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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 02.02.2006

Die Boxerin
Tatjana Zilg

Der Alltag in der brandenburgischen Provinz ist für Joe von Perspektivlosigkeit geprägt. Von der Verwirklichung des Lebenstraums ihres verstorbenen Vaters erhofft sie einen Ausweg: Sie möchte boxen!



Die neunzehnjährige Joe (Katharina Wackernagel) lebt mit ihrer Mutter (Manon Straché) und ihrer jüngeren Schwester Kathrin (Karoline Teska) in einem kleinen Haus in der Nähe von Eberswalde. Seit der Vater bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist, kommt keiner in der Familie mehr mit dem Leben klar.

Die Mutter verbessert ihr Arbeitslosengeld mit einer Putztätigkeit in einem kleinen Lebensmittelladen. Mit dem verheirateten Besitzer hat sie eine stark sexuell geprägte Affäre, die sie braucht, um ihr angeschlagenes Selbstwertgefühl im Gleichgewicht zu halten. Gelingt dies nicht, trinkt sie übermäßig. Von ihrer Tochter Joe erwartet sie einerseits materielle und emotionale Unterstützung, stößt sie aber immer wieder verbal und auch physisch von sich. Joe zieht sich deshalb am liebsten in den Schuppen zurück, wo sie am Sandsack ihre Wut und Kraft auslässt. Sie hat keine richtige Arbeit, sondern muss sich von Job zu Job kämpfen, meist monotone Tätigkeiten, wo sie von Vorgesetzen und Kundinnen herablassend behandelt wird.

Aufgrund der sozialen Randposition der Familie und ihres burschikosen Auftretens wird sie bei den gleichaltrigen Mädchen im Dorf immer unbeliebter.Die perfekt gestylte Mandy (Teresa Weißbach) sagt ihr im Cafe Corso direkt ins Gesicht, dass sie mit ihr nichts zu tun haben möchte.

Joe freut sich enorm, als sie bei einem Discobesuch plötzlich ihre Kindheitsfreundin Stella (Fanny Staffa), wiedertrifft, die sie seit sieben Jahren nicht mehr gesehen hat. Die temperamentvolle Stella ist eines Tages nach Berlin gezogen, ohne sich groß zu verabschieden. Nun hat sich ihr Vater (Winfried Glatzeder) beide Beine gebrochen und sie aufgefordert, ihn zu pflegen, da sie in Berlin ohnehin keine feste Arbeit habe.

Die beiden Freundinnen verstehen sich sofort wieder sehr gut und die Wahlgroßstädterin kann Joe motivieren, sich etwas weiblicher zu kleiden und zu schminken. Auch über ihre widersprüchlichen Gefühle zur Sexualität kann sie mit der weitaus erfahreneren Freundin reden. Nachdem sie sich über ihre Gedanken zu lesbischer Identität ausgetauscht haben, werden sie während eines Ausflug zu einem See sogar sehr zärtlich zueinander, wobei Stella dies aber sehr plötzlich wieder abbricht.

Für Joe laufen die Dinge dennoch auf einmal viel besser: Sie gewinnt gemeinsam mit Stella einen Karaoke -Wettbewerb in der Disco und die Aufmerksamkeit von dem charmanten Automechaniker Mario (David Striesow), der bislang mit Mandy liiert war. Nach kurzer Zeit zieht sie bei ihm ein.

Einige Tage vorher konnte sie Igor (Martin Brambach), den Trainer des lokalen Boxclubs, überreden, sie in das Trainingsprogramm aufzunehmen, obwohl es eigentlich nur für männliche Teilnehmer ist. Aber sie kann ihr kurzzeitiges Glück nicht festhalten: Nach kurzer Zeit hat sie sich mit den Jungs des Boxclubs so verworfen, dass Igor einen Rückzieher macht und sie dort nicht mehr trainieren möchte.
Auch mit Mario kommt sie auf Dauer nicht zurecht, da beide nicht in der Lage sind, ihre Gefühle füreinander verständlich zu machen. Als selbst Stella sich distanziert, ist Joe gezwungen, sich mit ihren inneren Widersprüchen auseinander zusetzen, wodurch es ihrem Umfeld wieder leichter wird, auf sie zuzugehen.

Mit neuer Disziplin und Energie kann sie im Boxclub weitertrainieren und kommt ihrem Ziel, Profi-Boxerin zu werden, Schritt für Schritt näher.

"Die Boxerin" (beim Filmfest Oldenburg bereits mit dem German Independence Award - Bester Deutscher Film ausgezeichnet) ist der DFFB-Abschlussfilm von Regisseurin Catharina Deus. Gemeinsam mit der Autorin Martina Klein gelang ihr ein anspruchsvolles und sehr professionell umgesetztes Projekt, für das sie dank des aktuellen Inhaltes und der spannenden Storyline ein erfahrenes Team an SchauspielerInnen gewinnen konnte.

AVIVA-Tipp: Ein Film nicht nur über Boxen (wie der Titel vermuten lässt), sondern auch eine sensible Erzählung über den schwierigen Weg einer jungen Frau. Die trotz schlechter Ausgangslage und etlichen Hindernissen, zu ihren Zielen steht, sich für sie einsetzt. Gleichzeitig auch tragfähige Beziehungen mit den Menschen, die ihr wichtig sind, aufbaut. Dass dies bei den Startbedingungen, die Joe hat, durchaus ein Kampf sein kann und muss, wird durch die sorgfältige Milieustudie deutlich. Zudem ein sehr unterhaltsamer und kurzweiliger Film über Freundschaft, erstes Verliebt-Sein und Lebensträume.

Lesen Sie auch unser Interview mit der Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel.



Die Boxerin

Deutschland 2005, 105 Minuten
Regie: Catharina Deus
Buch: Martina Klein
DarstellerInnen: Katharina Wackernagel, Fanny Staffa, Manon Straché, Devid Striesow, Martin Brambach
Verleih: Stardust
Kinostart: in Berlin 02.02.2006, deutschlandweit 09.02.2006
www.stardust-filmverleih.de

Kultur Beitrag vom 02.02.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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