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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 15.09.2003

Vom selbstmörderischen Nihilismus zum kleinen Glück
Gaby Miericke-Rubbert

Der neue Film "Wilbur wants to kill himself" der Dänin Lone Scherfig: eine Tragikomödie über die Unmöglichkeit des Sterbens und die unstillbare Sehnsucht nach Leben



Armer Wilbur! Das Überleben wird für den notorischen Selbstmörder zur Demütigung, da alle Versuche, seinem Leben ein Ende zu setzen, zum Scheitern verurteilt sind. Da fließt auf einmal kein Gas mehr aus dem Herd, das Bächlein, in dem er sich ertränken will, ist nicht tief genug oder sein älterer Bruder Harbour, wie so oft einer inneren Eingebung folgend, rettet ihn in vorletzter Sekunde.

Selbst die psychiatrische Therapiegruppe der Selbstmordpatienten hat ihn schon als unheilbar rausgeworfen, aber der mütterliche und selbstlose Harbour will den Lebensmüden nicht in Ruhe sterben lassen. Die Brüder verfolgen diametrale Ziele, Harbour hat es sich mit seinem unerschütterlichen Optimismus zur Aufgabe gemacht, Wilbur vom Glück des Lebens zu überzeugen, während letzterer, ein fanatischer Anhänger des Unglücklichseins, scheinbar alles tut, um diesem ein Ende zu bereiten.

Jeden gescheiterten Selbstmordversuch empfindet Wilbur als Niederlage und er läßt keine Gelegenheit aus, um seinem Frust Ausdruck zu verleihen und seine Mitmenschen als schlecht gelaunter Kotzbrocken, widerwärtiges Ekel und rücksichtsloser Egozentriker zu brüskieren und zu provozieren. Umso verwunderlicher ist es, dass die Kinder, die er als Erzieher betreut, ihn mögen, dass Frauen aus seiner Umgebung ihn anziehend finden und ihm immer wieder Menschen begegnen, die ihm Sympathie entgegenbringen.

So auch Alice, eine schüchterne alleinerziehende Mutter, die sich ihren spärlichen Putzfrauenlohn mit Verkäufen von gebrauchten Büchern aufbessert, die sie an ihrer Arbeitsstelle im Krankenhaus, von Patienten zurückgelassen, einsammelt. Regelmäßig bietet sie ihre Fundsachen in dem kleinen, chaotischen, aber anheimelnden Antiquariat an, das Harbour unlängst von seinem Vater geerbt hat.

Alice mit ihrer Zerbrechlichkeit und Stärke und ihre achtjährige Tochter Mary mit ihren Kinderweisheiten und ihrem witzigen Pragmatismus bringen das Leben und Sterben der beiden Brüder ganz schön durcheinander...

Nach ihrem internationalen Publikumserfolg "Italienisch für Anfänger" will die dänische Regisseurin Lone Scherfig es nun mal un-Dogmatisch probieren. Statt dem Dogma-Konzept weiterhin zu folgen, das sich einer sehr reduzierten, vereinfachten Produktionsweise verschrieben hat, nutzt sie hier Elemente der klassischen cineastische Sprache wie Schnitt, Ausstattung, Licht, Kamera und Musik, um ihren Fim persönlicher zu inszenieren.

Trotzdem ist "Wilbur wants to kill himself" eher schlicht und unprätentiös, weiterhin gestalten die SchauspielerInnen, und nicht Illusionsmaschinen, die Situationen. Die Filmemacherin hat zum ersten Mal einen Film in englischer Sprache gedreht, sie will damit ein breiteres Publikum erreichen und meint sogar, dass "einige Dinge sich leichter in Englisch als in Dänisch erklären lassen".

Die Figuren sind liebenswert, von den SchauspielerInnen sensibel gezeichnet in ihrer Tragik, aber auch ihrer Komik, es wird geliebt, geheiratet, gestorben und gelebt. Es sind oft stumme Blicke, flüchtige Gesten, wenige Worte, die uns eine vielfältige Gefühlswelt eröffnen, und dem Film eine besondere Intensität verleihen.

Im Vergleich zu "Italienisch für Anfänger" hat Scherfig uns mit ihrem neuen sehenswerten Werk einen "stärkeren Cocktail" gemischt, melancholischer und zugleich lustiger, den Problemen zwischen Leben, Liebe und Tod deutlicher auf den Grund gehend. Und es gelingt ihr, uns trotz aller Tragik immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Also das Taschentuch bereithalten und mit einem weinenden Auge lachen oder mit einem lachenden Auge weinen!




Wilbur wants to kill himself
Regie: Lone Scherfig
Drehbuch: Lone Scherfig und Anders Thomas Jensen
DarstellerInnen: Jamie Sives, Adrian Rawlins, Shirley Henderson, Lisa McKinlay, Mads Mikkelsen u.a.
Dänisch-schottische Coproduktion, 2002
Länge: 105 Min.
Kinostart: 18. September 2003



Kultur Beitrag vom 15.09.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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