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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 15.12.2007

Drei große Fotografinnen der 20er und 30er Jahre
AVIVA Redaktion

Der Frauen-Kultur-Verein BEGiNE zeigt im Januar 2007 Filmbiografien von drei Fotografinnen, die von der Regisseurin Antonia Lerch vorgestellt werden: Ilse Bing, Ellen Auerbach und Grete Stern.



Den Anfang der Filmporträt-Reihe macht am 11.1.2007 die "Königin der Leica", Ilse Bing. Sie zählt zu den Avantgarde-KünstlerInnen der 20er und 30er Jahre. Mit ihren gewagten Perspektiven und Ausschnitten sowie durch die Einführung neuer Sujets und Sichtweisen gehört die Fotografin mit zu den bedeutendsten VertreterInnen des Neuen Sehens.

Ilse Bing, am 23.3.1899 in Frankfurt am Main in ein wohlhabendes jüdisches Elternhaus geboren, soll eigentlich eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen und studiert Mathematik und Kunstgeschichte. Nebenbei bringt sie sich jedoch im Selbststudium das Fotografieren bei und entschließt sich 1929 für eine Karriere als Fotografin. Sie schließt sich dem Kreis avantgardistischer FotografInnen um das Ehepaar Ella Bergmann-Michel und Robert Michel an und siedelt 1930 nach Paris über. Hier erhält sie bereits im darauffolgenden Jahr erste Reportageaufträge und beteiligt sich an Ausstellungen in Frankreich und Deutschland. 1937 heiratet Ilse Bing den Pianisten Konrad Wolff.

Nach dem deutschen Überfall auf Frankreich flüchtet das Ehepaar 1941 vor den Nationalsozialisten in die Vereinigten Staaten. 1959 gibt Ilse Bing, wegen Erschöpfung der gestalterischen Mittel, die Fotografie auf. 1974 und 1976 erscheinen Gedichte, Zeichnungen und Collagen von ihr, gleichzeitig mit der Wiederentdeckung ihrer fotografischen Arbeiten. Am 10.3.1998 stirbt Ilse Bing in New York.

Am 18.1.2007 wird das Filmporträt über Ellen Auerbach gezeigt:

Ellen Auerbach, geborene Rosenberg, aus traditionell-bürgerlich jüdischem Elternhaus wird am 20.5.1906 in Karlsruhe geboren und studiert von 1924-27 Bildhauerei und Zeichnen an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe. 1928 wechselt sie nach Stuttgart zur Akademie der bildenden Künste (Am Weißenhof) und experimentiert erstmals mit einer 9x12-Plattenkamera, die ihr ein Onkel geschenkt hat. Mit wachsendem Interesse an der Fotografie sieht sie hier für sich die größeren Möglichkeiten, als Künstlerin zu arbeiten.

1929 erfolgen erste fotografische Studien bei Walter Peterhans in Berlin und ein Zusammentreffen mit Grete Stern. Gemeinsam übernehmen sie von Peterhans, nach dessen Wechsel ans Bauhaus, sein Atelier und gründen das Fotostudio "ringl + pit" – "pit" wurde Ellen Auerbach genannt. Beeindruckende Zeugnisse dieser Berliner Atelier- und Wohngemeinschaft mit Grete Stern sind neben einigen KünstlerInenporträts auch und vor allem die Sach- und Werbefotografien des Studios "ringl + pit", die sich durch Humor, Ironie und Provokation von den gängigen Reklamebildern der damaligen Zeit abheben. Ergänzend zur Fotografie experimentiert Ellen Rosenberg mit 16-mm-Filmen.
1933 erhalten Ellen Rosenberg und Grete Stern den Ersten Preis für ihre Werbeaufnahme "Komol" bei der "Exposition Internationale de la Photographie et du Cinema" in Brüssel. Im selben Jahr noch emigriert Ellen Rosenberg nach Palästina und führt dort ihre Filmarbeiten fort. Sie macht Reklamearbeiten für den Jüdischen Nationalfonds und eröffnet das Fotostudio "Ishon" (Augapfel), das sich auf Babyfotografie spezialisiert. Nach Ausbruch des Abessinischen Krieges 1936 verlässt sie Palästina und reist zu Grete Stern nach London.

