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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 10.02.2003

Schwarze Ikonen der (Kunst-) Revolution
Britta Bodenstein

Die Deutsche Guggenheim Berlin zeigt die Ausstellung Kasimir Malewitsch - Suprematismus neuentdeckte Meisterwerke eines der Begründer der abstrakten Malerei



Von Berlin war Malewitsch begeistert. Er hielt sich hier während der Monate April bis Anfang Juni 1927 auf. "Ich glaube, noch kein Künstler ist so gastfreundlich aufgenommen worden...Zwei Sommermonate, heiß, alles blüht", schrieb er.
Er war hier wegen seiner großen Einzelausstellung, der "Großen Berliner Kunstausstellung" 1927, die seinen Durchbruch als Künstler bedeutete.
Während seines Aufenthaltes besucht er auch das Bauhaus in Dessau.

So erscheint es passend, dass die erste große Ausstellung sich ganz der suprematistischen Phase Malewitschs widmend, in Berlin stattfindet.
Im Rahmen des deutsch-russischen, von Putin unterzeichneten Kulturabkommens und in konsequenter Fortsetzung des "russischen Themas" der Deutschen Guggenheim Berlin, präsentiert diese bahnbrechende Ausstellung mit vielen im Westen noch nie gezeigten Werken neue Facetten des Revolutionärs und Mystikers Malewitsch. Erinnert sei an die Schau "Amazonen der Avantgarde" von 1999.

Ehrgeizig konzeptioniert gelingt ihr überzeugend die herausragende Bedeutung Malewitschs zu untermauern mit zum Teil noch nie im Westen gezeigten Arbeiten, die sowohl seine Bedeutung für die Entwicklung der Kunst-Moderne herausstreichen, als auch ein neues Licht auf die Bandbreite und Tiefe seiner künstlerischen Fähigkeiten werfen.
Was wird gezeigt? Viele Zeichnungen, Gemälde und auch Beispiele der angewandten Kunst (die ihre Affinität zum Bauhaus deutlich machen).

Ein Schwarzes Quadrat auf Weißem Grund.
Damit werden die BesucherInnen schon im Eingangsbereich konfrontiert, es ist das wichtigste, radikale Werk des russischen Avantgardisten Malewitschs. 1915 gemalt und von dem Künstler immer wieder neu interpretiert und variiert.
Ein Schwarzes Quadrat auf Weißem Grund. Nicht mehr. An Zen erinnernde Einfachheit. "Eine Predigt des Nichts und der Zerstörung" kritisierte der russische Symbolist Alexandre Benois.
Aber dieses kühne Konzept ließ Malewitsch (neben Kandinsky und Mondrian) zum Pionier der abstrakten Malerei werden. Es war ein revolutionärer Schritt, der unglaubliche Auswirkungen auf die Kunst des 20. Jahrhunderts hatte.
Malewitsch nannte sein Bild die "Ikone der Neuen Zeit".

1915, zwei Jahre vor der russischen Oktoberrevolution, verfasste Malewitsch sein "Suprematistisches Manifest" und malte sein berühmtes "Schwarzes Quadrat". Beeinflusst wurde er von den italienischen Futuristen sowie durch den von Picasso und Braque geprägten Kubismus - von dem es hieß, er sei in der russischen Avantgarde bekannter als in Frankreich. Danach konnte es keine Malerei mehr wie früher geben, die Grenzen der Konventionen waren gesprengt.

Suprematismus (lat. Überlegenheit) - er erfindet den Begriff um einer geplanten Zeitschrift und der Gruppe von radikalen gleichgesinnten Künstlern einen Namen zu geben , er schafft ein neues ABC der geometrisch inspirierten Formen, (Quadrat, Rechteck, Kreis) die symbolhaft bestimmte Empfindungen, Gefühlszustände ausdrücken sollen.

Black Circle, 1915
Oil on canvas, 79 x 79 cm
Private Collection,
Courtesy Galerie Gmurzynska, Zug

Die reine Form war ihm fast "heilig", Utopie, Versprechen für eine bessere Welt. "Malerei ist nichts als Farbe und Form" schreibt er in seinem suprematistischen Manifest. Und "Der Raum ist mehr als der Himmel"...

Von 1915 gibt es ein anderes Bild, "Suprematistische Komposition mit Ebene in Projektion:", welches einen tiefen Goldton mit schwarz und tiefblauem Akzent gebraucht, typisch für die klassischen, spirituellen Ikonen Russlands.

Malewitsch fiel nach der Revolution in Ungnade, weil er nicht dem sozialistischen Pathos der Arbeiter-und Bauernhelden frönen wollte, er war den Machthabern nicht mehr politisch "korrekt" genug. (Am Ende hat er wieder figürlich gemalt, Porträts mit verrätselten suprematistischen Anspielungen).

Warum sollte frau also hingehen? Das Schaffen des Künstlers wird unter dem Aspekt "Suprematismus" umfassend beleuchtet und zeigt deutlich die Entwicklung, die Sprünge innerhalb dieses Lieblingsstils. Die Arbeitsweise des Künstlers wird illustriert, z. B. anhand von Zeichnungen und Skizzen für das Bühnenbild der mit befreundeten Dichtern konzipierten Oper "Sieg über die Sonne".
Viele Künstler -siehe Bauhaus - waren in der Zeit inspiriert, sich in der angewandten Kunst auszudrücken. Malewitsch war da keine Ausnahme, er schuf ein futuristisches Teeservice, das wie mit dem Messer durchgehauen wirkt:, und zahlreiche Architektone , Architekturmodelle und Zeichnungen.

Die im Guggenheim auf einem weißen Podest präsentierten Modelle lassen mit ihren stilisierten Wolkenkratzerformen heute eher negative Assoziationen aufkommen - damals verkörperte die Strenge, Klarheit der Form den Aufbruch, die Abkehr vom einengenden Korsett der traditionellen "Regeln der Kunst".
Die Schau Kasimir Malewitsch: Suprematismus wurde von Matthew Drutt, Kurator an der Menil Collection konzipiert und ist im Anschluss dort und im Solomon Guggenheim New York zu sehen.
Er betont im Gespräch dass die Ausstellung hier in Berlin neuen Boden betritt und die malerische, spirituelle Seite seines Werkes hervorhebt: "Er war ein eleganter, vollendeter Maler aber kein glatter Perfektionist. Seine Hintergründe sind nicht flach, sie haben Tiefe, der Pinselstrich ist wichtig."
Malewitsch"s neu aufgefundenes Werk "Auflösung einer Ebene" stellt ein schiefes, in den Raum gestelltes rotes Rechteck dar. Die rechte Kante verschwimmt und das ganze Rechteck fällt praktisch aus dem Bild heraus.

Was war Malewitsch für ein Mensch? Drutt antwortet, dass er ein ganz anderer Typ als Kandinsky gewesen sei, und dass die beiden "sich nicht riechen konnten".
"Malewitsch war immer unter seinen Schülern zu finden, mittendrin und auf den Knien - wie Beuys".



Deutsche Guggenheim Berlin
www.deutsche-guggenheim-berlin.de
Kasimir Malewitsch - Suprematismus
18.Jan - 27.April 2003
Unter den Linden 13/15
Fon 030/ 202093 20
Täglich 11-20 Uhr, Do bis 22 Uhr
Montags Eintritt frei
Ausstellungskatalog, Farbe, broschiert 300 Seiten, 35 Euro.

Kultur Beitrag vom 10.02.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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