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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.06.2006

19 - Japanisches Roadmovie
Karin Effing

Kazushi Watanabe entwickelt für die Geschichte des Studenten Usami, der durch drei Jugendliche entführt und zu einem Ausflug ans Meer gezwungen wird, eine eindrückliche wie knappe Filmsprache. Kult





- Wie sehe ich aus?
- Normal.
- Was ist das: normal?
- Das fragst du mich?
- Stimmt.
- Traurig, das von dir zu hören.
- Wir... ich denke, wir...
- Wir brauchen dich nicht.



Alles beginnt mit einem Auto, das den Studenten Usami auf seinem Weg stoppt. Die drei Insassen zwingen ihn, einzusteigen und sie ans Meer zu begleiten. Eine eigenartige Fahrt beginnt, die auf irritierende Weise einem Ausflug mit Supermarkteinkauf, Zoobesuch, Schnappschüssen und Gaststättenbesuch ähnelt.
Kaum merkbar und vor allem unausgesprochen verwandelt sich die Situation. Anfangs eine Entführung, gegen die Usami noch Wiederstand leistet, scheint sich das Opfer, vielleicht auch resignativ, an die die neue Lage zu gewöhnen. Die Konstellationen der Beziehungen der jungen Männer untereinander verschieben sich. Am Meer angekommen, ändert sich alles und die Welt, die die drei Entführer entwickelt entworfen haben, gerät aus den Fugen.

Die Entführung eines Bekannten war für Kazushi Watanabe der Auslöser zu diesem wagemutigen und gefeierten Filmprojekt. Ihn interessierte die Realität außerhalb der Gesellschaft, die die Entführer mit ihrem Opfer schufen. Nach welchen Regeln funktioniert diese Realität? Und welche Macht hat diese auf diejenigen, die freiwillig oder auch unfreiwillig in ihr verweilen?

Schon 1996, im Alter von 19 Jahren, verarbeitete Kazushi Watanabe den Stoff zu einem 8mm-Kurzfilm19, der auf dem renommierten StudentInnenfestival PIA ausgezeichnet wurde.
Für den gleichnamigen Spielfilm behielt Watanabe dann die Grundkonstellation der Geschichte bei. Er feilte die Figurenzeichnung noch weiter aus und gab den Szenen mit dem Entführungsoper eine stärkere Gewichtung.

"Natürlich habe ich die Charaktere der tatsächlichen Beteiligten, von denen mein Bekannter erzählte, stark verändert. In Wirklichkeit waren sie keineswegs so "naiv" wie im Film. Aber einige Ereignisse geben ganz genau wieder, was damals passiert ist, die Dialoge während der Autofahrt beispielsweise. Oder die Episode beim Abschied, als die Entführer ihrem Opfer die Ein-Dollar-Note geben.
Das ist wirklich geschehen - und ich kann keinen Grund dafür finden, warum jemand so etwas tun sollte. Weil die Geste so rätselhaft ist, behielt ich sie im Film - ohne allerdings ihre Bedeutung analysieren oder der Szene meine Meinung aufzwingen zu wollen.
" gibt der Regisseur Kazushi Watanabe Auskunft. "Für Usami ist die gesamte Situation der Entführung ein schreckliches Erlebnis, aber für die drei Jungs ist das ganz normal. Diesen Unterschied, diesen Kontrast fand ich interessant."

19 gewann den Special Prize in Seoul 2001 und wurde in Sarajevo 2001 mit einer Honorable Mention geehrt.

AVIVA-Tipp: 19 von Kazushi Watanabe ist weit mehr ein Film über eine Entführung. Der junge japanische Regisseur übt durch seine Bilder einen eigenartigen Sog auf die ZuschauerInnen aus. Die so noch nicht gesehenen Aufnahmen, das Material wurde stark nachbearbeitet, bleiben im Gedächtnis haften. Filmerlebnis der besonderen und bereichernden Art.

Der Film im Netz unter www.19-der-film.de

19
Japan 2001, 82 min
Booklet, 12 min. Bonusmaterial/Interview mit Kazushi Watanabe
Sprache: japanisch, mit deutschen, englischen u. französischen Untertiteln
Buch und Regie: Kazushi Watanabe
Kamera: Masakazu Oka
DartstellerInnen: Kazushi Watanabe, Dajiro Kawaoka, Takao Noro, Ryo Shinmo Licht: Hideaki Yamaka
Produzenten: Katsuaki Takemoto, Tsutomu Kuno
Sound: Kouyo Sato.
Musik: Knockers Records, Guitar performed by Octabeer
Good!movies, Piffl Medien
EAN: 4015698787986
FSK: 12 Jahre
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Kultur Beitrag vom 08.06.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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