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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 23.09.2003

Wilde Bienen
Jana Scheerer

Wer als Kind Pan Tau mochte, wird diesen Film lieben: Bohdan Sláma erzählt pointiert vom Leben in einem mährischen Dorf zwischen Arbeit, Armut, Alkohol und Liebe. Heraus kommt eine Komödie zum Weinen



"Bei dir kann ich keine geistige Regung feststellen", attestiert Kajas Vater seinem Sohn in der Eingangsszene des Films. Kaja erwidert Nichts, der ZuschauerIn kommt ein Verdacht: Vielleicht hat der Vater Recht?

Neben dem stillen Kaja gehören Boschka und Jana, Betreiberinnen eines Kiosks, Ladja, Dorfdandy und Michael Jackson Imitator und Petr, Kajas Bruder aus der Stadt, zum Ensemble dieser Dorfgroteske. Von Anfang an hält der Film Distanz zu seinen Darstellern und verzichtet darauf, eine Illusion der Realität zu schaffen.

Jede Szene endet mit einer Pointe, die musikalisch mit einer Art "Tusch" untermalt wird. Gerade die Diskrepanz zwischen dieser fast schon boulevardtheatermäßigen Inszenierung und der Härte des dargestellten Lebens in Mähren erzeugt die morbide Komik des Films. Niemand kommt schließlich umhin, das Elend der verfallenen Wohnlagen und der schon morgens alkoholisierten Waldarbeiterinnen zu sehen.

Diese Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit wird auch nicht wirklich durch die Charaktere konterkariert. Vielmehr erweisen sich viele erste Eindrücke schlicht als richtig: Diese Welt ist trostlos und die Menschen in ihr ohne Hoffnung, und Kaja hat wahrscheinlich tatsächlich nicht sehr viel geistige Regung zu bieten.

Eine Regung jedoch spürt Kaja sehr deutlich: Er ist in Boschka verliebt. Dummerweise ist die mit Ladja, dem dorfeigenen Michael-Jackson-Imitator zusammen. Unterstützung findet Kaja bei seinem Bruder Petr, der aus der Stadt ins Dorf zurückkehrt und einen eigenartigen Typen mitbringt, den er als seinen "Kollegen" bezeichnet.

In der Figur des Kollegen zeigt sich die leichte Schwäche des Films: Zu viel wird der ZuschauerIn vorgeführt, verdeutlicht, erklärt. Mit einer albernen Sonnenbrille und einem Camcorder ausgestattet filmt der Kollege das Leben der Menschen im Dorf, ohne jemals wirklich Kontakt zu ihnen aufzunehmen. Er läuft wie eine Metapher für den Blick des Städters auf das Land durch den Film.

Bei vielen anderen Figuren jedoch funktioniert die Gradwanderung zwischen Holzschnittcharakter und differenzierter Personenzeichnung perfekt. Ladja, zunächst als gefühlsarmer Dorfdandy inszeniert, weint schließlich bitterlich um Boschka.

Moment mal, er weint um Boschka? Genau! Auf dem Feuerwehrball gelingt es Kaja, die Michael-Jackson-entnervte Boschka abzuschleppen. Petr nimmt sich Jana mit und auf geht´s in die Waldhütte. In dieser einen Nacht ist die Welt in Ordnung - und doch trennen sich die vier danach wieder.

In der Schlussszene fahren Kaja und Petr mit dem Auto in die Stadt. Boschka kommt ihnen mit Ladja auf dem Motorrad entgegen, sie lächelt Kaja zu. Das ist kein Happy End aber auch kein tragisches Ende. Denn wenn diese Menschen das Glück finden, dann nur in kleinen Portionen. Und immerhin lässt Ladja Boschka jetzt sein Motorrad fahren.



Wilde Bienen
Bohdan Sláma
94 Minuten, 25.September 2003
Tschechische Republik, 2001


Kultur Beitrag vom 23.09.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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