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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 05.08.2005

Öffne meine Augen - Te doy mis ojos
Karin Effing

Warum bleibt eine Frau bei einem Mann, der sie misshandelt? Und was geht in einem Mann vor, der die Frau, die er vorgibt zu lieben, schlägt? Der Film lotet diese Fragen überzeugend aus.



Pilar verlässt fluchtartig mit ihrem kleinen Sohn die Wohnung. Jahrelang hat sie die Gewaltausbrüche ihres Mannes über sich ergehen lassen, endlich flüchtet sie zu ihrer Schwester Ana, die mit ihrem schottischen Freund zusammenwohnt.
Pilar schluchzt nur und deutet auf die Hausschuhe, die sie noch an hat, unfähig, mitzuteilen, was passiert ist.
Ana, die als Restauratorin in der Kathedrale von Toledo arbeitet, unterstützt sie, verhilft ihr zu einem Job als Verkäuferin im Souvenirladen. Die neuen Erfahrungen stärken Pilars Selbstbewusstein und Schritt für Schritt probiert sie aus, wer sie ist oder sein könnte.

In der Begegnung mit der Malerei El Grecos, der von 1577 bis zu seinem Tod 1614 in Toledo arbeitete, begegnet der ZuschauerIn eine neue Pilar. Verletzlich und vorsichtig entdeckt sie ihre Wünsche, ihre Träume und ihr Begehren.
Währenddessen hat Antonio eine Therapie begonnen. Er möchte seine Frau zurückhaben, um eine ganz "normale" Beziehung zu führen, ohne erklären zu können, was er sich darunter eigentlich vorstellt.
Langsam nähern sich die Eheleute wieder an, bis Pilar zurück in die gemeinsame Wohnung zieht.
Der Alltag der beiden ist jedoch immer noch durch die alte schädlichen Strukturen bestimmt. Antonio hat sich gebessert, aber was heißt das schon, wenn man bedenkt, dass er Pilar vorher krankenhausreif geschlagen hat.

Der spanische Titel "Te doy mis ojos" bedeutet: "ich gebe dir meine Augen" und zitiert damit Pilar, die als Liebeserklärung Antonio ihre einzelnen Körperteile schenkt und verweist damit schon auf die symbiotische Verschmelzung der Beiden. Antonio schenkt ihr zynischerweise seine Hände.
"Ich muss mich selbst sehen", sagt Pilar zu Ana gegen Ende des Films, nachdem sie sich endlich zu einer endgültigen Trennung durchgerungen hat "ich kann mich nicht mehr sehen". Sie hat nicht nur ihre Augen, sondern auch ihre eigene Sichtweise der Dinge verschenkt.
Auch Antonio hat die eigene Wahrnehmung verloren bzw. erst gar nicht erlernt. Er soll in der Therapie lernen, sich und seine Partnerin als freie Personen anzuerkennen, die durch Liebe und Vertrauen verbunden sind und nicht durch Kontrolle.
Er jedoch möchte alles über sie wissen. Wenn er sie auf der Arbeit nicht per Handy erreicht, ist das einer der Auslöser für seine Wut. Dann malt er sich aus, dass sie einen anderen Mann trifft und er sie verlieren wird.

Der Regisseurin Iciar Bollain ist mit ihrem dritten Spielfilm eine überzeugende Annäherung an das schwierige Thema häusliche Gewalt gelungen. Bei der Verleihung des Spanischen Filmpreises wurde sie mit sieben Goyas für diesen überzeugenden Film geehrt.
Sie geht dabei auf die verschiedenen Figuren und deren Lebensumstände ein, nimmt sowohl das Paar als auch die Familie des Opfers in Visier. Den Täter begleitet sie zu seiner Gruppentherapie und den Gesprächen mit seinem Therapeuten. Dadurch ergeben sich neue Sichtweisen auf das Thema und zeigen es in seiner Komplexität. Die Gespräche der Männer über die Gründe für ihre Gewalttätigkeit sind aufschlussreich und erschreckend. Dabei verkommen sie jedoch nie zu schlagenden Monstern, was eine große Stärke des Filmes ist.

Die schöne Stadt Toledo als Hintergrund und die Beschäftigung Pilars mit den bewegenden Gemälden El Grecos bieten einen Ausgleich zur Schwere des Themas.
Ein erhellender und bereichender Film über häusliche Gewalt und damit auch Gewalt an sich.



Öffne meine Augen (Te doy mis ojos)

Regie: Iciar Bollain
Buch: Iciar Bollain, Alicia Luna
DarstellerInnen: Laia Murull, Luis Tosar, Candela Peña, Rosa María Sardá
Kinostart am 04. August 2005
Verleih: Timebandits Films GmbH

Kultur Beitrag vom 05.08.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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