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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 23.09.2003

Erich Kästner´s Fabian - im Maxim Gorki Theater ohne Moralisten
Gaby Miericke-Rubbert

Von einem Projekt, was auszog, ein Theaterstück zu werden



Um es gleich vorweg zu nehmen, dieses Projekt hat sein Ziel leider verfehlt, es bleibt unvollendet, in Fragmente gesplittet.

Bereits das erste Bild ist ziemlich rätselhaft. Auf der leeren Bühne schweben altbackene Blümchenkleider rauf und runter. Was will uns der Projektleiter damit sagen?

Fragment 1: Es erscheinen ein gutes Dutzend Schauspieler mit grauen Stühlen und platzieren sich anläßlich einer bevorstehenden Lesung in einer Reihe frontal zum Publikum. Da wird Absurdes, Skurriles, Absonderliches zitiert aus renommierten bis zweifelhaften Magazinen und Zeitschriften über denkende Friedhofserde, sexuellen Mißbrauch eines Mannes durch einen Wels oder Sushi-Gänse als kulinarischer Hit.

Fragment 2: Die Szenerie verwandelt sich in ein Eheanbahnungsinstitut, wo Dr. Jakob Fabian als neuer Kunde begrüßt wird. Ein schmales, schüchternes Männchen, gefundenes Fressen für eine Sexfurie, die ihn sogleich im wahrsten Sinne des Wortes mit Haut und Haaren, T-Shirt inclusive, vernaschen möchte. Annäherungsversuche erwünscht nach allen Regeln des Instituts.

Fragment 3: Eine Redaktionssitzung, wo die Journalisten erst mal Gute-Laune-Dröhnung aus Plastikschläuchen inhalieren müssen, um anschließend ihre Leserschaft mit schöngefärbten positiven Schlagzeilenmanipulationen zu versorgen. Optimismus ist Pflicht, empfiehlt der Kanzler.

Fragment 4: Mitarbeiterversammlung eines Zigarettenherstellers. Der Chef gibt neue kämpferische Parolen aus: Dem Negativimage muß entgegengewirkt werden, Raucher haben die Verpflichtung, gegen ihre Verfolgung und Diskriminierung in den Widerstand zu gehen. Giftstoffe sollen als Vornamen für Babies gesponsort werden. Ein Hoch dem Kettenraucher!

Foto: Iko FreeseDiese ersten Fragmente, wie auch alle folgenden, fügen sich nicht zu einem Gesamtkunstwerk. Als der 32-jährige Germanist Fabian, seines Zeichens Moralist und Muttersöhnchen, in einem Brief an seine Mutter erwähnt, dass er als Werbetexter für die Zigarettenindustrie arbeitet, wird zum ersten Mal ein direkter Bezug zu Kästners Stoff hergestellt und es entwickelt sich langsam eine Rahmenhandlung.

Bei der Begegnung mit Fabians Freund Labude wird die Titelfigur erstmals näher charakterisiert, ein Mensch ohne Lebensziel, ein zarter Ironiker, der auf den Sieg der Anständigkeit wartet, ein Moralist, der eher das Leben hilflos beobachtet, als zu versuchen, es zu leben oder gar zu ändern. Und der letztendlich auch an der Schlechtigkeit der Welt scheitert. Seine Freundin opfert ihre Liebe der Karriere, er verliert seinen Job, sein Freund bringt sich aufgrund eines mißgünstigen Witzes um. Und er selbst verliert das Leben, als er das eines anderen retten will. Weil er vergessen hat, dass er nicht schwimmen kann.

Bei Kästner ist Fabian der Antiheld in einer satirisch zugespitzten Welt aus Verbrechen, Elend und Lüge. Aber trotz Karikatur und rabenschwarzer Überzeichnung entsteht ein mahnendes Panorama der 30-er Jahre. Dem Projektleiter ist der Transfer in das Hier und Jetzt nicht gelungen, bei Meyerhoff wird die heutige Zeit bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt, es entsteht kein Bild von Gesellschaft, schon gar nicht von der, in der wir leben. Ein Zusammenklauben von zum Teil kreativen, beachtenswerten Regieeinfällen macht noch lange kein Zeitkolorit. Und aus Kästners Zyniker Fabian ist ein larmoyantes Muttersöhnchen geworden.

Auf der Bühne taucht die Frage auf: "Gibt es ein Leben nach dem Tode? Nein, muß alles vor dem Tod erledigt werden!" Das Projekt hätte auch vor der Premiere beendet werden müssen!




Erich Kästner
Fabian

Ein Projekt von Joachim Meyerhoff
Regie: Joachim Meyerhoff
Bühne: Olaf Grambow
Kostüme: Sabine Volz
DarstellerInnen: Fabian Krüger, Hans-Jochen Wagner, Katrin Hylla, Francesca Tappa, Bettina Hoppe,
Monika Lennartz, Monika Hetterle, Marcus Mislin, Thomas Bischofberger u.a.
Maxim Gorki Theater
Am Festungsgraben 2
10117 Berlin-Mitte
Karten unter: 030- 20221 341
www.gorki.de

Kultur Beitrag vom 23.09.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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