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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 01.12.2005

Shouf Shouf Habibi - Schau ins Leben
Karin Effing

Ab laviert sich mit seinen Kumpels durch seinen Alltag und träumt von einer Karriere als Hollywood-Darsteller. Albert ter Heerdt inszeniert Freud und Leid von Einwandererfamilien nicht ohne Klischees.



Der zwanzigjährige Abdullah (Mimoun Oaïssa), genannt Ab, hat immer große Pläne, die nur leider allzu oft scheitern. So hat er mit seinen Kumpels einen großen Coup geplant. Auf einen heißen Tipp hin knacken sie mit viel Mühe zusammen einen roten Container, der sich als absolut leer erweist. Ab kontaktiert daraufhin über Handy seinen Informanten, um ihn zur Rede zu stellen. Sie seien am falschen Ort gewesen, teilt dieser ihnen mit. Als sich die Jungs erneut auf den Weg machen, stoßen sie auf unzählige rote Container, womit sich der Tipp als wertlos herausgestellt hat, und der Coup in die Hose gegangen ist. Der richtige Ort, ad absurdum geführt durch die Ununterscheidbarkeit der Objekte, lässt die Jungen ratlos zurück...

Ob als Büroangestellter oder Metzger, als Schauspieler oder Bankräuber, Ab geht jeden seiner Neuanfänge mit vollem Elan an. Seine Über-Identifizierung - er verlässt das Haus in einem Anzug und mit Aktenkoffer, um seinen Job als Wachmann in einem Bürogebäude aufzunehmen - reizt zum Lachen, zeigt jedoch auch seine großen Hoffnungen, eine erfüllende Aufgabe und eine eigenständige Identität zu finden.

Ab ist das Kind einer marokkanischen Einwandererfamilie in den Niederlanden. Seine Eltern leben weiter in den traditionellen Werten der muslimisch geprägten Welt. Die Mutter Khadija (Zohra ´Flifla´ Slimani) ist der Fußabtreter für ihren Ehemann Ali (Salah Eddine Benmoussa). Sie ist eine typische Frau der ersten EinwandererInnen-Generation: ungebildet, mit einem sehr begrenzten Holländisch-Wortschatz und gefesselt an das Haus, mit der einzigen Aufgabe, sich um den Gatten und die Kinder zu kümmern. Sie hat genug von dem Patriarchen, der sich in seine religiöse Gemeinschaft zurückzieht und gleichzeitig die jungen, leicht bekleideten Frauen auf den Plakaten lüstern bewundert. Sie rächt sich, indem sie den Rollstuhl, in dem er sitzt, gegen eines dieser Plakate donnern lässt. Mit der Nase hängt er daraufhin schmerzhaft auf dem Objekt seines Begehrens.
Abs Brüder, der ältere ist Polizist, der jüngere geht noch zur Schule, scheinen ihren Platz in der Schnittmenge der Kulturen gefunden haben. Seine Schwester Leila (Touriya Haoud), eine angehende Modedesignerin, rebelliert zunehmend offener gegen die marokkanische Lebensweise. Zunächst ist ihr Widerstand noch passiv, so weigert sie sich, die Küche zu verlassen, in der sie mit ihrer Mutter sitzt, während der Vater im Wohnzimmer ihre Heiratsbewerber unter die Lupe nimmt. Sie zieht jedoch klar ihre Konsequenzen als ihre Eigenständigkeit und berufliche Entwicklung eingeschränkt werden sollen und verlässt das Elternhaus...
Die Eltern sprechen die Sprache ihrer neuen Heimat nicht, was zu ungeahnten Komplikationen führen kann. Mutter Khadija kennt nur ein niederländisches Wort, was ganz offensichtlich nicht reicht, einen Augentest erfolgreich durchzuführen. Denn die Brille, die sie verschrieben bekommt, verschlechtert ihre Sicht, so dass sie sie abnehmen muss, will sie klar sehen. Kompliziert ist auch die Sache mit der Zeitumstellung, deren Sinn den marokkanischen Jungens einfach nicht einleuchten will.
Das sind witzige und verwirrende Momente des leichten Filmes, der jedoch die Schwierigkeiten nicht verschweigt. Wenn die Gewalt und Unterdrückung überdeutlich werden, gewinnt er seine Leichtigkeit oft dadurch zurück, dass die "Bösen" auf der Stelle bestraft werden. So stürzt der Vater, nachdem er hinter der Tochter hergelaufen ist, um sie zu schlagen, die Treppe hinunter, und befriedigt damit den Gefühlshaushalt der Zuschauerin. An anderen Stellen bleiben die Verletzungen, die die ProtagonistInnen erleben, als solche klar im Raum stehen und erschrecken, was auch angemessen ist.

Der 30-jährige Darsteller des Ab Mimoun Oaïssa initiierte diesen heiteren und hintergründigen Film und assistierte Drehbuchautor und Regisseur Albert ter Heerdt bei der Buchentwicklung und dem DarstellerInnen-Casting. "Shouf Shouf Habibi" ist der erste Spielfilm des Regisseurs, der zuvor als Drehbuchautor zu der 10-teiligen Fernsehserie "TIJD van Leven" (Ladder of Years), die Mitte der 90er Jahre von Regisseur André van Duren verfilmt und ausgestrahlt wurde, in Erscheinung trat. Die Serie beschrieb die Veränderungen in den ländlichen Gegenden der Niederlande zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1985.

AVIVA-Tipp: "Shouf Shouf Habibi" von Albert ter Heerdt ist eine Komödie über marokkanische EinwandererInnenfamilien in den Niederlanden und über den Spagat zwischen den Kulturen. Leider ist der derbe Slapstick-Spaß nicht immer so lustig, wie er sein müsste, um einen wirklich amüsanten Kinobesuch zu garantieren.

Shouf Shouf Habibi - Schau ins Leben
Regie: Albert ter Heerdt
Drehbuch: Albert ter Heerdt, Mimoun Oaïssa
Produzenten: Frank Bak, René Huybrechtse, Joram Willink
Kamera: Steve Walker
DarstellerInnen: Mimoun Oaïssa, Touriya Haoud, Salah Eddine Benmoussa, Zohra ´Flifla´ Slimani, Najob Amhali
Produktion: Niederlande 2004
Filmlänge: 89 Minuten
Verleih: Die Telepaten Filmverleih GmbH
Filmstart: 01.12.2005

Der Film in Netz unter www.ShoufShoufHabibi.nl (Seite befindet sich im Aufbau)



Kultur Beitrag vom 01.12.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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