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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 15.06.2006

Besonderer Musikfilm
Karin Effing

Mit "Klang der Ewigkeit" setzt Bastian Clevé seinen seit 25 Jahren gehegten Wunsch, die h-moll-Messe Johann Sebastian Bachs visuell umzusetzen, in die Tat um.



Die h-moll-Messe gilt als opus magnum Johann Sebastian Bachs. Sie stellt seine einzige vollständige Messen-Komposition dar. Von 1733 bis 1749 arbeitete er immer wieder an diesem Werk, das von vielen MusikliebhaberInnen als eines der größten musikalischen Arbeiten überhaupt angesehen wird. Wie vom Donner gerührt sei er gewesen, sagt Bastian Clevé als er die Messe zum ersten Mal hörte.

Mit Klang der Ewigkeit möchte Clevé die ZuschauerInnen und HörerInnen zur Meditation und Reflexion anregen. Der Kinobesuch soll zu einem tief beeindruckenden Erlebnis werden, möglichst mit Tiefen- und Nachwirkung. 27 eigenständige Kurzfilme orientieren sich an der 27-teiligen musikalischen Struktur der Messe.

Die Filme versuchen die menschliche Existenz in der Gegenwart und in der Ewigkeit zu erfassen. Der Zyklus des einzelnen Lebens und der gesamte Menschheit soll symbolisiert werden. Johann Sebastian Bachs Leben ist da (leider) nicht ausgeschlossen. So zeigt denn auch der erste Kurzfilm eine rasante Fahrt aus dem All in ein Gemach, in dem gerade ein Kind geboren wird. Innenansichten barocker Kirchen, Pilgerschaften durch die Wüste, die Weltkriege, Hunger, Hochzeit und Tod sind Inhalte der Kurzfilme.

Sicherlich hat jeder Mensch seine ganz eigenen Bildwelten beim Hören von Musik, was das cineastische Unterfangen Clevés nicht vereinfacht. Trotzdem muss sagen, dass einige der Kurzfilme einfach ärgerlich sind. Über die Kirchenheft-Ästhetik kann man sich noch streiten, die Anhäufung von abgeschmackten Bildern ist jedoch fast schon erschreckend und mag zur einfach großartigen Musik nicht passen.
Da tanzt ein junges weißes Paar auf seiner Hochzeit. Die blonde langhaarige Frau schwebt in ihrem weißen Kleid über das Parkett eines Etablissements, das den Wohlstand ihres Milieus erkennen lässt. Ein sterbender Bach (unter einer weißen Perücke) am Ende des Filmes, dem die Tinte von den Notenblättern in den Himmel und ins universelle All steigt, gibt dem Projekt den krönenden Abschluss.
Eigentlich schade.

Der Regisseur:
Bastian Clevé
ist seit 1991 Professor an der Filmakademie Baden-Württemberg, wo er die Studienrichtung "Produktion" inhaltlich und organisatorisch aufbaute. Seine letzte Kinofilm-Produktion So weit die Füsse tragen (2001) gehört zu den aufwendigsten deutschen Kinofilmproduktion der vergangenen Jahrzehnte und wurde ein weltweiter Erfolg.
Darüber hinaus arbeitet Bastian Clevé seit Beginn seiner Karriere als Buch- und Magazinautor und Dozent im In- und Ausland.

AVIVA-Tipp: Klang der Ewigkeit in der Regie von Bastian Clevé ist ein zwiespältiger Film. Johann Sebastian Bachs h-moll-Messe in die Kinosäle zu bringen ist ein viel versprechendes und ehrgeiziges Unterfangen. Die Bilderwelten, die Clevé zur Musik entwirft, sind leider plump und voller Klischees.

Der Film im Netz unter www.klangderewigkeit.de



Klang der Ewigkeit

Deutschland 2005, 111 min.
Regie: Bastian Clevé
Kamera: Ch. Weber
DarstellerInnen: Axel Ganz, Barbara Stoll, Irene Kugler, Isabel Braun, Mateo Hartmann
Musik: Johann Sebastian Bach, eingespielt von der Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttgart unter der Leitung von Helmuth Rilling
Verleih: Kinostar
FSK: ohen Altersbeschränkung
Filmbewertungsstelle: Ausgezeichnet mit dem Prädikat "wertvoll"
Kinostart: 15. Juni 2006

Kultur Beitrag vom 15.06.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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