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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.05.2006

Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn
Christiane M├╝ller

Hat die Studentin Catherine (Gwyneth Paltrow) nicht nur das Talent, sondern auch die Geisteskrankheit ihres Vater geerbt? Der geniale Mathe-Professor (Anthony Hopkins) litt an Demenz...



Normalsterbliche mit einem durchschnittlichen IQ k├Ânnen sich die Welt eines Mathematikgenies nur ansatzweise vorstellen. Der (oder die) br├╝tet n├Ąmlich monatelang ├╝ber einer einzigen "Rechenaufgabe" und die hoch komplizierte Herleitung eines Beweises kann zig Seiten lang sein. Um so eine geniale Denkleistung, die die Mathematik revolutioniert, geht es in "Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn". Hat die attraktive Catherine (Gwyneth Paltrow) dieses au├čergew├Âhnliche Talent oder war es doch ihr ├ťbervater, der bewunderte Mathematik-Professor (Anthony Hopkins), der den Beweis erarbeitet hat?

Catherine sitzt am Vorabend ihres Geburtstages, der gleichzeitig der Tag der Beerdigung ihres Vaters ist, deprimiert in ihrem Haus. Sie ist emotional ausgelaugt und voller Wut, hat sie sich doch die letzten f├╝nf Jahre aufopferungsvoll um den demenzkranken Vater, einst DAS Mathe-Genie der USA, gek├╝mmert. Sie unterbrach ihr Studium, pflegte den oft verwirrten alten Mann und vernachl├Ąssigte nicht nur ihre Begabung, sondern auch ihre sozialen Kontakte. Student Hal (Jake Gyllenhaal) darf Daddies Notizb├╝cher durchsehen, denn es k├Ânnte ja sein, dass der geistig Erkrankte doch noch einige geniale Ideen hatte. Hal ist ein netter Typ, der es nur gut meint, doch die uneitle, uncharmante Catherine reagiert in ihrer Trauer und Depression sehr aggressiv auf ihn. Erst sp├Ąter geht sie auf seine Avancen ein und es entwickelt sich eine zarte Liebe. Die Ankunft der v├Âllig gegens├Ątzlichen Schwester (Hope Davis) bringt sie vollends auf die Palme. Die dekadente, oberfl├Ąchliche New Yorker Schicki-Micky-Tussi ist nur an dem Nachlass des Vaters interessiert und will Catherine aus ihrer gewohnten Umgebung rei├čen.
In R├╝ckblicken wird das Leben mit dem Vater gezeigt, den Anthony Hopkins hinrei├čend wie immer spielt. Sehr ber├╝hrend sind die Szenen, in denen er in geistiger Umnachtung seiner Tochter seine neuen "bahnbrechenden Entdeckungen" zeigt - und diese schockiert feststellen muss, dass es nur sinnloses Gekritzel ist. Gwyneth Paltrow zeigt einmal mehr, dass sie eine wirklich gute Schauspielerin ist. Wie sie die verzweifelte Intellektuelle verk├Ârpert, die Angst hat, die gleiche Krankheit wie der Vater zu bekommen, ist sehr ├╝berzeugend. Und endlich ist "Gwynnie" mal nicht sch├Ân-sexy-charmant, sondern ruppig, abweisend und ├╝berraschend aggressiv. Mut zu einem anderen Look f├╝r sie hatte das Filmteam leider nicht. Sie sieht adrett aus wie immer, allerdings fast ohne Make-up.

Wer Jake Gyllenhaal bereits in Ang Lees genialem "Brokeback Mountain" als schwulen Cowboy gesehen hat und nun eine ├Ąhnlich tolle Performance erwartet, wird entt├Ąuscht sein. Seine Rolle des begeisterten Mathestudenten ist zwar ganz s├╝├č, aber sein Talent kann er als Stichwortgeber f├╝r Paltrow h├Âchstens ansatzweise zeigen. Schade.

├ťbrigens: Zum ersten Mal seit "Shakespeare in Love" arbeitet Oscar-Gewinnerin Gwyneth Paltrow wieder unter der Regie von John Madden. Er hatte das Drama bereits am Theater inszeniert. Es ist eine Adaption des Pulitzer-Preis pr├Ąmierten St├╝cks von David Auburn.

AVIVA-Tipp: Ein Muss f├╝r Gwyneth-Platrow-Fans. "Der Beweis" ist eine gelungene Theaterst├╝ck-Adaption mit vielen spannenden Dialogen. Der nachdenklich stimmende Film ist kein Meilenstein der Kinogeschichte, aber durchaus sehenswert.

"Der Beweis" startet am 4. Mai 2006 im Verleih von Buena Vista International in den Kinos.


Originaltitel: Proof (USA 2005)
Regie: John Madden
DarstellerInnen: Gwyneth Paltrow, Anthony Hopkins, Jake Gyllenhaal, Hope Davis u.a.
100 Minuten


Kultur Beitrag vom 07.05.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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