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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 18.09.2003

Susan Sontag nach Henrik Ibsen: Die Frau vom Meer oder die Illusion von der Freiheit
Gaby Miericke-Rubbert

Ein Theaterspiel um Meerjungfrauen, Sehnsüchte und den Mut zur Realität



Sie, Ellida Wangel, ein gestrandetes Wassergeschöpf, verwaiste Tochter eines Leuchtturmwärters, nun seit 10 Jahren gefangen in tristem Familieneinerlei, träumt von der Rückkehr in die Weite des Meeres.

Er, Hartwig Wangel, ein verwitweter, rechtschaffener Biedermann, hat als Arzt zwar Verständnis für ihre mehrstündige tägliche Schwimmpraxis, sieht aber in seiner Frau auch die Patientin, die von ihrer manischen Sehnsucht nach dem Meer geheilt werden muss.

Beide verzweifeln an Ellidas Sehnsucht, sie, weil sie ihren Traum nicht verwirklichen kann und er, weil die Krankheit seiner Frau unheilbar scheint. Als es ihm gelingt, Ellida die freie Wahl über ihr zukünftiges Leben zu lassen, kann sie im Gefühl der Freiheit sich wieder für die Fesseln der Ehe entscheiden.

DarstellerInnen Anika Mauer, Hans Kremer
© Wolfhard Theile
Auf der Suche nach Ursprung und Identität ist die Frau wieder bei bei sich selbst angekommen. Hartwig triumphiert, endlich hat Ellida sich entwickelt, weil angepasst, sie bedarf keiner Therapie mehr.

Die vermeintlich erzwungene Beziehung wandelt sich zum Schluss zu einer von ihr frei gewählten, das empfundene Muß kann als selbstbestimmter Wille erlebt werden. Wir erkennen an Ellidas Drama der Selbstfindung, dass Freiheit und Selbstbestimmung die tägliche Chance menschlicher Existenz sind. Susan Sontag inspiriert von Friedrich Nietzsche?

Die Amerikanerin Susan Sontag hat Ibsens Text auf das Wesentliche reduziert, um den Grundkonflikt der Hauptakteure besser herausarbeiten zu können. Die spielerische Bandbreite präsentiert Zuneigung und Ablehnung, Karikatur neben Dramatik, Traum und Wirklichkeit im emotionalen Wechselbad.

Anika Mauer (Ellida) und Hans Kremer (Hartwig) faszinieren durch ihre beeindruckende mimische Gesichtsakrobatik und ihr ironisches Augenzwinkern begleitet so manche beredte Wortlosigkeit und manchen monologisierenden Redeschwall.

Ensemble © Wolfhard Theile
Das Bühnenbild von Christin Vahl läßt Sehnsüchte und Realität ineinander übergehen, die riesige silbrige Meereswoge im Hintergrund ist durch einen Steg mit dem ebenfalls metallischen Küchenmaschinenpark im Vordergrund verbunden. Die SpielerInnen tapsen, balancieren und verlieren sich auf der riesigen Welle ihrer Träume und gelangen immer wieder zurück in die Realität ihrer Beziehungen.

Die silberne Kälte ist allgegenwärtig, die Figuren werden auf den Prozeß ihrer Selbstreflektion zurückgeworfen. Nicht nur die Akteure, sondern auch die Menschenfrauen im Publikum, hoffentlich auch die -männer, finden in diesem Stück jede Menge Stoff zum Nachdenken und Diskutieren.

Und statt auf die Befreiung durch Seemänner, Lehrer und andere Märchenprinzen zu warten, sollten wir vielleicht mehr Mut zur Eigenverantwortung übernehmen. Ob wir dann allerdings wieder in der Ehetristesse landen müssen, können Sontag/Ibsen auch nicht so recht beantworten.

Träume von Meeresrauschen und glitzernder Weite gehören allemal dazu. Zumindest bei Meeresfrauen!




Susan Sontag:
Die Frau vom Meer

nach dem Theaterstück von Henrik Ibsen
Regie: Monika Gintersdorfer
Bühne: Christin Vahl
Kostüme: Muriel Nestler
DarstellerInnen: Anika Mauer, Hans Kremer, Ellen Schlootz, Marina Lubrich, Jan Schütte, Kristian Wanzl
Deutsches Theater Kammerspiele
Schumannstr. 13 A
10117 Berlin-Mitte
Vorstellungen: 28.09., 4.10., 5.10., 17.10., 24.10., jeweils 20 Uhr
Karten unter: 030- 28441-225
www.deutschestheater.de

Kultur Beitrag vom 18.09.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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