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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 06.12.2005

Mitten im Malestream
AVIVA-Redaktion

Am 06. Dezember fand die Berliner Premiere von Helke Sanders neuem Dokumentarfilm zur Frauenbewegung unter Anwesenheit der Regisseurin im Babylon statt. Weitere Termine folgen.



Heute weiss kaum mehr jemand, dass die Frauenbewegung 1968 mit dem Anliegen anfing, die Gesellschaften so zu verĂ€ndern, dass Frauen darin Kinder gebĂ€ren können, ohne selber dadurch Nachteile zu haben und ins Abseits zu geraten. Diese AnfĂ€nge waren international und antipatriarchal. Die beginnende neue Frauenbewegung fĂŒhlte sich verbunden mit dem Kampf gegen Ausbeutung und Armut. Die Frauen damals fragten sich: Was eint uns, was trennt uns? In welcher Weise profitieren wir in den westlichen LĂ€ndern von den herrschenden (Ohn)MachtsverhĂ€ltnissen? Wie lĂ€sst sich die Arbeit gegen Ausbeutung mit der Arbeit gegen das Patriarchat verbinden? Was ist Gleichberechtigung, was ist Befreiung?

Das waren Fragen, die politisch beantwortet werden wollten und die schon Anfang der siebziger Jahre zu lĂ€hmenden Krisen fĂŒhrten. Als Alice Schwarzer 1971 die 218 - Kampagne von Frankreich nach Deutschland brachte, nahmen die vielen bestehenden Gruppen dies erleichtert auf, sie gab ein gemeinsames Ziel und befreite wenigstens vorĂŒbergehend von unbeantworteten Fragen. Die Bewegung hatte ungeheuren Zustrom und die vielfĂ€ltige Praxis der beteiligten Frauen verĂ€nderte das Bild der Bundesrepublik und machte sie demokratischer.

Zweierlei blieb allerdings auf der Strecke: Theoretisches Arbeiten bekam etwas AnrĂŒchiges und Frauen mit Kindern gerieten in die Minderheit mitsamt ihren Fragen zur Frauengrundsituation, der GebĂ€rfĂ€higkeit. Die inzwischen durchgesetzte "Pille" machte es möglich, dass sich junge Frauen zum ersten mal in der Geschichte um sich selber kĂŒmmern konnten, sie mussten nicht mehr schwanger werden, sie wurden es auch nicht und so gerieten MĂŒtterpolitik, Kinderpolitik, GebĂ€rstreik, die Auseinandersetzung mit den christlichen Kirchen und das Nachdenken ĂŒber neue stabile Lebensformen fĂŒr Kinder und Erwachsene trotz weniger monogamer SexualitĂ€t ins Abseits. Dieser Mangel oder auch: diese RealitĂ€tsferne trieb auch Frauen aus der Bewegung wieder hinaus. Manche gingen in die etablierten, andere in die neu entstehenden Parteien, in kleine selbstĂ€ndig arbeitende Gruppen oder auch in die RAF. Diese Flucht aus der Bewegung heraus bei gleichzeitigem dauernden Zulauf zu ihr blieb aber den meisten Beteiligten und besonders der Öffentlichkeit verborgen. Die daraus entstehenden Konflikte kamen nur noch in AbstĂ€nden und in vereinzelten AusbrĂŒchen an die OberflĂ€che.
Über einige dieser Konflikte erzĂ€hlt der Film.
H.S.

Termine:
06.12. um 20:00 Uhr Babylon Mitte, in Anwesenheit von Helke Sander
08.12. um 18:00 Uhr Babylon Mitte
12.12. um 18:00 Babylon Mitte
ab 08.12. Lichtblick-Kino, am 11.12. um 20:00 Uhr in Anwesenheit von Helke Sander

Helke Sander im Netz unter www.helke-sander.de

Kultur Beitrag vom 06.12.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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