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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 03.08.2006

The Giant Buddhas
Kirsten Böttcher

Ein wunderschön sinnliches Filmessay über die von den Taliban gesprengten Buddha-Statuen in Afghanistan meditiert über die Bedeutung und Vergänglichkeit von Kulturerbe.



Obwohl der chinesische Kaiser es Xuangzang verboten hatte, startete der junge Mönch, Gelehrte und Übersetzer 629 n.Chr. seine 16-jährige Pilgerreise, um diese später in einem Bericht über die westlichen Länder zu dokumentieren.
Nach der Wüste Gobi, dem Pamir Gebirge und dem Hindukusch blickte Xuangzang drei Jahre später ins Bamiyan-Tal im heutigen Afghanistan hinab. Ihm muss sich ein atemberaubendes Bild geboten haben: Nach Sand und Gebirge plötzlich ein Tal
mit einem steil abfallenden Kliff, in dessen Gestein mindestens 900 Wohnhöhlen gehämmert worden sind, eine Königs- und Klosterstadt, verziert mit Stuck und Fresken. Xuangzang beschreibt die zwei riesigen Buddhastatuen aus dem
6. Jahrhundert n.Chr. - aus dem Felsen gehauen und mit Gold und Juwelen geschmückt, in Felsnischen aufrecht stehend, jeweils ca. 53 und 35 m hoch -
vor denen die Pilger regelmäßig in Ohnmacht fallen.
Damals war das Bamiyan-Tal Kreuzungspunkt von Handels- und Pilgerrouten, war Teil der südlichen Seidenstraße und stellte einen Ort der Begegnung
zwischen abendländischer und asiatischer Kultur dar.
Tausende von buddhistischen Mönchen, Gelehrten und Geschäftsleuten
blickten zu den größten stehenden Buddha-Statuen der Welt auf.

Eine 1500 Jahre alte Wahrheit: Nicht Terror, sondern Toleranz machte das Tal reich

Heute, 1500 Jahre später, sind die Nischen leer. Ganze 26 Tage waren die Taliban damit beschäftigt, die Buddhas mit Geschützen, Panzern und Raketen zu zerstören - vergeblich. Es mussten erst pakistanische Ingenieure eingeflogen werden, die am 21. März 2001 den Milizen den effektiven Umgang mit Sprengstoff vorführten.
Erst dann hatten die Taliban die ungeteilte Weltaufmerksamkeit, und erst nach der Zerstörung der Statuen, erst im Jahr 2003 wurde das Bamiyan-Tal zum Weltkulturerbe erklärt, zu einem Ort von "außergewöhnlichem universellen Wert", wie es in der Unesco-Konvention von 1972 heißt.

Vier Jahre nach seinem Oscar-nominierten Dokumentarfilm War Photographer begibt sich der Filmemacher Christian Frei auf eine ebenso sensible und intelligente Spurensuche wie in seinem James-Nachtwey-Portrait von 2001.
Ausgangspunkt und Zentrum ist das Bamiyan-Tal. In essayistisch loser Verknüpfung setzt Frei die verschiedensten kulturellen und politisch-symbolischen Bedeutungen der Statuen neben ganz persönliche Erinnerungen an diesen Ort.
Die Stimmen über die Zerstörung der Statuen relativieren sich gegenseitig, zeigen ein Prisma von Realitätswahrnehmungen: Der Familienvater Sayyed Mirza Hussain lebte mit einem Dutzend anderer Hazara-Flüchtlinge in den Gebetshöhlen.
Er weiß nicht viel von der Seidenstraße, doch hat er die Sprengungsversuche 2001 natürlich aus nächster Nähe erlebt. Seine Erzählung wird gegengeschnitten mit dem professioneller anmutenden Bericht des Star-Reporters des TV-Senders Al Jazeera, Taysir Alony, der - mit besten Kontakten zu Al-Kaida und Bin Laden
- es schaffte, als einziger Journalist die Zerstörung zu filmen. Mittlerweile büßt Alony seit 2005 eine mehrjährige Haftstrafe wegen Unterstützung von Terrorgruppen ab.
Die Flüchtlingsfamilie wurde umgesiedelt, da das Tal nun Weltkulturerbe sei, so der ansässige Gouverneur.

An was erinnert man sich warum? Erzählungen füllen die leeren Nischen

Während Kameramann Peter Indergand die historischen Pilgerspuren des Mönches Xuangzang verfolgt, hören wir im Off seine 1500 Jahre alten Texte sowie tagebuchähnliche Briefe des Filmemachers Frei selbst, voller Beobachtungen und Fragen, die die Konstruktion von kultureller Identität betreffen. Durch die Bilder und die so kulturell differierenden Eindrücke von Bamiyan erscheinen die leeren Felsnischen doch nicht so leer, sondern voller Erinnerungen und Legenden, als ein Symbol der Vergänglichkeit sowie des künstlerischen, kulturellen und politischen Wandels. Die Professionalität und Wissenschaftlichkeit der Unesco-Beauftragten, die ein Mahnmal in Bamiyan planen und mit Powerpoint und 3-D-Animationen anrücken, wirken gegen Freis Erzählerstimmen geradezu deplaziert kühl.
In den Aufzeichnungen des Mönchs Xuangzang, der von einer dritten, liegenden, Buddhastatue mit der unglaublichen Länge von 300 Metern erzählt. Der Archäologie-Professor Tarzi von der Universität Straßburg glaubt fest daran, dass diese dritte Statue existiert und die Sprengung einfach "verschlafen" haben könnte. Frei begleitet den leidenschaftlichen Forscher, dem die Plünderungen der afghanischen Schätze die Tränen in die Augen treiben, auf seinen Ausgrabungen im Bamiyan-Tal 2003.

"Eine Nation lebt, wenn ihre Kultur überlebt"
(Torinschrift im Nationalmuseum, Kabul)


Christian Freis Brieftexte richten sich an Nelofer Pazira, eine afghanisch-kanadische Schriftstellerin und Star des iranischen Films Kandahar. Ihr gehen die Erzählungen ihres Vaters nicht aus dem Kopf, der als Student vor den Statuen posierte für ein Foto, das heute seine Tochter in den Händen hält. Frei begleitet sie während ihrer Reise in die zerstörte Heimat, zu den Nischen der Statuen. Sie erklimmt die Aufgänge neben den Statuen, lauscht auf das Echo des Tals und bewundert die Reste der Wandmalereien aus prächtiger Vergangenheit. Heute, vor den gesprengten Gesteinsresten, spielen Kinder Fußball.

AVIVA-BERLIN-Tipp: Ein unbedingt sehenswertes Filmerlebnis, das nicht Terror und Schuld thematisiert, sondern uns sinnlich anregt und sensibilisiert für die Faktoren, aus denen sich kulturelle Identität konstruiert und für die Beantwortung der brisanten Frage, wie wir Menschen mit kulturellen Erbe umgehen wollen.



The Giant Buddhas
Dokumentarfilm. Buch/Regie/Produktion: Christian Frei.
Schweiz: Kinostar 2005, 95 Minuten.
Musik: Philipp Glass, Jan Garbarek, Steve Kuhn, Arvo Pärt.
Filmstart: 3. August 2006
www.giant-buddhas.com



Kultur Beitrag vom 03.08.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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