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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 03.11.2005

Unser Amerika - Regie: Kristina Konrad
Maren Westensee

Vor 25 Jahren erlebte Nicaragua eine Revolution. Diktator Samoza wurde verjagt, und die Sandinisten übernahmen die Regierung. Doch wie sieht das Land heute aus?



Entspricht es den Erwartungen der Menschen, die damals für eine bessere Zukunft kämpften? Anhand eines schwarz-weiß Fotos zweier junger Frauen aus dem revolutionären Nicaragua macht sich Regisseurin Kristina Konrad auf die Suche nach den beiden - und nach dem Land, mit seinen Hoffnungen auf Verbesserung der Lebenssituation.

Die Vision, den Kindern ein sozial gerechtes Land zu hinterlassen, moralisierte vor 25 Jahren viele junge Frauen, für die Revolution zu kämpfen. Die Regisseurin war zu jener Zeit für ein Filmprojekt im Land und wurde mit dem Umbruch konfrontiert. Es war eine Zeit der Hoffnung, in der zu kämpfen notwendig und erfolgversprechend schien. Auch die beiden jungen Frauen auf dem Foto, Ana Cecilia Rojas, und Magaly Cabrera, verteidigten die 1979 gewonnene Revolution im von den USA finanzierten Contras-Krieg. Um sich Mut zu machen und sich zu trösten, zitierten sie Gedichte des Nicaraguaners Rubén Daríos (1867-1916). Der Dichter benutzte die Sprache der Invasoren, Spanisch, um die Seele seines Landes zu beschreiben.

Kristina Konrad spürt die beiden Frauen auf und spricht mit ihnen. Nach der gemeinsamen Zeit im freiwilligen Frauenbataillon haben sie sich nie wieder gesehen. Heute, im neoliberalen Nicaragua, arbeitet Magaly als Anwältin und lebt mit Mutter, Schwester, Bruder und 2 Söhnen zusammen. Obwohl sie noch immer überzeugte Sandinistin ist, hatte sie ihren Kindern kaum etwas über die Revolution erzählt. Auf deren Notwendigkeit angesprochen, zeigen die Söhne Unverständnis. Krieg bedeutet schließlich immer auch Tod. Doch die Befreiung von der Diktatur Somozas wäre auf dem friedlichen Weg der Wahl nicht möglich gewesen, da die Wahlen stets vom Diktator manipuliert wurden. Eine Aufzählung der Unternehmen und Fabriken, die in der Hand Somozas lagen, verdeutlicht seine Machtposition in Nicaragua.

Ana Cecilia lebt mit 4 Kindern und Mann zusammen und verkauft Kosmetik. Die Regisseurin bringt Magaly zu ihr, und beide erinnern sich gemeinsam. Hat sich ihr Leben wirklich zum Besseren verändert? Nach der Revolution fehlten die ausländischen Investoren. 1984 hatten die Sandinisten bei der Wahl noch mit großer Mehrheit gewonnen, 1990 dagegen gewann das antisandinistisches Bündis aus 14 Parteien, UNO. Dessen Wahlkampf war mit 9 Millionen von den USA gefördert worden. Frau Chamorro wurde neue Präsidentin Nicaraguas. Der Handel stieg zwar, aber eine Verbesserung der Situation entstand nur für die gehobene und die Mittelschicht. 75 % der NicaraguanerInnen leben heute in Armut, und die Analphabetenrate erhöht sich drastisch.

Kristina Konrad spricht auch mit anderen, größtenteils SandinistInnen. All die Opfer, all die Toten sollen nicht umsonst gewesen sein. Die Revolution hat zwar die Diktatur beendet, aber das Land nicht dahingebracht, wo es die Sandinisten haben wollten. "...aber es war der Moment, dies zu leben, und wer es nicht gelebt hat, hat es verpasst", heißt es im Film dazu. Wenn Gilles Deleuze vom Revolutionär-Werden des Menschen spricht, trennt er das Ergebnis der Revolutionen in der Geschichte von der Veränderung der Personen. Auch die Regisseurin möchte mit dem Film eher die Hoffnung der Menschen auf ein würdiges Leben verdeutlichen, denn die Revolution dokumentieren.

AVIVA-Tipp: Das Heute und Gestern stehen sich in diesem Film drastisch gegenüber. Hier ein ärmliches Dritte-Welt-Land, das im Alttag angekommen ist, dort schwarz-weißer Aufruhr, junge Frauen im Krieg, aber voller Energie, voller Hoffnung. Dazwischen werden Rubén Daríos Texte zitiert - heute wie gestern. Eine interessante Dokumentation des revolutionären Wandels eines Landes, der die geschichtlichen Daten nur am Rande unterbringt. Der Schwerpunkt liegt auf den Frauen, ihrem Leben und ihren Hoffnungen.

Unser Amerika
Dokumentarfilm

Regisseurin: Kristina Konrad
Kinostart: 03.11.2005
84 min, Schweiz / Deutschland 2005
Neue Visionen Filmverleih

Kultur Beitrag vom 03.11.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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