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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 30.07.2006

Battle in Heaven - Batalla en el Cielo
Kirsten Böttcher

Carlos Reygadas skandalträchtiger Wettbewerbsbeitrag der letzten Filmfestspiele von Cannes sucht Bilder für die Mysterien unseres Daseins



In den Interviews, die der mexikanische Regisseur Carlos Reygadas bei den Filmfestspielen in Cannes 2005 gegeben hat, fällt oft der Begriff "Geheimnis":
Es ginge ihm um das Mysterium unseres Daseins, um das Geheimnis des Todes, das Rätsel um unser Bewusstsein. Und eigentlich sollte man gar nicht über seine eigenen Filme sprechen, findet der frühere Völkerrechtler Reygadas. So bleibt auch seine Filmsprache subjektives Rätsel. Der skandalumwitterte Wettbewerbsbeitrag "Battle in Heaven" trägt ungemein zur Erhaltung dieser mystischen Aura um Sinn und Unsinn unserer Existenz sowie dessen Darstellung bei.

Schuld und Sühne in Mexico City

Marcos (Marcos Hernández) arbeitet bereits seit 15 Jahren als Chauffeur der hübsch reichen (und reichlich hübschen) Generalstochter Ana (Anapola Mushkadiz) in Mexico City. Eigentlich führt er ein abgesichertes Leben in einem kleinen Haus mit Frau und Sohn. Dennoch haben er und seine Frau ein Baby aus ihrem Bekanntenkreis entführt, das unglücklicherweise daraufhin gestorben ist, so dass sie die Lösegeldsumme nicht mehr erpressen können. Nach dieser gescheiterten Geldbeschaffungsmaßnahme versinkt Marcos immer mehr in sich selbst, erzählt nur der jungen Ana von seinem Verbrechen, seinem Unglück. Sie, die gelangweilt von ihrem behüteten Reichenleben als Prostituierte in einem Nobelbordell arbeitet, rät ihm, sich der Polizei zu stellen. Da sie Marcos so lange kennt und auch mit ihm schläft, glaubt sie, verstehen zu können, was in Marcos vorgeht. In wunderschön langen Einstellungen und Panoramablicken auf Mexico City verabschiedet sich Marcos von dieser Welt und wählt für seinen letzten Weg einen schockierenden Bußgang.

Trieb, Tod und die Frage nach unserer Existenzberechtigung

Reygadas knüpft mit "Battle in Heaven" an seinen ersten Langspielfilm "Japón" (2002) an, in dem es auch um die großen Themen Trieb und Tod ging. In Cannes 2005 fielen angeblich die Reaktionen auf den neuen Film recht ambivalent aus: Bei der Aufführung bekam "Battle in Heaven" Standing Ovations, bei der anschließenden Pressekonferenz hörte man Buhrufe. Der Rummel um Reygadas Film erklärt sich auch durch die expliziten Sexszenen, insbesondere diejenige, die den Film am Anfang und Ende einrahmt: Wir schauen auf eine minutiös gefilmte Fellatioszene zwischen dem schon äußerlich so gegensätzlichen Paar Ana (jung, hübsch, schmal) und Marcos (ältlich, haarig, dick), die sich zum Ende hin als Marcos Traumsequenzen, als Bilder seiner Phantasie offenbaren. Reygadas hat hier jedoch nicht einfach einen Porno gedreht oder Marcos Wünsche visualisiert, sondern stellt durch seine Vorliebe für visuell stilisierte Gegensätze Fragen nach dem wirklichen Kommunikationswert von Sex, nach der Fadenscheinigkeit von (physischer) Intimität. Auch die Sexszenen aus der ehelichen Zweisamkeit, wie die wirklich anti-hollywoodesk dicken Körper von Marcos und seiner Frau zueinander finden und wie diese Körper danach anfangen, zu sprechen, stauchen unsere Beziehungsphantastereien erfrischend authentisch zusammen. Was ist es also wirklich, was zwei Menschen verbindet: Ritual? Trieb? Liebe?

Pathos oder geniale Metaphysik?

Um bei den Sexszenen zu bleiben: hier kann ich mich der Kritikerseite nicht anschließen, die ihm filmisches Pathos vorwerfen, mein Problem liegt bei der Figurenentwicklung, die mir einfach fremd bleibt und der ich ungläubig und im Grunde interesselos folge. Marcos distanziert sich von seiner ihn rührend liebenden Frau, er klammert sich in einer fatalistischen Weise an die junge Ana, die ihm jedoch mit seinem Problem - das tote Baby und die Verfolgung durch die Polizei - letztlich nicht helfen kann. Besonders im letzten Drittel des Films schwelgt Reygadas in manieriert inszenierten Kontrasten zwischen Filmmusik und Bild, zwischen Landschaft und Urbanität, Wunsch und Wirklichkeit, Tod und Schönheit, die vielleicht manche intellektuell sehr reizvoll finden, mich haben diese Bilder erschlagen. Am Ende habe ich eher ein touristisches Interesse an der Stadt Mexico City entwickelt als am fatalistischen Handlungsausgang.
AVIVA-BERLIN-TIPP: Ein Must für filmwissenschaftlich Interessierte (und Lateinamerika-Fans), hier kann man diskutieren bis der Arzt kommt. Der Film schockiert und beeindruckt zugleich durch die bestechend physische Präsenz seiner Laiendarsteller und ungewohnt sinnfällige Kameraführung.



Battle in Heaven (Batalla en el Cielo)

Mexiko/Belgien/Frankreich/Deutschland 2005, OmdtU, 98Min.,
Buch und Regie: Carlos Reygadas. Kamera: Diego Martínez Vignatti
Darstellende: Marcos Hernández, Analpola Mushkadiz, Berta Ruiz, David Bornstein, Rosalinda Ramírez, Joan Soria "El Abuelo" u.a.
Produktion: Mantarraya Producciones / The Coproduction Office / No Dream Cinema
frei ab 18 Jahren.
Filmstart: 20.07.2006
www.battle-in-heaven.de

Kultur Beitrag vom 30.07.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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