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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 13.05.2003

Ohne Dunkelheit kein Licht
Kirsten Eisenberg

In "Maboroshi - Licht der Illusion" beschreibt Jungregisseur Hirokazu Kore-eda in melancholisch-schönen Bildern den Weg aus dem Schatten der Trauer



Der japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda, geboren 1962 in Tokyo, wurde durch seine Fernsehdokumentationen bekannt. Kore-edas Themen bewegen sich oft an den Abgründen des menschlichen Daseins: Nach Aids und Gedächtnisverlust beschäftigt er sich in "Maboroshi" mit Suizid und Trauer. Seine Sensibilität brachte ihm mehrere Preise, unter anderem den "besten Erstling Venedig 1995" und den "Golden Award Chicago".

Die Bewegungen fließen, die Worte, die fallen, sind mit Bedacht gewählt und bergen beruhigende Botschaften voller Weisheit. "Maboroshi - Licht der Illusion" ist ein unaufdringlich-leiser Film, der durch seine ruhigen Einstellungen, seine dezente musikalische Begleitung (Cheng Ming Chang) und seine wenigen, dafür tiefgründigen Dialoge, in seinen Bann zieht.

Es braucht keine verklärten Blicke oder kitschigen Phrasen, um zu erkennen, dass Yumiko (Makiko Esumi) und Ikuo (Tadanobu Asano) einfach glücklich miteinander sind. Lachend fahren sie gemeinsam auf dem grünen Fahrrad, witzeln über den tauben Nachbarn, der immer viel zu laut Radio hört und freuen sich über ihren drei Monate alten Sohn.
Nichts scheint den harmonischen Fluss dieser jungen Liebe stören zu können - bis eines Nachts ein Polizist die grausame Nachricht überbringt: Ikuo hat seinem Leben ein Ende gesetzt, sich vor einen Zug geworfen. Alles, was Yumiko von ihm bleibt, ist ein kleines Glöckchen und ein Fahrradschlüssel...

Pragmatisch nehmen Freunde und Verwandte die Dinge in die Hand, um dem Leben der jungen Frau einen neuen Sinn zu geben. Die fügt sich und akzeptiert still den für sie ausgesuchten, neuen Ehemann aus dem fernen Fischerdorf. Der Witwer Tamio (Takashi Naito), ist ein freundlicher Mann und die Dorfbewohner nehmen die junge Frau bereitwillig an. Aus dem Dunkel der Trauer werden kleine Schritte in eine neue Zukunft unternommen. Nur manchmal erkennt man unter Yumikos unbewegten Gesichtszügen den inneren Kampf zwischen Licht und Schatten.

Ein Kinderspiel? Was ihr Sohn und seine Tochter, die schon bald Freunde sind und zusammen durch dick und dünn gehen, vormachen, scheinen auch die Erwachsenen langsam zu erreichen: Vertrauen, ein erstes gemeinsames Lachen über die obligatorischen Besuche bei den Nachbarn im Dorf, Freundschaft und schließlich so etwas wie zaghafte Liebe. Doch dann kehrt Yumiko bei einem Besuch an den Ort ihres früheren Lebens und Glücks zurück...

Maboroshi - ein unbekanntes, in die Irre führendes Licht ist es, das jedem aufleuchten kann. Auch die Geschichte, die der Film erzählt, könnte jedem wiederfahren: Ein geliebter Mensch verunglückt, zurück bleibt die bohrende Frage nach dem Warum. Der Film zeigt, wie schmerzhafte Trauer uns immer auch ein Stück wachsen lässt und uns ein neues, bewussteres Leben schenkt.

Durch Farben und Einstellungen vermittelt der Film seine Botschaft von Licht und Schatten. Ausdrucksstark heben sich weiße Gesichter von den schlichten, schwarzen oder dunkelblauen Kleidern der Menschen ab, und kontrastreich folgt einer sekundenlangen schwarzen Leinwand die Aufnahme einer farbenfrohe Landschaft.

Winzig wirken die Menschen gegen die gewaltige, beeindruckende Natur, gegen die Beständigkeit des Meeres und die japanischen Berggipfel.
Wenn zwei kleine dunkle Silhouetten sich vor einem violett-leuchtenden Himmel langsam aufeinander zu bewegen bekommt die Zuschauerin plötzlich Lust, einfach tief durchzuatmen, sich umzusehen und zu sagen "Die Welt und das Leben darin sind wunderschön!"

Und bei aller Stille, Melancholie und Traurigkeit im Film merken wir, dass selbst im tiefsten Dunkel noch Platz für ein Lachen und Heiterkeit sind.
Der abschließende Satz verdeutlicht , was Kore-eda mit seinem Film wohl ausdrücken wollte: "Es wird wärmer", sagt Yumiko - auf jeden Winter folgt ein neuer Frühling.



Maboroshi - Licht der Illusion
Regie: Hirokazu Kore-eda
Japan, 1995, 110 Minuten
mit Makiko Esumi, Takashi Naito, Tadanobu Asano
Verleih: Peripher - Filmverleih
Start: 15.05.2003

Kultur Beitrag vom 13.05.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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