesottene Gemüter werden bei "The Call" von Takashi Miike im Kinosessel nicht nur einmal zusammenzucken. Der meisterhafte Film verstört tief und hinterlässt Spuren. Das Läuten eines Handys erhält eine ganz neue Bedeutung. Wer gerne wissen möchte, wo ihre/seine Nervenbahnen verlaufen, bei diesem Schocker spürt man jede einzelne.

The Call
Chakushin Ari

Englischer Titel: One missed Call
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Minako Daira und Yasushi Akimoto
Romanvorlage: Yasushi Akimoto
Kamera: Hideo Yamamoto
Musik: Koji Endo
DarstellerInnen: Kou Shibasaki, Shinichi Tsutsumi, Kazue Fukiishi, Renji Ishibashi, Goro Kishitani, Anna Nagata, Atsushi Ida, Yutaka Matsushige, Mariko Tsutsui, Marie Mizunuma
Verleih: 3L Filmverleih
Kinostart: 03. November 2005

Weitere Infos im Netz unter www.the-call-der-film.de




Kultur Beitrag vom 03.11.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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