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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 06.10.2006

Rebecca Horn : Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Filme
Rukshana Adrus-Wenner

Mit einer umfassenden Werkschau aus über 40 Jahren präsentieren die Berliner Festspiele die international bekannte Künstlerin im Martin-Gropius-Bau vom 5. Oktober 2006 bis 15. Januar 2007



Der Auftakt zu Rebecca Horns Kunstparcours beginnt mit einer Filmsequenz. Eine Kopfbewegung. Ein Gesicht hinter eine Maske, darauf Bleistifte, die im rhythmischen Takt an der Wand Linien schreiben, zeichnen. In den frühen Arbeiten ist sie selbst die Protagonistin der Handlungen. Aus Texten und Skizzen entwickelte sie ihre ersten Körperskulpturen, die in Performances gezeigt, fotografiert und auch gefilmt wurden. Zu sehen ist sie mit den sogenannten Körperextensionen - mit der grünen "Bleistiftmaske", dem spitzen Stoffgebilde "Einhorn" auf dem Kopf tragend, umhüllt mit Federgewändern. Lange schwarze zeigestockartige Verlängerungen, "Handschuhfinger", die Zimmerwände berührend, ein Mantel aus roten Schläuchen wie dicke Adern, mit flatternden, weißen Körperfächern, an Ikarus erinnernd, in einem Steinbruch.

Die traumtänzerisch wirkenden Kostüme die auf surreal anmutende Weise den Körper erweitern und gleichzeitig behindern haben auch etwas mit Versuchen zu tun, das Innere für die Außenwelt sichtbar zu machen. Gefühle und Gedanken in eine Bildsprache zu verwandeln. Die Störungen sichtbar zu machen. Als junge Studentin erkrankte sie schwer und somit wurde die Krankheit als Antrieb für ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem Körper.

Für Berlin, der letzten Station der Retrospektive nach Düsseldorf, Lissabon und London, wurde der Ausstellung ergänzt und erweitert, darunter auch um ein sehenswertes Filmprogramm. Die Künstlerin gewährt Einblicke in zwanzig Räume mit einer Überblicksschau. Angefangen mit ausgesuchten Werken aus den 70er Jahren, Konstruktionszeichnungen zu Konzept, Objekten, Performance- und Installationsfotos, Videos, Filme sowie neue Zeichnungen und endet mit einer große Installation im Zentrum der Schau.

In ihrem Atelier, das auch als Werkstatt dient, entstehen mit wissenschaftlicher Akribie und technischer Perfektion und Hilfe der Werkzeuge fabelhafte, wundervolle Objekte und Geräte - statische und kinetische Objekte, Zeichen- und Malmaschinen, die Farbe spritzen, Striche zeichnen, Federn zittern und flattern lassen, raschelnde Requisiten, tangotanzende Tische, Metallstäbe in Asche schreibend, Partituren-Blätter im Wind fächernd. Immer wieder tauchen mehrere Musikinstrumente auf, verwendet die Künstlerin Gebrauchsgegenstände wie Bürste, Löffel, Spiegel, Fernglas, Leiter, Bettgestell, Rollstuhl, Hammer, Pumpe, Pinsel, Drähte, Steine, Stöcke oder Fundstücke, Vogelfedern, Eier, Hörner, Zweige in ihren großräumigen Installationen. Sie besitzt auch große Sammlungen u.a. von Geigen, Koffern, Schreibmaschinen, Schuhen.

Die mit unterschiedlichen künstlerischen Medien arbeitende Bildhauerin, Dichterin, Zeichnerin, Filmemacherin schafft ein Gesamtkunstwerk, in dem Sprache, Dinge, Bilder, Licht, Töne ebenbürtig stehen. In der Blackbox "Licht gefangen im Bauch des Wales" hat Rebecca Horn eigene Gedichte und Musik als gestalterische Elemente einbezogen. Das große Wasserbecken reflektiert projizierte Wörter an die Wand. Der langsame kreisende Sprach-Strudel zieht die BesucherIn in stetigen Sog und Schwindel. Komplexe Klänge werden in meditative Momente verwandelt.

Viele ihre Werke entstehen als Ort- und Raumbezogene Installationen. Den Höhepunkt der Präsentation bildet die neue, poetisch präzise Skulptur "Das Universum in einer Perle", eigens für den Lichthof des Martin-Gropius-Bau errichtet. Blaue Himmelskörper, goldene Trichter, dunkle Scheiben umgeben von Austern. Zweimal 18 Meter in der Höhe und Tiefe, durch Spiegelung und Bewegung in beide Richtungen. Gleichzeitig bildet die Vertonung des neuseeländischen Komponisten Hayden Chisholm, mit dem sie mehrere Werken realisiert hat, einen Teil des Kunstwerks. Die BetrachterInnen als kleine Körner im Kosmos.

Neue Zeichnungen bilden, neben Skulpturen und Plastiken einen anderen Schwerpunkt. Seit 2003 entstehen lebensgroße, von den Körpermaßen der Künstlerin bestimmte Zeichnungen, die den Titel Bodylandscapes tragen. Der lichte Blätterwald, bunte Bildsprache, die leicht hingetüpfte Farbflecken, Striche, Linien in den hellen Räumen verzaubern und Zeit brauchen, sich zu entfalten.

Im Wandelgang, zum Abschluss der Ausstellung, sind mehrere Glasvitrinen KünstlerInnen und SchriftstellerInnen gewidmet - mit den Werken korrespondierenden Objekten bestückt. Bücher, Schuhe, Schirme, Schmetterlinge, Draht, Motor, Acryl.

In ihrem Oeuvre verbindet die weltweit renommierte Kunstvisionärin virtuos eine sinnlich-erotische Sehnsucht und Schmerz mit Anmut und Apparatur. Berlin ehrt die als scheu geltende und zurückgezogen lebende, rothaarig beeindruckende Bildhauerin, mit einem beträchtlichen Werk aus vierzig Jahren.

Die Künstlerin:
Rebecca Horn, 1944 in Odenwald geboren, Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und London. Mehrere Auslandsaufenthalte mit Lehrtätigkeit. Teilnahme am Documenta in Kassel und Biennale in Venedig. Erhielt zahlreiche Preise darunter 1986 den documenta-Preis, 1988 Carnegie Prize, 1992 Kaiserring der Stadt Goslar und Medienkunstpreis Karlsruhe, 2006 Piepenbrock Preis für Skulptur. Seit 1989 Professur an der Universität der Künste Berlin. Rebecca Horn lebt in Berlin, Paris und Odenwald.
Informationen:


Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin
fon: 030.254.86.0
www.gropiusbau.de

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag 10 - 20 Uhr
Dienstag geschlossen

Eintritt:
8 Euro / erm. 6 Euro
Familienkarte 16 Euro
Öffentliche Führungen für Gruppen und Schulklassen

Publikationen:
Ausstellungskatalog mit Gespräch, Texte, Gedichte sowie zahlreichen Farb- und s/w Abbildungen, 320 S., 32 Euro
Kulturzeitschrift du, Oktober 2006, Rebecca Horn - Feinmechanik der Seele, 12 Euro

Ausstellungsdauer: 05.10.2006 - 15.01.2007

Rahmenprogramm:
Im Filmraum in der Ausstellung und im Kinosaal des Martin-Gropius-Bau werden Filme von Rebecca Horn gezeigt.


Kultur Beitrag vom 06.10.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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