Ihre Hoffnung, in Großbritannien als Fotografin arbeiten zu können, zerschlägt sich jedoch und Ellen Auerbach emigriert mit ihrem Mann Walter, den sie 1937 geheiratet hat, in die Vereinigten Staaten, nach Philadelphia, wo sie weiterhin ihrer fotografischen Tätigkeit nachgehen kann. Standen Auerbachs Bilder der Berliner Jahre noch unter dem Einfluss der avantgardistischen Fotografie der Zwanziger Jahre, wandelt sich in den Vereinigten Staaten ihr Fotografierstil: mit dem ihr eigenen Gespür für Menschen und Situationen gelingt Ellen Auerbach der fotografische Blick auf unspektakuläre Alltagssituationen, die sie mit Hilfe der Kamera in zeitlosen und poetischen Aufnahmen dokumentiert. Sie nennt dies ihr "drittes Auge", das hinter dem vordergründig Sichtbaren im Verborgenen das Wesentliche zu entdecken vermag.

1944 übersiedelt das Ehepaar Auerbach nach New York und Ellen Auerbach arbeitet in der Folgezeit als freie Fotografin u.a. für das "Time Magazine" und "Columbia Masterworks". Auf ihren Reisen nach Argentinien, Griechenland, Mallorca, Deutschland und Österreich entstehen Landschafts-, Natur-, Tanz- und Porträtfotos.

Die Trennung von Walter Auerbach erfolgt im Jahre 1945. Von 1946 bis 1948 arbeitet sie am einer Dokumentation mit, die die differenzierten Verhaltensweisen von Säuglingen thematisiert. In dieser Zeit entstehen außerdem diverse Fotostudien Auerbachs über Verhaltensabläufe von Kleinkindern.

1953 erhält sie eine Dozentur für Fotografie am Junior College for Arts and Crafts in Trenton. 1955/56 geht sie auf Reisen für eine Fotodokumentation mexikanischer Kirchen, 1958 schließen sich weitere Reisen, u.a. nach Mallorca, Norwegen und Argentinien an. Seit 1956 ist Ellen Auerbach zunehmend im Bereich Erziehungs- und Lerntherapie am Educational Institute for Learning and Research in New York tätig, setzt sich verstärkt mit Esoterik und Psychologie auseinander und beendet in dieser Zeit ihre Karriere als Fotografin. Ellen Auerbach stirbt im Alter von 98 Jahren am 30.7.2004 in New York.

Die Dritte im Bunde der Filmbiografien-Reihe ist Grete Stern, deren Porträt am 25.1.2007 gezeigt wird:

Grete Stern wird am 9.5.1904 in Elbersfeld geboren. Nach dem Studium an der Kunstgewerbeschule in Stuttgart von 1923 bis 1925 – andere Quellen sprechen auch von 1924-1927 -, in der Abteilung Grafische Künste, folgen 1925/ 26 erste gebrauchsgrafische Arbeiten - Buchgestaltung, Layout, Reklame - in Berlin und Wuppertal, wo sie 1926 auch ihre erste Ausstellung hat. Ab 1927/28 widmet sie sich fotografischen Studien im Privatstudio von Walter Peterhans in Berlin.

Gemeinsam mit Ellen Auerbach eröffnet sie in Berlin das Fotostudio "ringl + pit" ("ringl ist der Spitzname von Grete Stern) für Stilleben und Reklame-Fotografie. 1930 folgen erste Reklame-Arbeiten in Zusammenarbeit mit der Fotoagentur Mauritius. 1933 erhalten Grete Stern und Ellen Auerbach (damals: Rosenberg) einen internationalen Preis für ein Werbeposter.1930 und 1932/ 33 besucht Grete Stern den Fotokurs unter Leitung von Walter Peterhans am Bauhaus in Dessau und Berlin.

Als Jüdin emigriert sie nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 nach London und arbeitet dort bis 1936 als freie Grafikerin und Reklamefotografin. Es entstehen Porträts z.B. von Bert Brecht, Helene Weigel und Karl Korsch.

