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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 05.04.2007

Es ist gut, dass du nichts sagst, Gisela
Clarissa Lempp

Isabelle Stever hat mit ihrem Film "Gisela" eine außergewöhnliche Dreiecksbeziehung geschaffen, die mit wenigen Worten und befremdlichem Gleichmut durch die Schluchten der Plattenbauten schwirrt.



Gisela, 28 Jahre, arbeitet an der Kasse im Supermarkt. Sie ist verheiratet und hat einen kleinen Sohn. Ihr Leben bewegt sich zwischen den Hochhäusern der Plattensiedlung. Hier kennt sie alle. FreundInnen sind es nicht. NachbarInnen eben. So auch der Looser Georg, der an diesem Tag zum ersten mal mit seinem Freund Paul an der Kasse auftaucht. Schwer mit Wodka beladen scherzt Georg mit Gisela und lädt sie schließlich zu seiner Party ein. Gisela kommt, aber wegen Paul, und die beiden beginnen an diesem Abend eine Affäre. Paul und Georg leben in den Tag hinein und saufen. Sie amüsieren sich über die Mädchen aus der Nachbarschaft, die sich auf die erniedrigenden Spielchen von Georg einlassen. Giselas beharrliche Wortkargheit, ihre unaufdringliche Beteiligung am Leben der beiden Freunde macht sie immer mehr auch für Georg anziehend. Die Drei rücken näher aneinander und bleiben doch seltsam distanziert in ihrem Umgang. Was sie verbindet, ist eine unausgesprochene Einsamkeit, eine Sehnsucht die sie unbeholfen in sexuellen Beziehungen ausdrücken.

Die Figuren in "Gisela" folgen keiner konventionellen Moral oder überdenken ihr Handeln, vielmehr spiegeln sie die Reaktionen wider, die sie auf ihre eigene Person erfahren. Sie gleiten, rutschen, stolpern durch emotionale Beziehungsgeflechte, ohne sich selbst einbinden zu lassen. Ihre fast sachliche Haltung gegenüber Sexualität ermöglicht ihnen zumindest eine körperliche Freiheit. Die unbekannten Gesichter der ProtagonistInnen verstärken das Gefühl, BeobachterIn eines Mikrokosmos zu sein, dessen Alltagsmonotonie, Isolation und Verarbeitungsmechanismen nicht allein Produkte einer Plattenbauwohnung sind. Vor allem die fragile Präsenz der namengebenden Figur Gisela, wird erst auf dem zweiten Blick als bewusste Haltung erfasst und ist deshalb als Leistung von Anne Weinknecht umso beeindruckender. Die Entdeckung dürfte aber Stefan Rudolf als soziopathischer Georg mit fettigem Haar und Schweißflecken zwischen den Schulterblättern sein.

"Gisela" ist der zweite Langspielfilm der Regisseurin Isabelle Stever. Der Film wurde auf mehreren Festivals in Europa gespielt und wurde als "Best Film" auf dem Crossing Europe Film Festival in Österreich und dem Baltic Debuts Film Festival in Russland ausgezeichnet. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Robby Dannenberg und Anke Stelling, die auch am Drehbuch mitarbeitete.

AVIVA-Tipp: Ein großes Schweigen breitet sich über diesen Film und was zunächst befremdlich wirkt, wird immer mehr zum Kunstgriff: die Poesie der Freiheit liegt bei diesen Figuren in der Resignation gegenüber einer Welt, die nicht hinter der sozialen Wohnungsbausiedlung liegt, sondern mitten in ihnen. Gisela ist keine Milieustudie, vielmehr ist es eine atmosphärische Momentaufnahme universeller menschlicher Leidenschaften. Ein Film der irritiert, der Sexualität in einer verstörenden Weise darstellt, der gebrochene, selbstzerstörerische, aufgelöste, einsilbige Persönlichkeiten zeigt und gerade deshalb so authentisch wirkt.


Gisela
Regie ISABELLE STEVER
mit Anne Weinknecht, Stefan Rudolf, Carlo Ljubek
Buch ANKE STELLING & ISABELLE STEVER
Dramaturgie ANAHITA NAZEMI
Kamera JAMES CARMAN
Deutschland 2005,
Dauer 90 min, Bild 16:9
Ton DD 2.0, Sprachen: deutsch, engl. Untertitel
Extras: Trailer, Kurzfilm "Requiem für etwas, das sehr klein ist" (1997)
19,90 Euro
FSK ab 16
EAN: 426003667356-2
ISBN 3-937045-56-2

Die DVD ist direkt beim Vertrieb erhältlich unter:
www.filmgalerie451.de


Kultur Beitrag vom 05.04.2007 Clarissa Lempp 

   




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