1935 heiratet Grete Stern den Argentinier Horacio Coppola, einen Mitstudenten bei Peterhans am Bauhaus, 1936 wird die Tochter Silvia geboren, und noch im selben Jahr emigriert die junge Familie nach Argentinien.

1937 eröffnet das Ehepaar ein Studio für Reklame und Fotografie in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires und lässt sich von einem modernen Architekten ein eigenes Haus mit Studio in der Nähe von Buenos Aires bauen, das in der Folgezeit zum Treffpunkt für progressive SchriftstellerInnen, KünstlerInnen und Intellektuelle wie Jorge Luis Borges, Pablo Neruda, Clément Moreau, Renate Schottelius, Maria Elena Walsh und die Psychoanalytikerin Marie Langer wird.

1945/46 ist es Grete Stern, die als eine der Ersten die Werke der damals nicht anerkannten Künstlergruppe "Madi" (abstrakte Kunst) ausstellt. 1948/50 schließen sich Arbeiten für die fortschrittliche Stadtplanungsstelle "Plan de Buenos Aires" und Kooperationen mit verschiedenen ArchitektInnen an. Von 1956 bis 1970 arbeitet sie als Fotografin am Nationalmuseum für Bildende Künste in Buenos Aires sowie in der Abteilung für Restauration unter der Leitung von Corradini.

Im Jahr 1957 folgt eine Auftragsreise nach Nordargentinien und Fotoarbeiten in den Provinzen Jujuy, Catamarca und Resistencia del Chaco. 1959/60 nimmt sie einen Lehrauftrag für Fotografie an der Universität in Resistencia del Chaco an, wobei sich Grete Stern besonders den sozio-kulturellen Problemen der indigenen Bevölkerung widmet, deren Lebensumstände sie als Fotografin, gemeinsam mit Ethnologen der Universität, dokumentiert. Grete Stern arbeitet noch bis 1985 in ihrem Beruf als Fotografin und stirbt 1999 in Buenos Aires.


Veranstaltungsort: BEGiNE – Treffpunkt & Kultur für Frauen e.V.
Potsdamer Straße 139, 10783 Berlin - Schöneberg
Telefon: 030/ 215 14 14
Die Filmvorführungen finden am 11.1, 18.1. und 25.1.2007 jeweils um 19 Uhr statt.
Weitere Informationen: www.begine.de

Weitere Informationen zu den drei vorgestellten Fotografinnen finden Sie auf der Internetseite www.exil-archiv.de, von der auch die hier verwendeten Biografie-Übersichten stammen.

Einige Literaturhinweise von AVIVA für Sie zusammengestellt:
Ilse Bing:
Larisa Dryansky: Ilse Bing: Photography Through the Looking Glass
Sprache: Englisch, herausgegeben von Edwynn Houk.
Harry N Abrams Inc., erschienen im Juli 2006, gebunden, 223 Seiten
ISBN: 0810955466
Preis: 44,99 Euro" target="_blank">bestellen

Ellen Auerbach:
Ellen Auerbach: Das dritte Auge
Leben und Werk.
120 Tafeln in Farbe und Duotone.
Schirmer/Mosel Verlag, erschienen im Dezember 2006, gebunden, 240 Seiten
ISBN: 3829602235
Preis: 49,80 Euro" target="_blank">bestellen

Eliot Porter, Ellen Auerbach, Chronicle Books: Mexican Churches
Sprache: Englisch.
Chronicle Books, erschienen im Juni 1999, kartoniert, 120 Seiten
ISBN: 0811823598
Preis: 14,99 Euro" target="_blank">bestellen

Grete Stern:
Grete Stern: Aborigenes del Gran Chaco: Fotografias de Grete Stern, 1958 - 1964 Sprache: Spanisch.
Librerias Yenny, erschienen im April 2005, kartoniert
ISBN: 9509837164
Preis: 44,69 Euro" target="_blank">bestellen

Grete Stern: Suenos
Sprache: Spanisch.
Librerias Yenny, erschienen im Januar 2004, kartoniert
ISBN: 9872117500
Preis: 33,90 Euro

Kultur Beitrag vom 15.12.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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